Geringverdiener

So vermittelt der Verein Kulturwunsch freie Eintrittskarten

klz

Seit fast zwei Jahren vermittelt der Freiburger Verein Kulturwunsch freie Eintrittskarten an Menschen mit wenig Einkommen. Effektiv und unbürokratisch werden so leere Sitzplätze verteilt.

Mittwochvormittag im Büro des Freiburger Vereins Kulturwunsch in der Wannerstraße: Dreimal wöchentlich werden hier Restkarten für unterschiedlichste Veranstaltungen kostenlos an Menschen mit geringem Einkommen vermittelt. In der Regel ruft das fünfköpfige Team – vier Ehrenamtliche und eine Minijobstelle – selbst bei den registrierten Interessenten an, trotzdem klingelt immer wieder das Telefon. Dienst hat heute die Regisseurin Steffi Bürger: Sie sucht in der speziell entwickelten Software nach der passenden Veranstaltung, gibt Infos zu Inhalt und Prozedere. "Nein, Sie müssen keinen Nachweis mehr vorzeigen, Sie stehen auf der Gästeliste: Die Karten liegen an der Abendkasse auf Ihren Namen bereit. – Viel Vergnügen!"


Kulturlogen gibt es in ganz Deutschland

"Eine sehr befriedigende Arbeit, die unseren Gästen viel Freude beschert und den Veranstaltern volle Häuser", so Bürger, die vor rund zwei Jahren zusammen mit Kulturmanagerin Karola Mohr und der Medien- und Theaterwissenschaftlerin Carola Ziemke den Freiburger Kulturwunsch gründete. Vorbild waren die ersten der mittlerweile in ganz Deutschland tätigen Kulturlogen – kulturelle Teilhabe für alle, so ihr Grundgedanke. Konkret heißt das, möglichst effektiv und unbürokratisch leere Sitzplätze mit interessierten Zuschauern zusammenzubringen, die sich den Eintritt nicht leisten können. Das Besondere daran: Wer sich als "Kulturgast" anmeldet, bekommt für die Veranstaltung seiner Wahl zwei Freikarten, kann also selbst einen Gast mitnehmen.

Anfang Mai 2015 vermittelte der Freiburger Kulturwunsch seine ersten Tickets, seitdem brummt der Laden, die Resonanz ist großartig: Fast tausend "Kulturgäste" sind registriert, rund 250 Karten stellen Freiburger Veranstalter monatlich zur Verfügung: Viele regelmäßig und als festes Kontingent, manche kommen auch von Privatleuten, die ihr Theater- oder Konzert-Abo nicht nutzen können. Ob Rentner, Arbeitslose, Alleinerziehende oder Flüchtlingsgruppen – die Gäste sind so vielfältig wie ihre bei der Registrierung genannten Interessen, die von Klassik bis zu Sport reichen. "Wir haben viele sehr gebildete Gäste und mittlerweile einen Pool versierter Kulturgänger. Viele sind richtig heiß auf Kultur!", erzählt Bürger. Nur ganz selten komme es vor, dass Karten nicht abgeholt werden, meistens folgt am nächsten Tag prompt eine telefonische Entschuldigung. Sozialer Kontakt – eine wichtige Komponente bei der erfolgreichen Vermittlung.

Institutionell gefördert wird das mehrfach ausgezeichnete Projekt von der Stadt Freiburg mit 8000 Euro jährlich , dazu kommen Stiftungen und Sponsoren. Der Bauverein Breisgau stellt das Büro zum Selbstkostenbeitrag zur Verfügung. Dieser Grundstock sei gut, aber nicht ausreichend, so Vereinsvorsitzende Carola Ziemke. Vor allem fehle es an Kapazitäten für Karten-Akquise und Werbung, der zeitliche Aufwand sei gewaltig und langfristig nicht allein mit Ehrenamt zu stemmen. So arbeite man zwar eng mit den Stadtteiltreffs zusammen und lege regelmäßig Flyer in diverse Institutionen, trotzdem gibt es in Freiburg immer noch viele Menschen mit Freiburgpass oder Ähnlichem, die den Kulturwunsch nicht kennen. "95 Prozent unserer Gäste haben den Tipp von Bekannten", so Ziemke. Ein Schwerpunkt soll in diesem Jahr auch die Verbesserung des Angebots für Familien und Alleinerziehende sein.

Kurz vor der Eintragung ins Vereinsregister steht jetzt die "Bundesvereinigung kulturelle Teilhabe", in der sich der Freiburger Kulturwunsch zusammen mit rund dreißig Initiativen deutschlandweit organisieren wird. Zielsetzung sind Vernetzung, Austausch und Lobbyarbeit in puncto höherer Fördergelder und gemeinsamer Akquise bei Großveranstaltern wie Kinoketten oder Tournee-Agenturen, die sich bisher noch nicht beteiligen. Über Ehrenamtliche und Karten, auch von Privat, freut sich das Team vom Kulturwunsch jederzeit.
Kulturwunsch
c/o Quartierstreff 33
Wannerstraße 33, Freiburg
0761/61257737 oder 01577/0880 211
info@kulturwunsch-freiburg.de

Bürozeiten
Montag 15 bis 17 Uhr
Mittwoch und Freitag 10 bis 13 Uhr