Semesteranfang

So versichern sich Studierende richtig

Kirsten Struckenhoff

Das neue Wintersemester beginnt, junge Leute starten in ihr Studium. Ein guter Zeitpunkt, sich mit Versicherungen auseinanderzusetzen. Gegen welche Risiken sich angehende Akademiker absichern sollten – und wo sie Beratung finden.

Welche Versicherungen brauche ich unbedingt?

Die Krankenversicherung ist Pflicht. Bis 25 bleibt man oft beitragsfrei bei den Eltern versichert. Durch Wehr- und Freiwilligendienst oder eine Tätigkeit als Entwicklungshelfer kann sich dieser Zeitraum auf 26 Jahre erhöhen. Um mitversichert zu bleiben, darf ein Student allerdings ein regelmäßiges monatliches Einkommen von 435 Euro, mit einem Minijob 450 Euro, nicht überschreiten. Zuschüsse nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) und Unterhaltszahlungen zählen dabei nicht zum Einkommen.

Wer mehr verdient oder zu alt ist, bezahlt für den Studententarif der gesetzlichen Krankenversicherungen 66,33 Euro. Hinzu kommen kassenindividuelle Zusatzbeiträge sowie die Pflegeversicherung ab 23 Jahren, die je nach Familienstand zwischen 16 und 18 Euro kostet. Alles zusammengerechnet bezahlen Studenten nach Angaben der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Durchschnitt 91 Euro monatlich. Einen Zuschuss kann man über das Bafög erhalten. Diese gesetzliche studentische Krankenversicherung gilt jedoch nur bis zum 14. Semester oder 30. Lebensjahr.

Auch eine Haftpflichtversicherung sollte man abgeschlossen haben. Sie springt ein, wenn der Versicherte aus Versehen fremdes Eigentum beschädigt hat. Wenn er oder sie beispielsweise den Kaffeebecher umstößt und dadurch das Notebook des Kommilitonen unbrauchbar macht. Laut Verbraucherzentrale kostet eine Haftpflichtversicherung zwischen 40 und 90 Euro im Jahr. Je nach Vertrag kann die Mitversicherung bei den Eltern bis zur ersten Berufsausbildung, für Studenten bis 25 Jahre, oder darüber hinaus vereinbart sein. Was im Einzelnen abgedeckt ist, sollte man daher überprüfen.

Gesetzliche oder private Krankenversicherung?

Am Anfang eines Studiums muss sich jeder Studierende entscheiden, ob er oder sie gesetzlich oder privat krankenversichert sein möchte. Dies sollte gut überlegt sein, denn ein Wechsel im Laufe des Studiums ist nur in sehr wenigen Ausnahmefällen möglich. Wer sich privat versichern will, muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme des Studiums einen Antrag stellen, um sich von der Pflichtversicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse befreien zu lassen.

In Deutschland gibt es die Pflicht zu einer Krankenversicherung. So ist beispielsweise jeder angestellte Arbeitnehmer, der nicht mehr als 59.400 Euro brutto im Jahr verdient, pflichtversichert in einer gesetzlichen Krankenkasse. In welcher, kann er wählen. Beamte oder Selbstständige können hingegen wählen. Vergangenes Jahr waren nach Angaben des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen 72,7 Millionen Menschen gesetzlich und – laut dem Verband der privaten Krankenversicherungen – 8,75 Millionen privat versichert.

Soll ich jetzt für später vorsorgen?

Unbedingt. Wer zum Beispiel wegen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr arbeiten kann, kommt mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente selten über die Runden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sorgt dann für ein regelmäßiges Einkommen. Zur Vertragsschließung ist ein Gesundheitscheck jedoch Pflicht. Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät deshalb, eine Berufsunfähigkeitsversicherung früh abzuschließen: Wer jung und gesund ist und dementsprechend keine lange Krankenhistorie besitzt, hat gute Chancen.

Denn Versicherer können einen Antrag bei zu hohem Risiko ablehnen oder die Kosten hoch ansetzen. Zu achten ist auf die Laufzeitlänge, ob der Vertrag der finanziellen Situation angepasst ist und in welchen Fällen die Versicherung zahlt.

Da Studenten oft weniger Geld zur Verfügung haben, sollte eine Nachversicherungsgarantie vereinbart werden, empfiehlt Grieble. Die Kosten sind zunächst geringer, die Rentenvereinbarung kann aber später aufgestockt werden – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Der angestrebte Beruf sollte als Maßstab genommen werden. Muss der Vertrag wegen zu hoher Kosten gekündigt werden, entfällt der Versicherungsschutz, schließt man einen neuen ab, erfolgt auch eine neue Gesundheitsprüfung.

Vor Kombipaketen, zum Beispiel mit einer Rentenversicherung, warnen sowohl die Verbraucherzentrale als auch die Stiftung Warentest. Denn wer die Altersversorgung nicht mehr zahlen kann, kündigt die Berufsunfähigkeitsversicherung gleich mit. Tritt zudem kein Versicherungsfall ein, wird das eingezahlte Geld meist nicht wieder erstattet.

Kommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung wegen Vorerkrankungen nicht infrage, kann man auf eine Unfallversicherung ausweichen. Sie zahlt, wenn durch einen Unfall ein bleibender Gesundheitsschaden (Invalidität) entsteht. Eine private Unfallversicherung deckt Unfälle in der Freizeit ab und ergänzt die gesetzliche, die bei Unfällen auf dem Weg zur Arbeit oder am Arbeitsplatz greift – im Falle von Studenten die Hochschule.

Eine Lebensversicherung momentan keine gute Entscheidung

Eine Unfallversicherung stellt allerdings keinen vollwertigen Ersatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung dar, da im Falle einer Krankheit, die die weitere Berufstätigkeit verhindert, nicht gezahlt wird.

Die klassische Lebensversicherung hält Kornelia Kraechter, Versicherungsfachfrau der Versicherungsgruppe Barmenia, in der heutigen Niedrigzinsphase nicht mehr für interessant. Stattdessen rät sie jungen Leuten, frühzeitig mit einem kleinen Beitrag für die private Altersvorsorge zu beginnen. Das sei wichtiger als je zuvor. Wer einen 450-Euro-Job hat, kann zudem überlegen, seinen Anteil trotz der Befreiungsmöglichkeit in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Denn neben der Höhe der Einzahlung steigert auch die Zahl der Beitragsjahre die Höhe des Rentenanspruchs.

Welche Versicherungen sind für mich noch interessant?

Eine Hausratversicherung ist meist nicht notwendig – es sei denn, man investiert besonders viel Geld in antike Möbel oder andere teure Einrichtungsgegenstände oder will eine WG gründen. Über eine Hausratversicherung ist es auch möglich, Laptop oder Fahrrad gegen Diebstahl zu versichern. Es lohnt sich, nachzuschauen, ob man bei den Eltern über eine Außenversicherung mitversichert ist.

Und sollte das Fahrrad auf dem Hochschulgelände gestohlen oder beschädigt werden, ist es über den Sozialbeitrag an das Studierendenwerk mitversichert. Gleiches gilt für Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände wie Brillen oder Schirme sowie für Lernmittel, die während der Teilnahme an Hochschulveranstaltungen geklaut wurden. Der Schutz gilt nur aber dann, wenn die Gegenstände an dem für die Aufbewahrung vorgesehenen Ort abgelegt waren.

Bei einem Auslandsaufenthalt ist eine Auslandsreisekrankenversicherung notwendig. Für das EU-Ausland sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz, Israel, Tunesien oder die Türkei reicht in der Regel die gesetzliche Krankenversicherung. Die Kasse zahlt für Behandlungen im Ausland, teilweise in geringerem Umfang. Nötig hierfür ist eine europäische Krankenversicherungskarte oder eine Anspruchsbescheinigung.

Für alle anderen Länder rät das Bundesgesundheitsministerium zu einer privaten Versicherung. Die Kosten für ein Jahr liegen laut Verbraucherzentrale zwischen 350 und 1300 Euro, je nach Tarif und Versicherer. Wichtig ist es, auf einen "medizinisch sinnvollen" Rücktransport zu achten. Auch bei einem Urlaub dürfe der Versicherungsschutz nicht vergessen werden, erinnert Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Jeder, der Auto oder ein sonstiges Kraftfahrzeug fährt, ist zu einer Kfz-Haftpflichtversicherung verpflichtet. Um Schäden am eigenen Fahrzeug zu versichern, kann man eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung abschließen, wobei Letztere teurer ist und sich nicht immer lohnt. Geachtet werden muss darauf, was im Schadensfall passiert und wie hoch die Rückstufung ausfällt. Damit es für Neuanfänger nicht zu teuer wird, sollte man das Auto als Zweitwagen der Eltern versichern lassen, empfiehlt Kornelia Kraechter von Barmenia. Wichtig sei, dass man sich als Fahrer eintragen lässt.

Wo kann ich mich informieren?

Die Verbraucherzentrale gilt als neutral und berät deutschlandweit. Ihre Beratungen sind jedoch kostenpflichtig. Der unabhängigen Verbraucherinformation hat sich auch die Stiftung Warentest verschrieben. Das unabhängige Warentestinstitut mit Sitz in Berlin wurde 1964 auf Beschluss des Bundestags gegründet. Stifterin und Satzungsgeberin ist die Bundesrepublik. Eine weitere Anlaufstelle ist der gemeinnützige Verein Bund der Versicherten, der für die Rechte von Verbrauchern eintritt.

Ganz anders die Versicherung der Eltern: Sie dürfte daran interessiert sein, neue Kunden zu werben. Versicherungsmakler auf Honorarbasis gelten als etwas neutraler, da sie das komplette Angebot im Blick haben, um dem Kunden das Passende zu verkaufen. Doch auch sie bekommen eine Provision von dem Versicherungsunternehmen, dessen Produkt sie verkaufen. Auch Plattformen im Internet sind nicht unabhängig: Studis-online und andere wollen nach eigenen Angaben unabhängige und kritische Informationen zur Verfügung stellen. Bei den Vergleichsrechnern sollte man aber schauen, welcher Anbieter dahintersteht.

Weitere Informationsstellen sind die Studierendenwerke. In Freiburg bieten diese Sozialberatung an. Gerade ausländische Studenten finden dort die für sie relevanten Informationen.

Worauf soll ich achten?

Bei der Wahl einer Versicherung sollte man als Erstes besonders hohe finanzielle Risiken absichern, rät Grieble. Danach kann man schauen, wofür noch Geld da ist. Einen Überblick über die Angebote erhält man bei der Stiftung Warentest. In einem zweiten Schritt folgt eine Beratung. Versicherungsmakler finde man unter anderem beim Bundesverband der Versicherungsmakler, so Grieble. Generell sollten vor Vertragsschluss immer die Angebote verschiedener Anbieter verglichen werden. Vergleichsportale sollte man jedoch mit Vorsicht genießen, da sie auf Provisionsbasis arbeiten, sagt Claudia Frenz, Pressesprecherin beim Bund der Versicherten.

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