So wird die Vorlesung zum Podcast

Gina Kutkat

Seit gestern schmückt sich die Freiburger Uni dank einer Kooperation mit Apple mit dem Titel "Podcast-Uni". Die Informatiker der Uni beschäftigen sich allerdings schon lange mit dem Mitschneiden von Vorlesungen. Professoren können mithilfe eines in Freiburg entwickelten Programms ihre Vorlesungen aufnehmen und für die Studenten ins Netz stellen. Wie funktioniert so etwas? Gina war bei einer Informatik-Vorlesung von Prof. Dr. Gerhard Schneider dabei und hat sich die Technik erklären lassen.



Um aus einer Vorlesung einen Podcast zu machen, braucht es nicht viel. Man muss auch kein Computerfreak sein, um die Software zu bedienen. "Das ist wirklich kein Hexenwerk", sagt Professor Schneider. Mit einem kleinen Computer unter dem Arm betritt er den Raum 100 im Rechenzentrum der Universität Freiburg und drückt nach zwei Minuten Installationszeit auf den Recordknopf. Die Vorlesung und der Mitschnitt beginnen.


Um seinen Hals hängt ein Mikrofon, das seinen Vortrag inklusive Sprechfehler und kleinerer Pannen aufzeichnet. "Alles wird so mitgeschnitten, wie es tatsächlich ablief, zur Nachbearbeitung hat man meistens 'eh keine Zeit", sagt der Professor für Informatik. Mit einem Tablet PC, einem kleinen Computer, dessen Bildschirm gleichzeitig ein Touchscreen ist, führt er durch die Vorlesung.

Prof. Dr. Ottmann aus Freiburg erfand vor Jahren das Verfahren "Authority On The Fly". Mithilfe vieler Diplomarbeiten und der Firma im-c entwickelte sich daraus die Software Lecturnity, welche den Mitschnitt von Vorlesungen und Vorträgen ermöglicht. Im Podcast-Paket Lecturnity Mobil sind ein Tablet PC mit installierter Aufzeichnungssoftware, eine Webcam, ein kleiner Beamer sowie ein Mikrofon enthalten. "Alles zusammen wiegt nicht mehr als 2,5 Kilo", schwärmt Professor Schneider.



Während seiner Vorlesung unterstreicht er wichtige Begriffe mit dem Touch Pen, fügt Fragezeichen und kleine Illustrationen ein – seine gesamten Interaktionen werden mitaufgezeichnet.

Sein Vortrag und die dazu synchron gezeigten Folien stehen Sekunden nach der "echten" Vorlesung für die Studenten bei iTunes bereit. Um die Aufzeichnung in eine abspielbare Datei umzuwandeln, muss Professor Schneider nur ein paar Mausklicks tätigen. Als avi-Video oder Macromedia-Flash-Datei wird der Podcast über das Wireless Lan auf den Server geladen. Ein Redaktionsteam kümmert sich darum, dass die Vorlsesung bei iTunes landet.



"Natürlich funktioniert das neue System nur, wenn wir die Didaktik ein bisschen verändern", sagt Professor Schneider. "Sonst würden die Studenten in Zukunft ganz zu Hause bleiben." Deswegen gehört zu seiner zweistündigen Lerneinheit auch ein Praxisteil. Den können die Studenten nur vor Ort ausführen.

Ein Informatik-Professor, der Freude an der neuen Podcast-Plattform hat, ist kein ungewöhnliches Bild. Wie aber klappt die Anwendung bei einem Geisteswissenschaftler, der weniger technisches Verständnis hat? "Das New Media Center verteilt Lecturnity Mobil und hilft bei auftretenden Problemen."



Die lieben Kollegen müssen also nur noch motiviert werden. "Ein Preisgeld für die Fakultät mit den meisten Podcasts gibt es noch nicht. Wir müssen uns noch genau überlegen, wie wir unsere Kollegen motivieren", sagt der Informatikprofessor. Schließlich ist die Software nicht umsonst. Die Lizenz für beliebig viele Installationen kostet eine Fakultät 700 Euro, die Einzellizenz liegt bei 250 Euro.

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