Junge Kunst in Freiburg

So war's beim genreübergreifenden "Ufer 2.0"-Abend im Südufer

Marion Klötzer

HipHop, DJ-Sounds, Tanz und Digitalkunst kollidierten am Samstagabend im Freiburger Südufer. Bei dem Event von Off Deluxe, Vapor Club und E-Werk wogte es in allen Ecken.

Im dunklen Saal des Freiburger Südufers blubbern und wabern am Samstagabend amorphe Fleischgebirge über eine riesige Leinwand, neben der Bar rinnt Wasser ein Blech in ein rot illuminiertes Aquarium. Wer dem durchsichtigen Schlauch über Hinterhof und Treppe folgt, landet im oberen Stockwerk zwischen weiteren Aquarien und einer futuristischen Soundkulisse aus dumpfem Knarzen, Dröhnen und Pulsieren.


Arbeit an der Schnittstelle von Computer und Realität

"Ufer 2.0 – Bar Kunst Club" nennt sich das spartenübergreifende Kunst-Event der theatralen Arbeitsgemeinschaft Off-Deluxe und dem Freiburger Künstlerkollektiv Vapor Club in Kooperation mit dem E-Werk. Hochkultur trifft Clubkultur, so das Konzept, mit dem die Kuratoren 2016 schon eine Veranstaltung in ähnlichen Format organisierten. Bei "Blubinski" dominierte die Farbe Blau, jetzt zieht sich Rot durch Räume, Installationen und Lichtregie. Davor experimentierten die ausgewählten Akteure eine Woche lang in den Süduferräumen – alle stammen sie aus der Generation der Computernutzer und machen digitale Kunst.

So wie der in Freiburg lebende Designer Calvin Herchenbach, der mit einer Kombination aus Algorithmen und gezielt gesetzten Parametern beeindruckende Videoinstallationen in 3D kreiert: Da wuchern knallige Blütengebilde über die Leinwand, wogen fleischig-feuchte Falten und Höhlen wie im Mageninneren eines Wales. Auch Katrin Krumms hyperrealistisches Stillleben "Deus lumen est" ist am Computer gebaut: Mit Tierschädel, Hanf, Knarren und viel Rapper-Bling-Bling zitiert und ironisiert sie Symbole der modernen Popkultur.

Eine raffinierte Klanginstallation zeigt das Duo oba boba & die Abgründe, das schon bei den Vorgängerproduktionen mit dabei war: In Blaumännern leiten die beiden geschäftig Salzwasser in unterschiedliche Glaskästen und nutzen es als Stromleiter, der Ton wird über selbstgebaute Synthesizer generiert.

Tanzende Kampfmaschinen

Das Programm ist ausgesprochen luftig und so muss man sich je nach Temperament ausgiebig treiben lassen oder lange warten, bis Karolin Stächele und Nadine Jundt ihre Tanzperformance zeigen. Die aber ist fantastisch: In übergroßen Kapuzenpullis, mit roten Strumpfmasken und nackten Beinen stürmen die beiden zu bombastischen HipHop-Sets von DJ Urte wie zwei androgyne Kampfmaschinen in den Saal, geben skurrile Vierfüßlerwesen und kraftvolle Derwischtänze, zappeln an roten Gurten um die Säulen und wälzen sich als komplexes Körperknäuel über den roten Tanzfloor. Artistisch, sehr exakt und eindrucksvoll.

Mittlerweile brummt das Südufer, vor allem junge Leute sind gekommen und tanzen zu den Beats von DJ Heroin, Urte vom Vapor Club und Nunu aus Straßburg. Der vorab geheim gehaltene Auftritt des jungen Kölner Rappers LGoony wird begeistert gefeiert. Ausgelassene Partystimmung bis in den frühen Morgen. Die Ausstellung ist da schon lange geschlossen – ob die Clubkultur auch die Hochkultur getroffen hat?