Präsentation

So soll das neue Stadion für den SC Freiburg aussehen

Joachim Röderer & Alexandra Röderer

Eckig wie das alte Stadion und doch ganz anders: Der SC Freiburg und die Stadt haben die Pläne für die neue Arena im Wolfswinkel vorgestellt. Die Fans stehen nicht mehr auf Nord, sondern auf Süd – in einer einzigen, steilen Wand.

Der SC Freiburg, die Stadt Freiburg und die Stadion Freiburg Objektträger GmbH (SFG) haben am Donnerstag den Siegerentwurf für das neue Freiburger Fußballstadion vorgestellt. Mit dem Stadionbau beauftragt wurde das Unternehmen Köster aus Osnabrück, das bei diesem Projekt mit der HPP Architekten aus Düsseldorf kooperiert. Beide Unternehmen verfügen über viel Erfahrung im Stadionbau.


Eine einzige, steile, rot-weiße Fan-Wand – auf Süd

Der Freiburger Stadionentwurf sieht eine Kapazität von ca. 34.700 Plätzen vor, wovon rund 36 Prozent als Stehplätze (circa 12.400 Plätze) ausgewiesen sind. Eine Möglichkeit zur Erweiterung gibt es nicht. Die Arena ist als Zwei-Rang-Stadion entworfen. "Es hat steile Tribünen, das ist für unsere Fans und die Atmosphäre besonders wichtig", betonte SC-Vorstand Oliver Leki.



Die Heimtribüne hinter dem Tor des neuen Stadions besteht aus einem Rang. Die Fans stehen also in einer einzigen Wand, ähnlich wie im Stadion des BVB – nur eben in Rot-Weiß und nicht in Gelb. "Wir sind so steil geworden, wie nur möglich", sagte Architekt Antonio Vultaggio. Eine weitere große Änderung: Nord war gestern. Die Sportclubfans stehen künftig auf der Südtribüne.

"Es wird eng und es wird laut." SC-Präsident Keller
Das Stadion wird im Nordwesten der Stadt im Wolfswinkel neben Flugplatz und Messe entstehen. Integriert sind die Geschäftsstelle als auch die Funktionsräume der Profi- und der U23-Mannschaft. Es hat eine Höhe von knapp 25 Metern und eine rechteckige Grundform. Der Kostenpunkt liegt bei 76 Millionen Euro. "Ein Festpreis", so Leki. Ihm zufolge sind 2000 Businessseats geplant. Das alte Stadion verfügt über 1100 Plätze.



"Es nach den vielen Jahren der Planungen nun präsentieren zu dürfen, erfüllt uns mit großer Freude", sagte SC-Präsident Fritz Keller. "Die Architektur ist klar, reduziert und zeitlos – keine Architektenfürze." Der SC werde die tolle Stimmung vom Schwarzwaldstadion mit rübernehmen können. "Es wird eng und es wird laut", sagte Keller.

Der SC-Präsident dankte auch den Fans des Sportclubs, "die mit uns auf der Straße waren und für das Stadion gekämpft haben". Er dankte auch den Mitarbeitern und dem Rathaus. "Ich wusste nicht, dass Beamte so lange arbeiten können." Der Konter von Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon kam prompt: "Länger als zweimal 45 Minuten."

Dem OB zufolge bildet das Stadion die Identität Freiburgs und des Sportclubs hervorragend ab. "Es steht für Nachhaltigkeit, Offenheit, Kreativität und Bodenständigkeit", sagte Salomon. Der Entwurf sei klasse, sonst hätte er nicht das einstimmige Votum des Aufsichtsrates bekommen. "Was für uns entscheidend war: Das Stadion ist rechteckig und nicht rund – es ist in der Anmutung wie das heutige Schwarzwaldstadion."



Barrierefrei, transparent – ein Eyecatcher

Als "echten Eyecatcher" bezeichnete Baubürgermeister Martin Haag den Entwurf. "Es wird eines der größten Gebäude für die Stadt sein. Menschen können das Stadion zu Fuß, per Rad und mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen." Die Arena sei barrierefrei. Man werde auf einem leicht ansteigenden Boulevard auf das Stadion zulaufen. Alle Zuschauer kämen auf der gleichen Ebene hinein.

Das verantwortliche Büro HPP Architekten in Düsseldorf entwarf auch die Arenen in Schalke, Nürnberg und Wolfsburg. Es baute zudem das Fußballmuseum in Dortmund. "Wir haben uns mit sehr viel Herzblut der Aufgabe gewidmet", so Architekt Vultaggio. "Für uns ist es toll, wenn man so etwas auf der grünen Wiese entwerfen darf."



Promenade rund ums Stadion

Ziel sei eine Arena mit nachhaltiger Architektur gewesen, das nicht zu "modisch" sei. "Sie soll in zehn Jahren noch das gleiche Identifikationsmerkmal haben wie heute." Die Zuschauer erwarte "ein gemeinsames Stadionerlebnis für alle auf Augenhöhe".

Beim Umlaufen gebe es immer einen Blickbezug aufs Spielfeld. Einzige Ausnahme: die durchgängige Fanwand. Die Zugangs- und Kontrollbereiche seien überdacht, die Eingänge sähen alle gleich aus. Hauptzugang sei von Südosten kommend. Angedacht sei auch eine Promenade, die einmal um das Stadion herumführe. "Wir haben von allen Plätzen aus eine ideale Sichtbeziehung zum Geschehen", sagte Vultaggio. Auf Nord sei eine Fanhütte geplant. Dafür gab es laut Baubürgermeister Haag neun Bewerber, acht seien zugelassen worden, drei Entwürfe schafften es in die letzte Runde. Das Ergebnis steht noch aus.

Stadt und SC Freiburg rechnen mit Verzögerungen

Geht es nach Stadt und SC Freiburg, sollen Nils Petersen & Co. baldmöglichst im Wolfswinkel auflaufen. Allerdings: Der Zeitplan wurde am Donnerstag nun auch offiziell nach hinten verlegt. Denn nun soll der Umzug nicht mehr zum Beginn der Saison 2019/20 erfolgen. Das Stadion soll demnach frühestens zur Winterpause oder zur Saison 2020/21 fertig sein.

Einen genauen Zeitpunkt nannte keiner der Beteiligten. "Wir wollen so schnell als möglich den Bauantrag haben, der dann genehmigt werden muss", sagte Baubürgermeister Haag. Davon und vom Bebauungsplan hänge es ab, wann Spatenstich sei. Es hänge aber auch davon ab, "wie viele Knüppel wir noch zwischen die Beine geworfen bekommen. Wir rechnen damit, dass die Gegner rechtliche Schritte einleiten werden."



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