So war das Hans-Bunte-Opening (erzählt von 2 Männern in der Straßenbahn)

Nightlife-Guru

Am Samstag war Hans-Bunte-Opening. Leider war der Nightlife-Guru verhindert. Am Montag hat er nun versucht, sein Versäumnis nachzuholen - und hörte beim Bahnfahren genauer hin:



Haltestelle Heinrich-von-Stephan-Straße. Linie 5 Richtung Stadtmitte. Zwei Jungs steigen ein. Der eine trägt eine schwarze Hose und ein weißes Hemd, das bis zum Brustbein aufgeknöpft ist. Der andere trägt T-Shirt und Jeans, blau, starker Vintage-Abrieb an den Oberschenkeln und Knien. Neymar-Look auf dem Kopf. Auf stern.de kommentiert ihn der Hamburger Promi-Friseur Jörg Oppermann folgendermaßen: "Jung, dynamisch, unangepasst." Sie setzen sich und beginnen ein Gespräch.


Der eine: "Alter, wo warsch du Wochenende?"

Der "Alte": "Ich war Stinnes. Total geil."

Der eine: "Das Stinnes hat zu, du Fotz. Heißt anders jetzt."

Der "Alte": "Ich weiß, Mann. Das heißt eigentlich Big7."

Der eine:
"Nee, so heißt Disco dort. Das Stinnes hat anderen Namen. Fällt mir gerade nicht ein."

"Hans Bunte, das Stinnes heißt jetzt Hans Bunte", möchte ich mich einmischen und die beiden Jungs auf den neuesten Kenntnisstand bringen. Doch ich bin zu schüchtern, möchte mich nicht aufdrängen. Ich schweige.

Der eine: "Was ging da?"

Der "Alte": "War ubergeil."

Wie bitte? Hat der Kerl tatsächlich "uber" gesagt? "The Ubercoolische". So hieß doch eine englischsprachige Webseite, deren Betreiber etwa zwischen 2004 und 2008 die Berliner Minimal-Techno-Szene, besonders aber deren anglo-kanadisch-chilenische Protagonisten um Richie Hawtin und Ricardo Villalobos, auf den Arm nahm. Doch warum eigentlich nicht. Der durchschnittliche Freiburger erkennt Trends ja meist zu spät - und steigt dann trotzdem noch ein.

Der eine: "Erzähl."

Der "Alte": "Format:B halt. Haben abgerissen."

Der eine: "Krass!"

Der "Alte": "War fett."

Der eine: "Ich war Stadt. Konnte nicht mehr. War zu dicht. Und du?"

Der "Alte": "Zu krass, Mann."

Haltestelle Holzmarkt. Abgerissen. Krass. Fett. Mit ihren Superlativen haben mich die Jungs heiß gemacht. Jetzt will ich wissen, was auf der Eröffnungsparty im Hans Bunte ging. Nur noch eine Haltestelle und ich muss aussteigen. Verdammt.

Der "Alte": "Nächste raus? Dann essen? Mäckes?"

Verdammt. Heiß machen und dann fallen lassen. Das geht gar nicht. Raus mit der Sprache: Was ging im Hans Bunte?

Der eine: "Ja. Hab ich Bock zu. Heute noch nix gegessen. Nehmen wir Menü?"

Der "Alte": "Ja. Hab ich Sonntag auch genommen. Nach Stinnes. Weisch, irgendwann kommt Hunger."

Der eine: "Das heißt trotzdem nicht mehr Stinnes, du Depp."

Der "Alte": "Ist doch egal. Fett war die Party trotzdem. Ich habe getanzt. Die ganze Zeit. Und Format:B hat abgerissen."

Der eine: "Hast du erzählt. Und Mädels?"

Haltestelle Bertoldsbrunnen. Stadtmitte. Die Jungs stehen auf, gehen zur Tür. Ich hinterher. Hoffentlich kommt da noch was. Die Tür geht auf. "Menü und Shake", höre ich den "Alten" noch sagen. Dann verschwinden sie in der Menge.

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[Foto: Manuel Lorenz/fudder-Archiv]