Hausbesetzer-Kollektiv

So war das Akustik-Konzert im besetzten Haus an der Klarastraße 17

Bernhard Amelung

Seit Donnerstag halten Aktivisten ein Haus an der Klarastraße 17 im Stühlinger besetzt. Sie wollen gegen die Wohnungsnot in Freiburg demonstrieren. An diesem Freitag haben Musiker ein Konzert gegeben.

Aufstehen und kämpfen, auch wenn ein Kampf völlig aussichtslos scheint. Davon handelt der Song "The Boxer", eine Folk-Ballade aus dem Jahr 1968. Geschrieben hat ihn Paul Simon vom Duo Simon & Garfunkel. Bekannter als die letzte Songzeile "But the fighter still remains" ist nur noch der Refrain. "Lie-la-lie, lie-la-lie".


Diesen stimmen eine namenlose Violinistin und ein namenloser Gitarrist an diesem Freitagmittag im besetzten Haus an der Klarastraße 17 an. Das Hausbesetzer-Kollektiv "Die WG" hat zu einem Konzert eingeladen. Es ist die erste Veranstaltung in ihrem Café, das "Alles Klara?!" heißt und im Erdgeschoß des Hauses liegt. Ein Graffiti auf der Straße und ein Hinweisschild am Eingang weisen darauf hin.



Ursprünglich sollte das Konzert auf der Straße stattfinden. Doch jetzt regnet es und die rund 30 Männer und Frauen drängen sich im und um das Zimmer. Sie sitzen auf Sofas und Kissen. Einige von ihnen tragen Sonnenbrille und Schal vor dem Gesicht. So wollen sie vermeiden, dass die Besetzung ein juristisches Nachspiel für sie haben könnte.

Rechtlich handelt es sich bei dieser Aktion um einen Hausfriedensbruch, der nach §123 des Strafgesetzbuchs (StGB) geahndet wird. Da Hausfriedensbruch ein sogenanntes Antragsdelikt ist, entscheidet der Eigentümer des Hauses, ob er diesen bei der Polizei zur Anzeige bringt oder nicht. Ohne eine solche Anzeige schreitet auch die Polizei gegen die Hausbesetzer nicht ein.

Der Eigentümer des Hauses hat davon abgesehen. Er wurde am Donnerstagmittag von der Polizei über die Hausbesetzung informiert – und erschien zu der sogenannten Pressekonferenz, die das Hausbesetzer-Kollektiv einberufen hatte. "Ich erstatte keine Anzeige, wenn ihr am Montag raus geht", sagte der Eigentümer, der gegenüber fudder seinen Namen nicht nennen wollte. Er duldet also die Aktion vorerst, mit der die Besetzer gegen die Wohnungsnot in Freiburg aufmerksam machen wollen.

Immer mehr Männer und Frauen kommen an das Haus Klarastraße 17. Einige haben Rollkoffer, Rucksack und Isomatte dabei. Sie wollen das Wochenende in dem besetzten Haus verbringen und "Die WG" bei ihrer Protestaktion unterstützen. Andere wieder bringen selbstgebackenen Kuchen vorbei. Die Unterstützung scheint groß. Auch einige Nachbarn zeigen sich am ersten Tag nach der Inbesitznahme durch das Kollektiv.

Vor dem besetzten Haus stehen jetzt 20 Männer und Frauen. Zwei spielen Fußball auf der Straße, zwei backen Crêpes. Die anderen klatschen den Rhythmus von "The Boxer" oder summen die Melodie mit. Musik und Protest gehören ja irgendwie doch immer zusammen.

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