Schüler-Talkshow

So war "Nachgefragt" mit Bernd Raffelhüschen

Bettina Gröber

Diesmal war es eher eine Lehrstunde als ein unangenehmes Kreuzverhör: In der Reihe „Nachgefragt“ am Rotteck-Gymnasium präsentierte sich Bernd Raffelhüschen als ebenso beredter wie durchsetzungsfähiger Gesprächspartner der beiden 17-jährigen Schüler-Moderatoren Roxana Mitrofan und Hannes Wagner.

Als Frontalunterricht konnte man die rund eineinhalbstündige Veranstaltung aber keineswegs bezeichnen – vielmehr gab der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Freiburg und deutschlandweit bekannte Experte auf überaus unterhaltsame Art interessante und auch überraschende Ein-und Ausblicke: Die Themen reichten dabei von A wie Aktien bis Z wie Zuwanderung.


Den Rahmen lieferte das bewährte "Nachgefragt"-Programm. Begrüßt wurde der Gast vom Moderatorenduo mit Neuem Süßen und Zwiebelkuchen – für Raffelhüschen wurde der pikante Leckerbissen in Anspielung an ein Experiment seinerseits eigens in der Mikrowelle aufgewärmt. Bereits in der ersten Talkrunde, einem Frage-Antwort-Spiel, redete Bernd Raffelhüschen Klartext. Mit Kalkül an der Börse spekulieren? Unmöglich: "Aktien kauft man nach Zufall." Seine Einstellung zum Brexit? Schade sei der, da die Briten in der EU immer sehr rational agiert hätten. Lapidares Fazit daher: "Das ist für uns dumm gelaufen."

Im weiteren Gespräch klärte Bernd Raffelhüschen die Moderatoren sowie die rund 200 Gäste in der Aula des Rotteck-Gymnasiums dann gründlich darüber auf, wie das mit der Rente funktioniert. Die gute Nachricht zuerst: "Sie ist sicher." Doch gelte das eben nur für die Basisversorgung. Die Eltern der heutigen Jungen hätten den Generationenvertrag nicht eingehalten – weil sie für zu wenig Nachwuchs und damit für weniger Beitragszahler gesorgt hätten. Die Gegenmaßnahmen, etwa die Rente mit 67, seien da eben die Folge. Und überhaupt: "Unser Sozialsystem ist viel besser als es dargestellt wird."

Heikel dann das Thema Zuwanderung. Kann man Flüchtlinge so einfach abschieben? Natürlich nicht, und Deutschland sei zweifellos auch ein Einwanderungsland, so Raffelhüschen. Dennoch sei beim Zuzug ein "Gegensteuern bei bestimmten Gruppen" notwendig. Junge, gut qualifizierte Menschen täten dem Land gut. Der Experte erteilte jeglicher Form der Extrempositionen eine Absage: "Ich mag Rechts nicht, und ich mag Links nicht." Der Glatzkopf sei genauso dumm wie der Gutmensch.

Nach so vielen deutlichen Worten, denen die Moderatoren wenig entgegenzusetzen hatten, brauchte es noch andere Versuche, den standhaften Gast ins Wanken zu bringen. Doch auch da bissen die Schüler auf Granit: Kann Raffelhüschen, der ja neben seinem Professorenjob noch diversen anderen Tätigkeiten nachgeht, das alles noch jonglieren? Er kann, zumindest mit drei Bällen klappte es gar nicht schlecht. Auch beim Bau eines Münzturms machte er gute Figur.

Persönlicher wurde es dann gegen Ende der Show. Da ließ Bernd Raffelhüschen, seines Zeichens ja auch Herausgeber des "Glücks-Atlas", ein wenig in die eigenen Befindlichkeiten schauen. Erzählt, dass er die Geburt seiner drei Kinder als großes Glück erlebt hat. Wie er sich seinen Hochzeitstag merken kann. Dass er gerne am Schluchsee segelt.

Bernd Raffelhüschen darf sich nun also einreihen in die Galerie der illustren Gäste, die im Lauf der Zeit schon am Rotteck-Gymnasium waren. Eine weitere Unterschrift auf der "Nachgefragt"-Tafel – und eine weitere gelungene Veranstaltung, der dieses Mal der Gast einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat.