So war die Anti-ACTA-Demo in Freiburg

Manuel Lorenz

"ACTA stopp! ACTA stopp", skandierten heute Nachmittag in der Freiburger Innenstadt zahlreiche Jungerwachsene. Trotz gefühlten -15° Celsius hatten sich dort über 500 Menschen zusammengefunden, um gegen das ACTA-Abkommen zu demonstrieren.



Über 2400 Personen
hatten auf Facebook ihre Teilnahme an der Anti-ACTA-Demo in Freiburg zugesagt. Noch Mitte vergangener Woche hatte Mit-Organisator Florin Godard verlautbart, man rechne mit knapp 300 Teilnehmern.


Heute Vormittag twitterte er (unter @wasMitNetzen) dann: "Köln hat anscheinend eine Facebook => Demonstrant-Quote von 50%. oO Falls das in Freiburg auch klappt, wird's nachher voll. :D" Wieviele es heute Nachmittag dann tatsächlich waren, ist immer noch unklar. Godard spricht von über 500, andere gehen von über 1000 aus. Die wirkliche Zahl liegt wohl irgendwo dazwischen.

15 Uhr: Auf dem Kartoffelmarkt hat sich schon eine Großzahl an Demonstranten eingefunden. Und: Natürlich sehen sie nicht viel anders aus, als diejenigen, die schon am vergangenen Samstag anderswo gegen das ACTA-Abkommen auf die Straße gegangen sind. Nicht wenige haben eine Guy-Fawkes-Maske auf - jenes markante, weiße Gesicht mit d'Artagnan-Bart, das ursprünglich aus dem Graphic Novel "V wie Vendetta" stammt und durch das Internetkollektiv "Anonymous" unter anderem zum Symbol eines freien Internets wurde.



Die Demonstranten sind sehr jung, teils nicht älter als 15. Die meisten von ihnen sind mit dem Internet aufgewachsen und kennen die Zeit, als es das Internet noch gar nicht gab, gar nicht. Digital natives, würde manch einer sie vielleicht nennen. "Die haben sicher nicht alle den Vertragstext von ACTA durchgelesen", sagt Mit-Organisator Florin Godard. "Aber sie verstehen sicherlich, worum es dabei geht. Dass das Internet kontrolliert wird: Das ist nicht ihre Vorstellung von Bürgerrechten." Falls das Abkommen nicht fallen gelassen wird, will er auf jeden Fall eine weitere Demo organisieren.

Viele der Demonstranten haben ihre Smartphones parat und facebooken, twittern, fotografieren, und filmen ohne Unterlass - und das mit klammen Händen. Gefühlte -15° Celsius meldet wetter.de. "Wer bei solchen Temperaturen auf die Straße geht, dem muss es wirklich wichtig sein", sagt @konstantin_frbg, der nebenbei ebenfalls fleißig twittert. Und Daniel, 20, in Guy-Fawkes-Maske, sagt: "Es kann nicht sein, dass so ein Abkommen, das uns alle betrifft, hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. Da müssen wir miteinbezogen werden."



Einige Demonstranten haben Transparente angefertigt. "ACTA ad acta legen!", "ACTA basta!" und "Dieses Plakat ist aus urheberrechtsgründen gesperrt!" Ein Organisator stellt sich auf den Brunnen und übt mit den Demonstranten den simplen Schlachtruf, der in weniger als 140 Zeichen auf den Punkt bringt, worum's geht: "ACTA stopp! ACTA stopp!" Die Demonstranten erweisen sich als textsicher. Die Piraten sind da, die Grünen sind da, die Linken sind da. Und natürlich auch die üblichen Profi-Demonstranten, die ihren Plakaten und Parolen nach zu urteilen andere Ziele haben, als ACTA ad acta zu legen. Allein, ihre Parolen gehen hier heute unter. Heute gibt es nur ein Anliegen: "ACTA stopp! ACTA stopp!"

15:25 Uhr: Der Zug setzt sich in Bewegung. Schiffstraße, Kaiser-Joseph-Straße, Rathausstraße, Rathausplatz. Unmengen von Demonstranten, kaum Polizisten. Mit bloßem Auge sieht man maximal 20. "Wir sind so aufgestellt, dass wir die Lage im Griff haben", sagt Polizist Batturi vom Revier Freiburg-Süd. "Die Demonstration verläuft für die Polizei sehr angenehm. Es ist alles sehr ruhig und friedlich." André Martens, Pressesprecher der Piraten, erklärt sich das mit der Natur des Internets: "Im Internet geht es zwar manchmal hart zur Sache, aber eigentlich ziehen die Leute an einem Strang und gehen vernünftig miteinander um." Und tatsächlich: Aggressiv sind nur die Normalbürger, die nichtsahnend vom samstäglichen Shopping kommen und den Rathausplatz überqueren müssen. Sie bahnen sich mit ihren Ellenbogen einen Weg durch die demonstrierende Masse.



16:00 Uhr: Leider funktionierte die Anlage nicht so richtig, und so verstand man weiter hinten nicht, was von vorne verkündet wurde. "Die Demo war sehr spontan. Das wird das nächste Mal auf jeden Fall besser. Wir kriegen da Übung", so Godard zum technischen Engpass. Als klar ist, dass nichts mehr verlautbart wird, gehen die Demonstranten recht schnell nach Hause. Bereits wenige Minuten später laufen die sozialen Netzwerke heiß. @_tillwe_ twittert: "Spannend an (eisigkalter) Acta-Demo: digital natives als neue Jugendbewegung!? #actafr" Und der Freiburger Blogger Konstantin Görlich brachte es wenig später auf seinem Blog auf den Punkt: "Diese neue Bewegung ist jung und überparteilich. Es demonstrierte keine politische Gruppe, sondern das Internet."

Die Aufzeichnung des Live-Streams von Anti-ACTA Freiburg

Quelle: USTREAM


Mehr dazu:

  • fudder: http://fudder.de titel="">Fotos: Anti-ACTA-Demo in Freiburg
  • Twitter: @StoppActaFR
[Fotos: Janos Ruf]