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So war’s bei der Stadtteilführung von Eat-the-World Freiburg

Jannis Jäger

Sieben Stationen und sieben Kostproben – die kulinarisch-kulturellen Stadtteilführungen von Eat-the-World gibt es seit langem in vielen deutschen Städten. fudder war bei der Tour durch den Stühlinger dabei – auf der Suche nach der Relevanz für die Generation U30.

Bereits in 45 deutschen Städten veranstaltet Eat-the-World seine Stadtteilführungen und seit fast einem Jahr auch im Freiburger Stadtteil Stühlinger. In Kooperation mit vielen Betrieben aus Gastronomie und Einzelhandel, werden dabei Häppchen gereicht und die ein oder andere Anekdote aus der Entwicklungsgeschichte des Stadtteils erzählt. Bei diesen Touren trifft der Gourmet auf den Lokalgeschichts-Nerd. Wessen Magen sich bei konventionellen Stadtführungen immer ein wenig langweilt, für den soll das genau das Richtige sein. fudder war dabei.


Die Tour

Die Gruppe trifft sich an der Wiwilí-Brücke. Elf Personen sind anwesend. Jedoch weist der Tour- Guide darauf hin, dass es für die Führungen keine Mindestanzahl an Teilnehmern gibt. Wenn eine Tour ausgeschrieben ist, findet sie auch mit nur einem Gast statt. Das verspricht schon mal: Hier ist der Kunde König.

Man kommt schnell ins Gespräch. Zwar offenbart der Altersdurchschnitt, dass sich hier nicht unbedingt studentisches Klientel tummelt, doch das macht nichts. Die Gäste kommen aus Bayern und dergleichen, ein paar eingesessene Freiburger wagen sich aber auch auf den Trail. Anfängliche Berührungsängste sind noch nicht zu 100 Prozent abgebaut, da gibt man sich schon mit dem Satz "Das ist schon unsere zehnte Tour" als eindeutiger Wiederholungstäter zu erkennen.

Dann kann es losgehen. Die Gruppe versammelt sich, um einer Einführung in die Geschichte des Stadtteils zu lauschen. Der sachkundige Vortrag weckt beim ein oder anderen vielleicht Erinnerungen an frühere Schulausflüge, aber der Detailreichtum stellt auch den geschichtsversessenen Freiburger zufrieden. Es wird von den Anfängen des Stühlinger als Arbeiter- und Industrieviertel berichtet. "Früher hieß es, man müsse mindestens einen Gefängnisaufenthalt nachweisen, damit es einem erlaubt war, hier zu wohnen", berichtet der Tour-Guide. Kriminelle Energie war hier also früher ein Muss, wie es der Volksmund will. Und bevor man sich fragt, "Ich dachte, hier gibt’s auch was zu essen", geht es auch schon los, zum ersten Kooperationspartner.

"Früher hieß es, man müsse mindestens einen Gefängnisaufenthalt nachweisen, damit es einem erlaubt war, hier zu wohnen." Tour-Guide

Von nun an ist es ein angenehmes Hin- und Her von kulturellem Input und kleinen Naschereien. Und nach einem sozial engagiertem Literaturcafé und einem Bio-Supermarkt, muss man anerkennen, dass diese Tour die Seele der Stadt ganz gut transportiert. Klischee? Naja, vielleicht ein bisschen.

Nacheinander fällt die Gruppe über verschiedene kleine Betriebe des Stühlinger her. Diese Bäckerei hat schon zu Zeiten der Besatzung Baguettes für die französischen Soldaten gebacken und in dieser, noch original eingerichteten, alten Apotheke erfährt man heute alles über Absinth. Doch der Schwarm wird in der Regel von dankbaren Betreibern empfangen. Der Support kommt gut an.

Die Gäste sind entspannt, sie lassen ein wenig die Seele baumeln und sind trotzdem hoch interessiert. Denn selbst die Freiburger Gäste müssen zugeben, dass sie heute an Orte gelangen, an denen sie so noch nicht waren. Jeder ist schon einmal an dieser Feinkostmetzgerei mit dem Frischfleisch-Automaten vorbeigefahren, aber viele haben sich eben noch nie weiter gewagt. Und die aller wenigsten wissen, wo Freiburgs erstes Studentenwohnheim lag. Aber an dieser Stelle keine Spoiler.

Fazit

So sieht dann auch das Fazit aus. Im wahrsten Sinne des Wortes bietet Eat-the-World kulinarisch-kulturelle Stadtteilführungen an. Es ist eine gute Mischung aus zwanglosem Ausflug und lokalgeschichtlicher Fortbildung, an der man nicht nur ein Standardprogramm abarbeitet. Von dem her kann das auch was für echte Locals sein. Also wessen Familie vielleicht bald mal wieder zu Besuch kommt oder wer in Littenweiler wohnt, an der PH studiert und nicht so oft in die Stadt kommt, folgt dem Link in der Infobox.
Was: Kulinarisch-kulturelle Stadtteilführungen von Eat-the-World

Wann: circa viermal die Woche, Do, 15 Uhr, Fr, 15 Uhr, Sa, 12 und 13 Uhr, genauere Infos: Eat-the-World

Wo: Stühlinger

Wieviel: 33 bis39 Euro, mehr Infos findet man auf der Website von Eat-the-World.

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