So war der erste Drehtag des Freiburg-Tatorts

Kathrin Müller-Lancé

Ab diesem Dienstag ist Kommissarin Heike Makatsch offiziell im Dienst. Die Dreharbeiten haben im Herdermer Musikerviertel begonnen. fudder-Paparazza Kathrin Müller-Lancé war bei ihrem ersten Einsatz dabei:



Mittwochs-Update: Der Freiburg-Tatort ist heute ein Flop: Niemand sieht ihn. Gestern haben wir noch Fotos vom Dreh gezeigt, nun stellen wir fest: Auch beim SWR liest man fudder. In der Franz-Liszt-Straße in Herdern hängen große Planen! Uns egal. Wir liefern trotzdem einen Einblick in die Welt dahinter - jetzt eben fiktiv: 11 Dinge, die hinter dem Tatort-Sichtschutz passieren könnten.

Kein Blut, keine Waffe, keine Leiche - das Erste, was ich vom Tatort-Dreh wahrnehme, ist eine rot-weiße Absperrung. Und auch sonst wirkt das Set in der Franz-Liszt-Straße eher unspektakulär: Ein Reflektor schützt die Filmcrew vor Licht und neugierigen Blicken, der Catering-Kiosk wartet noch auf seinen großen Auftritt. Als ich - fast nichtsahnend - die Absperrung übertrete, werde ich prompt von einem Crew-Mitglied zurückgehalten: "Hier bitte nicht weiter". Ich entschließe mich, mich meinem Objekt von der anderen Seite aus zu nähern.

In der Schumannstraße sieht es schon besser aus. Sie ist gesäumt von schwarzen und weißen Vans mit Filmlogos. Verkabelte Filmcrewmitglieder springen aus allen Ecken. So stellt man sich das doch vor, beim Film. An der Straßenkreuzung zur Franz-Liszt-Straße stehen zwei Fahrräder. Aha, denke ich mir, Öko-Komissarin Heike Makatsch ist also auch schon angereist.

Hinter der - natürlich auch hier aufgebauten - Absperrung werfe ich einen ersten Blick aufs Set. Die Straße ist dekoriert mit hübschen kleinen Altbau-Häuschen, grüne Bäume wachsen am Wegesrand. Schick. Hier soll also im Film die Mutter der Kommissarin wohnen.  
Nur ein Detail trübt die Freiburger Idylle: Auf der rechten Straßenseite steht ein silberner Mercedes. Ein richtiges Auto. Und das scheint sogar eine Rolle zu spielen: Die kommenden anderthalb Stunden wird Hauptdarstellerin Heike Makatsch damit verbringen, möglichst kamerawirksam aus dem Auto ein- und auszusteigen. Aber was waren dann die Fahrräder? Ein Täuschungsversuch? Eine Tarnung? Ist der Freiburger Tatort etwa doch nicht so öko, wie angekündigt?



"Das ist ja gar nicht so spannend, die hocken ja nur rum", sagt ein kleiner Junge zu seiner Mutter. Recht hat er. Vor der Absperrung scheint mehr zu passieren als dahinter am Set. Rund um den rot-weißen Zaun haben sich einige Schaulustige zusammengefunden. Eine Dame vom Radio interviewt. Kinder fahren mit Inline-Skates an der Absperrung entlang und werden von einem Crew-Mitarbeiter zur Ruhe gemahnt. "Psst, wir drehen!" Zwei Hunde geraten in Streit und bellen sich an. Sie werden nicht ermahnt.

Dabei wird es jetzt auch hinter dem Zaun interessant - Auftritt: Heike Makatsch. Helle Jeans, rosa Blouson, weiße Turnschuhe und Ponyfrisur. Perlen des Passanten-Tratschs: "Wer ist denn jetzt eigentlich diese Heike Makatsch, Mama?" "Das ist die, der gerade die Schuhe geputzt werden. Schau, die, die sich da grade bückt!" "Das ist ja bestimmt nur ein Double. In echt hat die Makatsch doch viel hellere Haare!" "Naja, die kann man ja auch färben!"

"Probe, Ruhe bitte!" Es geht los. Die neue Freiburger Kommissarin stöpselt Kopfhörer ins Ohr und steigt ins Auto. Lässt den Motor an, macht den Motor wieder aus, steigt aus. “Super, perfekt, danke!”, wird am Set geschwärmt. Schauspielerin müsste man sein.

"Bitte keine Fotos!"

Ein junger Mann reist mich aus meinen Karrierewechsel-Träumen. Der lockere Kerl vom Set - schwarze Jeans, schwarzer Pulli, schwarze Sonnenbrille - will wissen: “Kommst du von irgendeiner Zeitung oder so?” Ähm, ja - eher oder so. “Dann bitte ich dich, keine Fotos mehr zu machen. Es wird offizielle Termine geben mit offiziellen Fotos. Es wäre doch wirklich schade, wenn du mit den Fotos schon was von der Story vorwegnehmen würdest.” Es ist heute mein erstes Mal als Paparazza, da will ich nicht aufmüpfig werden. Vorläufig stecke ich die Kamera ein - und beobachte weiter.

"Handy aus, gell Heidrun?" Zwei hippe Garderoben-Girls betreten das Set. Die Händen voller Kleiderbügel. Ohne zu viel von der exklusiven Story vorwegnehmen zu wollen: Im Freiburg-Tatort trägt man wohl Jeansjacke, rosa Blousons und Blümchenblusen. Was sonst noch so Spannendes am Set passiert? Eine Technikerin versorgt die Jungschauspielerinnen im Van mit Sonnencreme und Tee. Irgendjemand soll außerdem Paracetamol und Aspirin für die Set-Apotheke besorgen. Die Bodyguards am einen und anderen Ende der Straße unterhalten sich über ihre Knöpfe im Ohr miteinander.



Auch wenn sie mich ein bisschen einschüchtern, muss ich nochmal kurz die Kamera zücken. Die große Angela Winkler (auf dem Foto in der Mitte, bekannt zum Beispiel aus "Die verlorene Ehre der Katharina Blum") steigt aus einem Garderobenwagen, bedenkt die Zaungäste mit einem anmutigen Nicken und läuft schnurstracks auf die Filmhunde am Set zu.

Nach einer kurzen Kontaktaufnahme gehen die Streicheleinheiten mit dem Team weiter, die Schauspielerin wird herzlich begrüßt. Welche Rolle sie übernehmen wird, will mir aus dem auskunftsunfreudigen SWR-Team niemand verraten. Es gebe ja irgendwann noch einen Pressetermin - das Datum könne man mir aber noch nicht sagen.

Nach anderthalb Stunden am Set - der Dauer eines Tatort-Films - fühle ich mich der Crew schon fast so vertraut wie den Charakteren im Fernsehen. Es gibt Gute (Heike Makatsch, Angela Winkler, die Caterer) und Böse (die SWR-Aufpasser, den Lärm, die Presse). Als ich gerade noch ein letztes Foto von der Hauptdarstellerin schießen will, schiebt sich eine Hand vor die Linse. "Bitte keine Fotos hier" - ein mir noch unbekannter SWR-Mitarbeiter ist wie aus dem Nichts aufgetaucht. Er wirkt sehr seriös und ein bisschen böse. Eingeschüchtert beende ich meine Paparazza-Premiere vorläufig. Muss ja nicht sein, dass hier beim "Tatort" tatsächlich noch jemand verhaftet wird.

Mehr dazu:

 

Fotos: Kathrin Müller-Lancé

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.