Freiburg-Wiehre

So war der Ortstermin am Graffitihaus mit Künstler Tom Brane

Johannes Tran

Der Streit um das Graffiti-Haus in der Wiehre ist beendet. Doch das Interesse der Freiburger an dem großflächigen Wandgemälde von Tom Brane besteht weiter. Ein Ortstermin

Am Freitag strömten Dutzende in die Kirchstraße, um sich vom Künstler höchstpersönlich erklären zu lassen, wie ein solches Graffito entsteht. Der selbst war froh, mal über etwas anderes als den Denkmalschutz sprechen zu dürfen.


Von der Skizze zum Graffito

Die, die gekommen waren, hingen an Tom Branes Lippen. Der Mann mit dem Kurzhaarschnitt trug seine Arbeitskleidung: Rote, gelbe und blaue Farbtupfen zierten Weste und Jeans. Für das bunt gemischte Publikum schlüsselte der Künstler den Prozess auf, der bei der Entstehung des vieldiskutierten Graffito im Hintergrund abgelaufen war.

Von der Hauseigentümerin mit den Künstlerarbeiten beauftragt, maß Brane damals die Hausfassade mit einem Zollstock aus und fertigte daraufhin eine Skizze an. Besonders knifflig: Zahlreiche große Fenster drängen sich mitten ins Motiv. "Das war eine Herausforderung."

Nachdem ein Maler die Hausfassade neu gestrichen hatte, begann Brane schließlich zu sprühen. Doch wieso ausgerechnet diese Motive? Wieso Blumen, Bienen, Enten? "Hier sind fünf Kindergärten in der Nähe", begründete er seine Entscheidung. Kitschig sei das Motiv aus seiner Sicht nicht. "Aber ich dachte nicht, dass Enten und Blumen für Probleme sorgen würden." Das Publikum lachte, wusste doch jeder von dem Kampf, den der Künstler und sein Werk durchgemacht hatten: Das Baurechtsamt hatte die Arbeiten mit Verweis auf den Denkmalschutz gestoppt, bevor sich herausstellte, dass das Haus gar kein Denkmal ist.

Jetzt fehlen noch Schatten und Tiefenperspektive

Viele Zuschauer wollten wissen, welcher Schritt denn als nächster folgen werde. Da war Brane ganz in seinem Element, voll Vorfreude auf die Vollendung seines Kunstwerks. Es gelte jetzt, Tiefenperspektive in das Bild zu bringen, dazu müsse er den Motiven einen Schatten verpassen. Darüber hinaus wolle er den hellblauen Himmel noch schöner mit den Gräsern und Blumen in Verbindung setzen. Und nicht zuletzt warteten noch die beiden weiteren Fassaden des Eckhauses auf ihre Bemalung.

Der Künstler nahm bewusst keinen Bezug auf den Konflikt mit dem Baurechtsamt. "Inhaltlich ging es mir heute nur darum, den Leuten die Malerei näherzubringen." Von Denkmalschutz keine Rede.

Mehr zum Thema: