Bilanz

So war 2016 in den Freiburger Kinos: Teure Tickets, treues Publikum

Julia Littmann

Wer in Freiburg immer mal wieder ins Kino geht, hat’s im Lauf des zurückliegenden Jahres bemerkt: Nach und nach wurden über die Monate sowohl im Cinemaxx als auch in den Friedrichsbau-/Harmonie-Kinos die Preise erhöht.

Die Besucherzahlen im Kinojahr 2016 liegen dennoch im "guten Mittelfeld", wie die Verantwortlichen beider Kinobetriebe betonen. "Hin und wieder gibt’s mal ein Rekordjahr", sagt Ludwig Ammann, einer der Geschäftsführer im Friedrichsbau, "das ist dann ein Ausreißer. Das vergangene Jahr war auf jeden Fall zufriedenstellender Durchschnitt."

Für mehr als den Durchschnitt, also für ein besonders erfolgreiches Jahr bräuchte jedes Kino auch möglichst eine ganze Reihe besonders erfolgreicher Filme, egal ob Mainstream-Streifen oder die anspruchsvolleren Arthouse-Filme. Von beidem gab’s 2016 einige, aber keiner ging, wie es im Kinojargon heißt, durch die Decke.


Cinemaxx-Theaterleiter Sinan Yesilgül zählt seine Topp 4 auf: "Bei uns lief mit Abstand am besten ’Star Wars’, dahinter lagen mit ’Findet Dorie’ und ’Pets’ und ’Zoomania’ gleich drei Familienfilme." Der ganz große Renner – wie 2007 "Ice Age II" mit über 6500 Besuchern im Freiburger Cinemaxx am Starttag – war aber nicht dabei. Cinemaxx hatte 2015 ein Rekordjahr vermeldet – daran sei im Folgejahr nur schwerlich anzuknüpfen, so Yesilgül, 2016 also nennt er "solide".

Gute Jahre brauchen gute deutsche Filme

Für die Friedrichsbau-/Harmonie-Kinos war schon 2015 ein Jahr ohne Rekorde gewesen, 2016 schloss mit denselben durchschnittlichen Zahlen wie das Vorjahr ab. Die schönste Überraschung für Kinomann Ammann: "Toni Erdmann war unser Top-Film im vergangenen Jahr – mit 16 500 Besuchern bis zum Jahreswechsel, das heißt, er geht auf die 20 000 zu." Jeder Film, der die 10 000er-Marke knackt, sei ein erstaunlicher Titel, so Ammann. Das gute Ergebnis für den fast-drei-Stunden-Film und Oscar-Anwärter "Toni Erdmann" rührt ihn. Denn nicht nur die Überlänge fordere die Zuschauer: "Die müssen sich darauf einlassen, um auch diesen hintergründigen Humor und Tiefgang zu begreifen." Die vorderen Plätze in der Beliebtheit der Freiburger "Arthouse"-Kinos (Friedrichsbau, Harmonie, Kandelhof) wurden unter deutschen und französischen Produktionen vergeben.

Cinemaxx-Theaterleiter Yesilgül stellt fest: "Unsere besten Jahre sind immer Jahre, in denen wir auch sehr erfolgreiche deutsche Filme haben." Dass Mainstream und Arthouse in Freiburg zum Teil in beiden Kino-Betrieben gezeigt werden, finden Cinemaxx- und Friedrichsbau-Geschäftsleitung kein Problem. "Wir kommen gut klar miteinander und jedes Haus hat im Endeffekt so seine Klientel", erklärt Yesilgül.

Beide Veranstalter haben weit mehr im Programm als die je aktuellen Filme. Viele spannende Gäste kommen zu Premieren in die drei Arthouse-Kinos, Filmreihen, Specials wie das Cinema Exil, bei dem Geflüchtete Filme aus ihren Heimatländern zeigten, Sommernachtskino, Payafter, und Sonntagsfrühstückskino – viele Formate zeigen: Das Kino lebt. Und auch im Cinemaxx ist viel mehr los als Blockbuster und Popcorn: Von der Flüchtlingsdoku "Stepping forward" in Zusammenarbeit mit einer Flüchtlingsinitiative bis zur kultigen Ladies Night oder zum Event des vergangenen Jahres: der Election Night. Es darf auch mal ernst, gar politisch sein.

Beide Kinobetreiber berichten ähnlich von ihren Preisanpassungen. Die einen bieten nun mehr Logenplätze und verlangen auf den Normalpreis statt 7,50 jetzt 8 Euro – und für die Logenplätze einen Euro Aufschlag. Für 3,50 Euro Aufschlag auf den Normalpreis sitzt man hingegen im Cinemaxx auf VIP-Sesseln. Mit Überlänge und 3D- oder anderen Zuschlägen kann man im Cinemaxx bis zu 16,50 Euro loswerden, im Harmoniekino elf Euro. Tatsächlich aber kämen viele Arthouse-Kinobesucher ermäßigt ins Kino, sagt Ludwig Ammann. Und nennt neben den günstigen Kinder- und Jugendeintritten bis 17 Jahre (5 Euro) auch die nun reduzierte Cinecard, mit der man für 8 Euro je einen Euro Ermäßigung erhält: "Das ist unser Dank an unsere sehr treuen Kinogäste."