Der Sonntag

Rathaus

So war Martin Horns erste Woche als Oberbürgermeister von Freiburg

Jens Kitzler & Bernd Peters

"Hallo, hier ist Martin Horn!" Freiburgs neuer OB scheint immer noch auf Wahlkampf gepolt zu sein – neben zahlreichen Terminen verarbeitete er seinen Arbeitsalltag in den sozialen Medien.

In seiner ersten Woche als Oberbürgermeister hält Martin Horn seine Antrittsrede, absolviert dann zahlreiche Termine und verarbeitet seinen Arbeitsalltag in den sozialen Medien.

Das Protokoll sprengen und ein paar Pflöcke einhauen: Freiburgs neuer Rathauschef Martin Horn hat am Montag im Kaisersaal gleich zu Beginn seiner Amtszeit Akzente gesetzt. Zunächst einmal, indem er im voll besetzten Saal erst seiner Familie und seinen Unterstützern für deren Beistand in den vergangenen Monaten dankte, bevor er – wie es das Protokoll in solchen Fällen eigentlich verlangt – die Begrüßung der anwesenden Prominenz abarbeitete.


In der Folge dann, indem er ankündigte, dass er beim Thema Wohnungsbau im Stühlinger 1 000 Wohneinheiten ohne gewinnorientierte Investoren realisieren will – das sicherte dem neuen OB viel Applaus. Horn tut was, war die Botschaft. Und sie kam an. Dass der parteilose OB dabei noch immer ein wenig nach Wahlkampf klang, wurde ihm nachgesehen.

Horn hat sich im Wahlkampf zu hart angegriffen gefühlt

Horn ließ in seiner Antrittsrede durchblicken, dass er sich im Wahlkampf häufig bis hin zur Verleumdung angegriffen gefühlt habe. Er betonte auch noch einmal, dass sein Wahlsieg für viele sicher unerwartet gewesen sei. Gerade so, als sei der Kampf um den Einzug ins Rathaus für ihn noch immer nicht ganz vorbei. Dass er sein Amt bis auf Weiteres nur als so genannter Amtsverweser ohne Stimmrecht im Stadtrat wahrnehmen kann, habe einen "faden Beigeschmack". Aber er werde sich davon nicht die Freude nehmen lassen.

Stattdessen verkündete Horn, dass er einen Mietpreisstopp für städtische Wohnungen bis zu einer "Neujustierung" der Stadtbau plant und die Museen mehr Geld für den Ankauf von Kunst bekommen sollen. Parallel dazu werde er 2019 ein Kurzstreckenticket bei der VAG realisieren, die Debatte über eine Erhöhung der Kita-Gebühren aussetzen und mehr, als bisher geschehen, "die Menschen einbinden" in die Kommunalpolitik.

Seine Tramfahrt zum ersten Arbeitstag wurde vom Social-Media-Team begleitet

Damit hatte Horns erste Woche als OB begonnen. Am Dienstag läutete der 33-Jährige die Glocke im Saal des Technischen Rathauses und damit die Sitzung des Hauptausschusses ein. Die Themen stammen noch aus der Zeit seines Vorgängers, und so beließ es Horn weitgehend bei der Moderation. Bei der Suche nach einer Lösung für einen würdigen Umgang mit dem Standort der alten Synagoge – Freiburgs Daueraufreger seit einem Jahr – werde er persönlich Gespräche führen, bekräftigte er dann aber doch.

Am Mittwoch gastierte Horn bei der Einweihung eines Pflegeheims der Heiliggeistspitalstiftung und nahm an Gesprächen mit dem Zweckverband Regio-Nahverkehr teil. Am Donnerstag tagte er mit dem Aufsichtsrat der VAG, am Abend folgte die Neueröffnung des Autohauses Märtin. Und am Freitag begrüßte der 33-Jährige den evangelischen Landesbischof auf dessen Visite.

Einige der Termine, die der neue Oberbürgermeister diese Woche absolvierte, dokumentierte er selbst in Twitter und Facebook. Seine Straßenbahnfahrt zum ersten Arbeitstag wurde nicht nur von regionalen TV-Sendern begleitet, sondern auch von Horns eigenem Social-Media-Team, das die Dienstfahrt in einem Video verarbeitete, später resümierte Horn in einem Interview den ersten Arbeitstag. Die Grenze zwischen Information, Unterhaltung und Selbstdarstellung ist oft fließend: Für die Fahrt mit der Tram zur VAG-Aufsichtsratssitzung lässt Horn einen Plausch mit der Straßenbahnfahrerin mitfilmen und auch den Gruß über Funk in die VAG-Zentrale: "Hallo, hier ist Martin Horn, ihr Oberbürgermeister." Auch das Foto mit Promi Barbara Schöneberger, die als Moderatorin bei der Autohaus-Eröffnung fungiert, lässt er nicht aus. Dass der neue OB künftig zu jedem Pressetermin selbst mit Fotograf und Kamerateam erscheint, sei nicht geplant, heißt es im Rathaus – die Intensität der ersten Woche werde man nicht weiter aufrechterhalten.