Kulturaggregat

So war die Premiere von "Retour", dem ersten feministischen Porno aus Freiburg

Jorinde Wiese

Das Freiburger Porno-Start-Up Feuerzeug zeigte am Mittwochabend erstmals seine erste Produktion "Retour". Der feministische Sexfilm handelt von zwei Menschen, die sich beim Trampen kennenlernen.

"Geht ihr auch heute Abend Porno gucken?", fragt ein Student in der UB in Freiburg und ich muss innerlich grinsen. "Nicht nur du", denke ich. Heute Abend feiert die erste Produktion vom studentischen Porno-Start-Up "Feuerzeug" Premiere im Kulturaggregat und eine Handvoll Gäste sind eingeladen, um ihn live zu sehen.


In mir steigt leichte Panik auf: Wird das nicht irgendwie komisch mit anderen Menschen zusammen in einem Kino einen Porno anzuschauen? Kira und Leon, die Gründer von Feuerzeug, sind jedenfalls sichtlich entspannt und begrüßen alle Gäste und Teammitglieder, die zur Premiere gekommen sind. "Endlich ist es so weit. Es ist toll zu sehen was man als Team gemeinsam auf die Beine stellen kann!", sagt Kira.

15 Minuten feministischer Freiburg-Porno

Nach einer kurzen Fragerunde mit den Regisseuren und Darstellern geht es los. Licht aus und Film an. Es folgen 15 Minuten, in denen sich zwei Menschen beim Trampen kennenlernen. 15 Minuten, in denen sich Spannung zwischen den beiden aufbaut, die mit einer Sexszene endet. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten und hätte genauso passieren können.

Mit viel Liebe zum Detail und eigens eingespielter Filmmusik einer Freiburger Studi-Band, zeigt der erste Film "Retour", dass Porno auch anders geht. Ohne Heu, ohne monotones Stöhnen und vor allem mit Safer sex. Das zeichnet den ersten feministischen Porno von Feuerzeug aus. Die beiden Hauptdarsteller sind nahbar, sie sprechen keine platten Porno Dialoge, sondern entwickeln eine ganze Geschichte. Was genau passiert? Neugierige können den Film bald für wenige Euro herunterladen, sobald der Film auf Online-Plattformen verfügbar ist. Es lohnt sich!

Was ist feministischer Porno?

Feministischen Porno kann man ohne schlechtes Gewissen gucken, die Darsteller spielen keine Sexszenen nach Skript, sondern leben Konsens vor der Kamera und haben immer Mitspracherecht bei der Bearbeitung des Films. Die Bezahlung und die Produktionsbedingungen sind fair. Ein echter Kontrast zum Porno Business.

Brauchen wir feministische Pornos?

Ja, ich denke schon. Ein bisschen mehr Normalität beim Thema Sex würde uns allen gut tun. In einer Welt, in der absurde Körperideale in Pornos noch immer die Norm sind und die Lust der Frau absolut keinen Platz hat, sind feministische Pornos eine Alternative zum Mainstream. Wer weiß, vielleicht werden sie in wenigen Jahren der absolute Mainstream sein und wir werden den Kopf schütteln über das, was heute noch als "normal" gilt. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Feuerzeug im Jahr 2019 richtig durchstartet.
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