So war es bei fudders erstem Clubcafé mit Magier Willi Auerbach

Leah Biebert

Magier Willi Auerbach alias The Magic Man war der erste Gast der Premiere von fudders Clubcafé. Er zauberte und verriet im Gespräch mit fudder-Redakteuren, wie es ist, als Zauberer zu leben. Einen Überraschungsauftritt hatte der Berliner Rapper Damian Correa.

Dramatisch schrappen die Geigen, dumpf schlagen die Trommeln dazu. Über den Köpfen des Publikums schwebt ein Tisch, das violette Tuch mit Troddeln an den Ecken flattert in der Luft. Den Tisch hat Zauberkünstler Willi Auerbach auf dem Dachboden seiner Großmutter gefunden.


Auerbach alias The Magic Man war bei fudders erstem Clubcafé zu Gast. Im Zeitungsmuseum der BZ gab er Mitgliedern des Club der Freunde eine kleine Vorstellung und beantwortete anschließen im Talk Fragen der Redakteure und Zuschauer. Überraschungsgast des Abends: Damian Correa alias Mister Q, der mit seinem Video "Ein Ur Berliner in Freiburg" in den vergangenen Wochen für Furore gesorgt hat. Correa kommt erst gegen Ende zum Talk dazu und berichtet, wie viele und welche Art von Reaktionen er auf das Video bekommen hat. "Damit hatte ich nicht gerechnet", sagt der 22-Jährige, der auch noch eine kleine Rap-Kostprobe gibt.

Auftritt von Auerbach: Das indische Zauberseil

In Indien, so erklärt Auerbach zu Beginn, gebe es eine große Menge an Magiern und Fakiren. Er, schlicht, aber schick gekleidet in Smoking und Fliege, präsentiert dem Publikum ein Seil. Aber nicht irgendeines: Ein indisches Zauberseil. Und stellt die Frage: "Wie könnte sich dieses Seil wohl zerschneiden lassen?" Daraufhin kommt prompt eine Antwort aus dem Publikum: "Mit einer Schere". Ganz klar. Also fädelt Auerbach eine Schere auf das Seil auf, hält die beiden Enden nach oben, sodass die Schere in der Mitte des Seils durchhängt. Die Mitte nimmt er in die Hand. Dreimal schnippt er mit den Fingern – und das Seil trennt sich in der Mitte durch.

Der 37-jährige Waldkircher tritt vor allem vor kleineren Gruppen auf Geburtstagen, Hochzeiten und bei Firmenevents auf. Er gibt aber auch schonmal größere Shows vor 600 Leuten. Mit 17 Jahren sei er zur Zauberei gekommen, erzählt er im anschließenden Gespräch mit fudder-Gründer Markus Hofmann und fudder-Redakteurin Gina Kutkat. Als er in Orlando, Florida, ein Zaubergeschäft betreten habe, sei der Funke übergesprungen.

Weltmeisterschaft in Südkorea

Interaktiv bezieht er das Publikum mit in seine Show ein. Er holt Anni aus Freiburg auf die Bühne, sie soll von ihren Träumen erzählen. "Träume haben viel mit Zauberei zu tun", behauptet er und weist Annie an, die Augen zu schließen und in einen ihrer Träume hineinzugleiten. Ein Fingerschnippen von ihm soll sie schließlich wieder ins Hier und Jetzt bringen. Annie öffnet die Augen. Nach der kurzen Reise in ihre Traumwelt soll sie nun in eine Gefühlsbox greifen und den verborgenen Gegenstand darin erfühlen. "Es ist aus Metall, eher kühl. Ich habe es eher täglich in der Hand. Ich glaube, es ist ein kleiner Esslöffel. Ein Teelöffel." Als Auerbach den Gegenstand zum Vorschein bringt, entpuppt er sich als eine Schöpfkelle. "Ein Freiburger Teelöffel!", ruft er erfreut und präsentiert sie dem Publikum.



Unterstützung von seiner Frau Elena

Das Wichtigste am Zaubereigeschäft sei es, Präsenz zu zeigen, betont Willi Auerbach. Man sollte auf Situationskomik reagieren können. Im Grunde sei es nichts anderes als Improvisationstheater. Der Magier nimmt daher extra Schauspielunterricht und besucht Rhetorikkurse. Seine Frau und Assistentin Elena, beruflich Tänzerin, unterstützt ihn dabei. An Talent glaubt Auerbach jedoch weniger. "Wenn man etwas gerne und aus Überzeugung macht, kann man sich das nötige Talent aneignen", findet er.

In seinen Shows konzentriert sich Willi Auerbach auf Großillusionen. Darauf setzt er auch für die WM, denn Großillusionisten sind in Asien selten. Vor allem die Fyling Illusions haben ihn bereits über Jahre hinweg begleitet, einer der aufwendigsten Tricks, der sehr viel Arbeit und Energie fordert. Für Auerbach aber auch einer der schönsten. Mit seinen Illusionen nimmt er einen speziellen Bereich in der Zauberei ein. Als ausgebildeter Industriemechaniker kommen ihm vor allem seine umfassenden Kenntnisse in Technik und Mechanik zugute. In seiner Zaubereiwerkstatt in Waldkirch entwickelt er zudem selber Tricks und verkauft sie an Kollegen; dazu werden 3D-Modelle erstellt und umgesetzt. Auch für externe Dienstleister.

Überraschungsgast Damian Correa

Unter Kollegen berät man sich gegenseitig, stimmt sich ab, tauscht gegenseitig Tricks aus oder gibt die eigenen gegen eine Lizenzgebühr zur Nutzung frei. Nicht mehr als hundert Profizauberer gibt es in Deutschland; die Glitzerschows in Las Vegas sind da schon ein anderes Kaliber. Sehr hartes Brot bei sehr großer Konkurrenz. "Zauberei ist als Künstler nicht die einfachste Art, an Geld zu kommen", gibt Auerbach zu. "Aber deswegen bin ich nicht Künstler geworden, sondern aus Leidenschaft. Geld ist nicht das Ziel Nummer eins."

Mister Q - Ein Ur-Berliner in Freiburg



Auch nicht für Damian alias Mr. Q, der als Überraschungsgast bei fudders Clubcafé aufwartet und zwischen alten Schreibmaschinen, Infotafeln und Druckerpressen von seinem Song "Ein Ur-Berliner in Freiburg" erzählt. Die Parodie ist mittlerweile zum Stadtgespräch geworden – wird aber nicht überall positiv aufgenommen. Über die "Liebesbriefe", wie Damian sie nennt, von den Badenern, die das Video nicht verstanden haben, kann er lachen. Es sei doch lediglich ein Spiel mit Klischees, Satire. Ein bisschen hat es was von Kraftklubs "Ich will nicht nach Berlin", nur umgekehrt. "Eigentlich gefällt’s mir ja auch ganz gut hier", gesteht der 22-Jährige, der für das Studium nach Freiburg gezogen ist. "Ich weiß auch wie das Badnerlied geht und bin Mitglied beim SC."

Zaubern für den guten Zweck

Bei Willi Auerbach steht in diesem Jahr die Weltmeisterschaft im Vordergrund. Aber er möchte auch wieder eine Benefizgala veranstalten und damit in die Öffentlichkeit gehen. Als Botschafter der von Karlheinz Böhm ins Leben gerufenen Stiftung "Menschen für Menschen" setzt er sich für die Äthiopien-Hilfe ein, die den Bau von Schulen und Krankenstationen in dem afrikanischen Land unterstützt und sich für die Stärkung von Frauenrechten einsetzt. Am Ende verrät Auerbach natürlich keinen seiner Tricks, macht aber eine Voraussage für die Zukunft des Bitcoins: "Finger weg!" Und für die Nachwuchszauberer im Publikum hat er sogar noch Karrieretipps: Ausdauer und Geduld sind das A und O für erfolgreiche Magie.

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