Expedition

So sieht das Freiburger Martinstor von innen aus

Konstantin Görlich

Das Martinstor steht leer. Brandschutz und Schadstoffe stehen einer Nutzung entgegen. Bei einer BZ-Expedition zeigten sich jede Menge Staub und eine fantastische Aussicht.

27 Zentimeter hoch ist das Martinstor – als Modellbausatz für Spurweite N. Das Original misst 60 Meter, wurde 1283 erstmals urkundlich erwähnt – und ist normalerweise nicht zugänglich. Für die Badische Zeitung hat die Stadtverwaltung aber eine Ausnahme gemacht.


Ortstermin an der geheimnisvollen Tür an der Nordseite des Martinstors. Johannes Klauser, der Leiter des städtischen Gebäudemanagements, nestelt mit seinem Schlüsselbund an der Tür herum. Sie will nicht aufgehen. Wann er zuletzt im Tor war, weiß er nicht mehr. Dann öffnet sich die grüne Eisentüre mit dem martialischen Gitter und gibt den Zugang zu einer engen Wendeltreppe frei.

Müll, Konfetti, Spinnweben – und sehr viel Staub

Etwas Müll liegt darin, Konfetti von einem Fasnets- oder Christopher-Street-Day-Umzug – und Spinnweben. Sehr viele Spinnweben. Es muss einige Zeit her sein, dass zuletzt jemand hier drin war. Das steinerne Treppenhaus endet in einigen Metern Höhe, hier betritt man den eigentlichen Torbau mit seinem fast quadratischen Grundriss von 10 mal 11 Metern. Über enge Holztreppen, auf deren Handläufen eine dicke Staubschicht liegt, geht es von einer Zwischendecke zur nächsten.

Das Licht funktioniert nicht und so muss das iPhone als Taschenlampe ausreichen. Ein gelbes Schild warnt davor, dass das Holz einst mit Xylamon behandelt wurde. Das Holzschutzmittel enthält Lindan und PCP. Klingt ungesund, ist es auch. Das und der Brandschutz sind die Gründe, aus denen das Martinstor nicht genutzt wird – mit einer Ausnahme: Auf halber Höhe nisten Tauben. Der Raum ist verschlossen und das ist wohl auch besser so. Ab und zu kommt jemand und tauscht die Eier gegen Fälschungen aus, zur Populationskontrolle.

Fantastischer Rundumblick über die Innenstadt

Weiter geht es vorbei am Uhrwerk und an einer Glocke, in einer Ecke steht ein Fass mit einem Klodeckel. Dann öffnet Klauser die Tür zum umlaufenden Wehrgang in luftiger Höhe – und gibt damit eine Aussicht frei, die einfach einmalig ist.

Der Blick schweift über die Dächer und erstaunlich wenigen Dachterrassen der Innenstadt, zu Münster und Schwabentor, und die Kaiser-Joseph-Straße entlang, die von hier oben deutlich geschwungen erscheint – und dennoch eine klare Sichtachse zum zukünftigen Siegesdenkmal-Standort vor der Karlskaserne bietet.



Trubel und Straßenlärm der geschäftigen Einkaufs- und Verkehrsachse sind auf dem Martinstor nicht wahrzunehmen. Keine Erschütterung ist zu spüren, wenn eine Straßenbahn auf dem Weg zum Bertoldsbrunnen das Tor durchquert, so massiv sind das Fundament und die historischen Mauern im unteren Teil, wo die Südwand mit bis zu 3,10 Metern am dicksten ist. Sie war die Außenwand der Stadtbefestigung. Auf nicht ganz halber Höhe zeigt ein Absatz, wo die Mauern beginnen, mit denen das Tor um die vorletzte Jahrhundertwende von 22 auf 60 Meter aufgestockt wurde. Ab hier sind alle vier Außenmauern gleich dick.

Eine weitere Treppe führt auf die Ebene, von der aus die mit Gittertüren gesicherten Türmchen an den Ecken betreten werden können. Jedes von ihnen bietet ein anderes 270-Grad-Panorama, das für sich genommen atemberaubend ist. Weitere Treppen führen in die Dunkelheit des etliche Meter hohen Turmhelms.

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