So war das erste Freiburger TEDx-Event

Katie Beach

Dafür, die Komfortzone zu verlassen, sprachen sich etwa Unternehmer Ernesto Moreno aus. Wissenschaftlerin Ulrike Lehmann riet, die eigene Kreativität auszubauen. Am Samstag fand die erste TEDx-Veranstaltung in Freiburg statt. Wie ist sie gelaufen?

Die Location

Der Humboldtsaal. Im Dachgeschoss des Freiburger Hofs über dem Starbucks am Martinstor ist man dort mitten in der Stadt und bekommt doch nichts von der Außenwelt mit. Die Dachschrägen und der etwas enge Vorraum, in dem die Pausen zwischen den Sessions stattfinden, sorgen für eine intime und, sagen wir mal, kuschelige Atmosphäre.

Die Gäste

100 Leute sitzen im auffällig jungen Publikum. Ein älterer Herr mit grauen Haaren sticht heraus und einige Paare, etwa zwischen 40 und 50 Jahre alt, sind da. Viele Gäste sind aber in ihren Zwanzigern.

Die Speaker

Der erste Speaker ist Unternehmer Ernesto Moreno. Er ist der Überzeugung, dass Unternehmerschaft eine Philosophie ist. Für ihn sind Unternehmer wilde Seelen, die Abenteuern nachjagen: Menschen, die das tun, wovon sie überzeugt sind und ihre Ideen in die Tat umsetzen, auch wenn sie Angst vor dem Versagen haben. Er selbst ist dafür ein gutes Beispiel. "Ich hatte panische Angst vor dem TEDx-Vortrag", verrät er hinterher. "Aber ich habe es trotzdem gemacht." Seine Botschaft? "Raus aus der Komfortzone und einfach anfangen!"

"Fotografie hat mein Leben verändert", sagt Landschaftsfotograf Matthias Huber, der zweite Speaker. Fünf Leitsätze hat er von seinem Beruf auf das Leben übertragen:
1. Du musst deine Komfortzone verlassen, um das Außergewöhnliche zu erreichen.
2. Glaube an dich und gehe ein wenig auf Risiko.
3. Bleibe hartnäckig und glaube an dich selbst.
4. Sei spontan und erkenne Chancen.
5. Sei dankbar.

Den dritten Vortrag hält Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Lehmann. "Ich bin überzeugt, dass Kunst jeder Person und jedem Unternehmen gut tun kann", sagt sie. Digitalisierung müsse mit Kreativität begegnet werden. Und diese könne ganz praktisch trainiert werden. Wie? Indem man anders denkt; öfters einen Notizblock mitnimmt, um Ideen festzuhalten oder mal ein Bild im Büro aufhängt, um die Kommunikation zu fördern.

Der nächste Speaker ist der 17-jährige Fabio Debus, Gründer des Flüchtlingsprojekts REFascent. Er will nicht rumsitzen und warten, bis alle die gleiche Sprache sprechen. Sein Wunsch ist es, dass Integration schon vorher beginnt. Deshalb will er Digitalisierung nutzen, um Einheimische und Geflüchtete zusammenzubringen. "Vielfalt ist Stärke", sagt er. Das perfekte Beispiel sei die Natur. "Wir müssen das erkennen und nutzen. Wir müssen anfangen, gemeinsam zu integrieren."

Solararchitekt Rolf Disch ist der letzte Speaker. Er hat an Plusenergiehäusern gebaut, bevor überhaupt über die Energiewende gesprochen wurde. Disch will eine Welt ohne Schornstein und ohne Auspuff. Wie das gehen soll? "Wir müssen unseren Lebensstil überdenken und fragen: Was brauchen wir eigentlich wirklich?"

Die TED-Videos

Drei offizielle TED-Videos werden im Laufe des Events gezeigt. Das erste ist von Wanis Kabbajs, der den Bluttransport des menschlichen Körpers als Vorbild für den Straßenverkehr sieht. Im nächsten Clip zeigt Derek Sivers auf humorvolle Weise, dass vor allem die ersten Anhänger wichtig sind, um eine Bewegung zu starten – nicht nur der Anführer. Das letzte Video ist der bewegende Vortrag von Samantha Nutt, die gegen den Waffenexport in arme Länder vorgehen will. "Die Videos sollen Emotionen transportieren und ergänzend zum Rest der Talks sein", sagt Tobias Brüser, Mitbegründer von TEDxFreiburg.

Die Darsteller

Jazzsängerin Cécile Verny und Gitarrist Johannes Maikranz eröffnen das Event. Verny singt zum ersten Mal live auf Deutsch – um sich zu bedanken. "Ich möchte Danke sagen für das, was ich in den letzten 30 Jahren als französische Frau mit afrikanischen Wurzeln in Deutschland erleben durfte", sagt sie, den Tränen nahe. Tänzerin Ana Selina Haberbosch beendet das Event mit ihrer Darstellung zu dem Song "Proud To Be a Woman". Ihre Botschaft ist "Stolz zu sein als Frau, auch wenn du dich mal nicht wehren kannst", sagt sie hinterher und erzählt von einer Bahnfahrt, in der Typen sie verbal belästigten. "Da musst du nach Hause gehen und sagen "scheiß drauf, ich steh’ drüber".

Wie gehts weiter?

Im April fliegen TEDxFreiburg-Gründer Gabriel und Tobias Brüser zur Liveübertragung der jährlichen TED-Konferenz nach New York. Sie hoffen, dort eine Lizenz zu bekommen, TEDxFreiburg zu vergrößern. "Wir dachten so an 300 Leute", so Gabriel. Das Event soll nun jährlich stattfinden. Mit der ersten Veranstaltung seien sie sehr zufrieden. "Wir sind positiv überrascht, dass nichts richtig schiefgelaufen ist", sagt Tobias grinsend. Welchen Gedanken aus den Talks nehmen die Gäste für sich mit? In den Gesprächen nach dem Event wird klar: "Raus aus der Komfortzone."

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