Club der Freunde

So war fudders Clubcafé mit Freiburgs Start-up-Gründern im Cinemaxx

Jennifer-Justine Kirsch

Popcorn, viele innovative Ideen, Ehrgeiz und Film ab! Bei fudders Clubcafé im Cinemaxx zeigte das Lexrocket-Team den Film "Chasing the Spirit". Danach stellten sich fünf junge Start-ups aus Freiburg vor.

Die vier Freiburger Florian, Yalun, Marius und Robin stecken hinter dem Film "Chase the Spirit". Er ist der Nachfolger ihrer Doku "Starting Up USA – Von der Garage zum Unicorn in 5000 km" und besteht aus elf Folgen, die sich zu einer Serie zusammenfügen. "Chase the Spirit" beschäftigt sich mit der Start-up Szene in Europa. Mit dem Wohnmobil fuhren die Filmemacher von Irland bis nach Kroatien, um die Start-up Freundlichkeit der Länder zu erforschen. Das größte Problem dabei: den Kaffee Automaten im Wohnwagen zum Laufen zu bringen.


Der Start-up Hotspot im Norden Europas: Irland

Irland sollte der erste Teil ihrer Reise sein. Nicht nur, weil Florian dort für einige Jahre gelebt hatte, sondern weil dieses Land einer der Hotspots für Jungunternehmer ist. In beinahe keinem anderen Land wird einem Gründen so einfach gemacht: Am Trinity College in Dublin erklärt Dr. John Welan, wie er und sein Team der Enterprise ICT Research Commercialisation junge Erfinder mit einem bezahlten Praktikum zum eigenen Unternehmen verhelfen. In Irland kann man eine Firma innerhalb einer Woche über das Internet gründen.

"Keine Steuerberater oder Anwälte, es ist alles ganz einfach", meint Dr. Welan. Ähnliches hören die vier Freiburger beim Co-working space des Guiness Enterprise Centers in Dublin, wo sie die Erfinder von Zorin OS, einer Linux Distribution treffen, die bereits mit 12 und 14 Jahren ihr Unternehmen starteten. Die Brüder Zorin sind so zufrieden mit der irländischen Start-up Szene, dass sie momentan nicht einmal in die USA möchten, sondern ihr Unternehmen lieber von Dublin aus betreiben.

Generell scheinen in Irland alle Vorteile zusammen zu kommen. Große US Firmen und Banken, die teilweise Hauptabnehmer und Kunden von Unternehmen sind, finden sich dort. Dies gepaart mit einem einfach durchschaubaren Rechtssystem und viel Platz für Austausch unter Jungunternehmen bietet die perfekte Landschaft für diese wachsende Szene.

Fortsetzung folgt …

Florian Schmitt und seine Filmcrew haben noch mehr geplant: Über 25 Länder bereisten sie in zehn Wochen. Anfang 2019 sollen die Dreharbeiten fertig sein und dann werden die weiteren zehn Filme über Start-ups in Europa vor großem Publikum gezeigt. Florian will nicht zu viel verraten, aber sein ganz besonderes Highlight ist Portugal, das mit jungen, motivierten Menschen eine unerwartete Überraschung ihrer Reise war.

Und was können Freiburgs Start-ups so?

Doch was haben die Freiburger Gründer zu bieten? Fünf Freiburger Start-up Gründer wurden im Anschluss von fudder-Redaktionsleiter Markus Hofmann und fudder-Redakteurin Gina Kutkat interviewt. Dabei wurden auch einige der wichtigsten Start-up Buzzwords geklärt, die man in der Szene kennen sollte.

Christian Hirt – CEO und Gründer von Chainless
Chainless ist eine Software, die intelligente Bild- und Videoanalysen vornimmt und wird von Christian Hirt, seiner Partnerin und einem weiteren Freiburger Unternehmer betrieben. Dabei stützt sich die Software auf Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Das spart Firmen wertvolle Zeit während der Verarbeitung von Bild und Video.

Die Idee wurde umgesetzt, während Christian Vater wurde. "Das war dann wie zwei Start-ups gründen, nur dass man von einem mehr angeschrien wird." Der Freiburger nimmt es mit Humor. Die Zeit war schwierig, aber nichts, was das Planungstalent mit seinen zwei Mitgründern nicht bewältigen könnte. Heute ist die Firma auf dem Weg zur "Seed-Phase" und stellt erste Mitarbeiter ein.

Start-up Buzzword: Minimal Viable Product (MVP)
Ein Prototyp mit grundlegenden Funktionen, den man vorerst an einem Kunden testet, um die Funktionsfähigkeit zu erproben und zu sehen, ob Bedarf auf dem Markt besteht.

Jonas Lorscheid – Gründer von Dikkes Wassar
Schnaps, den die drei Gründer auch selbst trinken. Jonas kam die Idee in einer Rockerkneipe in Berlin Kreuzberg, wo Mexikaner in Massen ausgeschenkt wurde. Danach probierten er und zwei Freunde, Mexikaner selbst herzustellen und schon war der Ehrgeiz geweckt. Dikkes Wassar basiert auf Tomatenlikör und hat einen Anteil von 15% Alkohol. Chili und Salz sind die einzigen weiteren Zutaten, die Jonas preisgibt, der Rest ist streng geheim.

Der Name kommt übrigens von dem Azteken-Name für Tomate, was übersetzt "dickes Wasser" bedeutet.
Laut Jonas ist der Vorteil der Freiburger Start-up-Szene, dass man heraussticht. Er selbst hat sein Projekt in der "Brutbox" der BZ Medien groß gemacht. Von der Idee zur eigenen Flasche: Heute fehlen Dikkes Wassar nur noch der Druck des Etiketts und viele durstige Freiburger. Den original Freiburger Likör kann man ab Mitte Dezember online und in einigen Märkten in der Umgebung kaufen.

Start-up Buzzword: Inkubator
Inkubator, oder auch Brutbox beschreibt ein bestehendes Unternehmen, das einem gründendem Unternehmen beim "ausbrüten", also der Umsetzung der Idee weiterhilft.

Niklas Goby – Gründer von Geospin
Daten nutzen, um Städte intelligenter und nachhaltiger zu machen. Das ist die Idee der fünf Gründer von Geospin, eine Technologie, die das Konzept SmartCity erlebbar macht. Ein selbstlernender Algorithmus verarbeitet die zahlreichen Daten, die täglich produziert werden und nutzt diese, um Städte "smarter" zu machen. Niklas gibt das Beispiel von Elektrofahrzeugen, für die mehr Tankstellen gebraucht werden. Kriterien für Standorte gibt es viele und Geospin hilft dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

Die Firma ist bereits in Freiburg, Hannover und Hamburg sesshaft. Am Standort Freiburg gefällt Niklas die Vielzahl motivierter Angestellter, die sie derzeit rekrutieren. Mit einem Lachen fügt er jedoch hinzu: "Die Zuganbindung in Freiburg ist nicht so super, da braucht man eine Ewigkeit bis man in andere Städte gelangt". Trotzdem bleiben die fünf Gründer Freiburg treu und gehen durch eine Finanzierung mit Geospin derzeit in die "Seed Phase" über.

Start-up Buzzword: Seed-Finanzierung
Das beschriebt die erste Gelspritze eines Investors, die bei bis zu 600.000 Euro oder bei größeren Projekten sogar höheren Beträgen liegen kann.

Dominic Lammert – Gründer und CEO von Imachs
Einen platten Reifen, keine Ahnung, wie man den repariert, aber dafür eine frisch gekochte Lasagne im Ofen? Kochkünste einfach gegen Fahrradreparatur eintauschen. Das war die Idee von Dominic Lammert, der selbst während seines Erasmus-Jahres in Frankreich über dieses Problem gestolpert ist. Imachs nimmt genau diesen Ansatz und will Usern die Möglichkeit geben, Fähigkeiten auszutauschen. Ein kollektives Konzept, dass mit der Imachs-App vergangenen Samstag ins Leben gerufen wurde. Derzeit ist Imachs nur für den Raum Freiburg nutzbar, soll aber im Januar auf Straßburg und dann weiter in die Welt ausgeweitet werden.

Nebenbei ist Dominik auch Leiter der "Herder Start Up Corner", ein Förderprogramm für originelle Ideen. Hier benutzt der ehemalige Ethnologie- und Medieninformatik Student sein breites Wissen und berät Start-ups aus Freiburg direkt vor Ort.

Start-up Buzzword: Lean Start-up
Ein Lean Start-up hilft einem Jungunternehmen von Anfang an bei der Entwicklung und Umsetzung. Dominic nutzt die Metapher vom Schleifen einer Perle. Laut ihm ist eine Idee am Anfang immer unreif. Sie entsteht aus dem kreativen Affekt. Diese rohe Perle muss erst durch Tipps und Bewertungen geschliffen werden, bevor sie den Markt betritt.

Benedikt Böckenförde – Gründer und Geschäftsführer von Visual Statements
"Du weißt du bist Freiburger, wenn …". Wer in Freiburg wohnt, kennt diese Facebook-Seite. Benedikt und Co-Geschäftsführerin Kerstin leiten Visual Statements, ein datenbetriebenes Medienunternehmen, das monatlich über 34 Millionen Beitragsinteraktionen initiiert. Kunden, wie die deutsche Bahn und Toffifee hat der Freiburger schon mit Werbekampagnen beliefert und eigene Produkte, wie Tassen und Postkarten mit Sprüchen werden regelmäßig produziert.

Das Geschäft läuft gut, doch Benedikt bleibt realistisch: "Profit machen heißt nicht sicher sein. Wir müssen unser Wachstum finanzieren und bewegen uns daher immer auf glattem Eis." Mit "glattem Eis" meint er das finanzielle Risiko, das die meisten Start-up-Gründer auf sich nehmen und das für viele Grund ist, es nicht zu gründen.
Benedikt hingegen bewegt sich derzeit gekonnt auf dem dünnen Eis. Mit 35 Mitarbeitern haben sie Standorte in Freiburg und Berlin und seit 2014 sind sie mit eigenem Kapital ganz groß in der Start-up Szene dabei.

Start-up Buzzword: Bootstrapping
Ein Start-up, das sich selbst finanziert, und zwar von Anfang an, genau wie Visual Statements. Damit ist meist ein höheres Risiko verbunden, aber Benedikt erklärt, dass diese reine Form von Unternehmertum durchaus zum Erfolg führen kann.
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