So war's beim Theaterstück "Endzeitromantik"

Miriam Jaeneke

Hitler, Eva Braun, die sieben Todsünden: Das Stück "Endzeitromantik" von Gregor Bauer wurde am Dienstag zum zweiten Mal aufgeführt und versteht sich als theatrales Experiment. Wie passen das Böse, personifiziert durch Hitler, und das Gute schlechthin, nämlich die Liebe, zusammen? Wir haben uns unter die Zuschauer im Mensa-Pavillon gemischt und sie gefragt: Ist das Stück Kult oder Katastrophe?



Hitler und Eva Braun
, die als Liebespaar auf der Bühne Schokoküsse in sich hineinstopfen, Adolf, der Eva fragt: "Willst du die totale Liebe?" – Das Ergebnis von solch einem Wagnis kann eigentlich nur ein Entweder-Oder sein: Experiment geglückt … oder: voll daneben. Wir haben dazu drei Meinungen eingefangen, zunächst vom 29-jährigen Eric Lacher:


"Ich fand's wirklich sehr interessant. Ich war anfangs sehr gespannt, wie dieser Bogen gespannt wird, gerade, wenn klar ist, dass man irgendwas macht mit Adolf Hitler, dann ist es ja immer ein bisschen oha. Und ganz schnell kann es auch peinlich werden, aber ich fand, da haben sie den Bogen gut gekriegt.

Ob ich das Stück empfehlen würde, kommt immer drauf an, wem. Ich habe nicht nur Freunde, die ins Theater gehen, ich bin selber eigentlich gar kein solcher Theatergänger. Aber ich denke, dass ich es einem Großteil meiner Freunde empfehlen würde."

Etwas kritischer eingestellt ist Maria Lange, 19:

"Ich hätte mir vorgestellt, dass das Böse ein bisschen differenzierter dargestellt wird, mir war das zu einseitig, immer dieses Laute und dieses Rumgebrülle, das ist nicht so mein Ding. Für die Hauptdarsteller hätte ich mir auch andere Personenrollen gewünscht, das mit Adolf fand ich ein bisschen zu alt, da konnte ich mich nicht so gut hineinversetzen. Ich hätte es besser gefunden, wenn es gar keine so bedeutende Person gewesen wäre, sondern wenn es einfach nur als das Böse dargestellt worden wäre.

Ansonsten fand ich die Idee nicht schlecht und den Hintergrund auch, ich glaube, das ist sowohl was für junge Leute auch für ältere, also für ein breites Publikum."

Die Bilanz von Christel Lange, 64, fällt gemischt aus:

"Am Anfang hieß es ja, es wäre harte Arbeit, sich das Stück anzugucken, und teilweise war es das auch, teilweise war es schon ein bisschen anstrengend. Aber teilweise fand ich es auch sehr amüsant. Es ging ja eigentlich um das Böse; wie das dargestellt wurde, fand ich nicht so überzeugend, es war mir zu eindimensional. Ich finde Böses vielschichtiger. Auch dieser Schluss 'du sollst nicht lieben, denn es ist nur furchtbar' hat mich nicht so überzeugt, erstens an sich nicht, und zweitens auch im Stück nicht.

Aber einzelne Szenen fand ich sehr interessant. Was mir vor allem sehr gut gefallen hat, war das Thema des Besitzergreifenwollens [innerhalb der Beziehung zwischen Adolf und Eva, Anmerkung der Red.] und wie Eva sich dann entzogen hat und sich nicht hat besitzen lassen von dieser totalen Liebe. Das fand ich sehr überzeugend. Was mir auch gefallen hat, war die Sprache, mit sehr vielen Anspielungen und Zwischentönen."

Fazit: Überraschung! Ein Theaterstück widmet sich einem extremen Thema, das stark polarisieren könnte, und hinterlässt doch ganz und gar nicht polarisierte Zuschauer mit unextremen Meinungen.

Mehr dazu:

Was: Theaterstück "Endzeitromantik"
Wann
: Freitag, 10. und Samstag, 11. Februar 2012, jeweils 20 Uhr
Wo: MensaBar, Rempartstraße
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro