So schwärmt BBC World in einem Artikel über Freiburg

Gina Kutkat

Manchmal braucht man den Blick von außen, um zu sehen, dass nicht alles in Freiburg schlecht ist. Ein BBC-Reporter beschreibt in seinem Artikel Freiburg als "grünste" und "nachhaltigste" Stadt der Welt. Das sind die wichtigsten Punkte.

Der Platz der Alten Synagoge zu steril, der Brunnen bei der Planung falsch erdacht. Die UB ein unpersönlicher Koloss, der das Stadtbild zerstört. Mit dem Nachtleben geht es bergab und Bäcker Bühler verkauft samstags keine Brötchen mehr.


Der November ist grau, der Regen nass. Warum kann der SC nicht mal gewinnen und müssen durch die Innenstadt überhaupt Straßenbahnen fahren? Liegt es an der guten Luft oder der luxuriösen geographischen Lage, dass Freiburgerinnen und Freiburger immer wieder auf hohem Niveau jammern?

Unvoreingenommener Blick auf Freiburg

Wie erfrischend, auch mal etwas anderes zu lesen. Am Freitag, 17. November, veröffentlichte der Journalist Max Seitz auf der Seite von BBC World einen Artikel auf Spanisch, in dem er einen unvoreingenommenen Blick auf Freiburg wirft. Er hat sich in der Stadt genau umgesehen, mit Bürgermeister sowie Bürgern gesprochen und ist zu dem Schluss gekommen, dass Freiburg die "ökologischste und nachhaltigste Stadt der Welt" ist. Si claro!

Seitz arbeitet sich in seinem Text an drei Fragen ab: "Wie ist das Leben in solch einer Stadt? Ist es bequem, billig? Und kann dieses einzigartige Modell von anderen Städten adaptiert werden, zum Beispiel in Lateinamerika?" Im Folgenden haben wir seine Punkte zusammengefasst und frei übersetzt. Unser Fazit: Manchmal braucht man den Blick von außen, um zu sehen, dass nicht alles in Freiburg schlecht ist.

1. Haltestellen überall!

BBC-Reporter Max Seitz hat sich ein 3-Tages-Ticket bei der VAG gekauft, um Freiburg und Umgebung zu erkunden. Er kommt zu dem Fazit: Der Pass ist für 26 Euro relativ günstig im Vergleich zu Tickets in anderen europäischen Städten. "Und wenn wir an der Endhaltestelle einer Tram ankamen, brachte uns ein Bus noch weiter." Wahnsinn! Sogar auf den Schauinsland ("Schauninsland") konnte er mit seinem Ticket fahren, er nennt ihn den "berühmten Berg im Schwarzwald." Auf Spanisch klingt das so: "del famoso cerro Schauninsland en la Selva Negra."

Weiter erwähnt er in diesem Zusammenhang das dichte Netz an Radwegen – rund 420 Kilometer – in Freiburg und Umgebung.

2. Die Stadt mit den Supergebäuden!

Das Neue Rathaus "scheint aus einem futuristischen Roman zu stammen". Der BBC-Autor geht sogar noch weiter und preist es als "Meilenstein" an. Weil es eines der vielen Passivhäuser ist, die man in Freiburg finden kann. Der Autor hat sich das Gebäude bei einer Führung zeigen lassen und den Projektverantwortlichen Gerold Wisskirchen interviewt. "Die meisten Angestellten, die schon das Gebäude bezogen haben, sind glücklich, aber es gab auch ein paar Beschwerden," sagt dieser. Aha, welche denn? "Manchen fällt es schwer, in so großflächigen Räumen zu arbeiten. Andere beschweren sich, dass die Fenster zu klein sind oder die Dämmung zu dick, sodass Handys manchmal nicht funktionieren."

Die neue UB bezeichnet der BBC-World-Autor als "genauso außergewöhnlich." Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2015 konnte die Bibliothek zwei Millionen Euro pro Jahr an Energie sparen – und investieren. Und weiter geht die Schwärmerei: Freiburg schmücke sich seit Mitte der 90er damit, das erste Fußballstadion der Welt vorzuweisen, das seinen Strom aus Solarenergie bezieht.

Aber der größte strahlende Stern der Stadt Freiburg ist laut Seitz der "Green City Tower", der von Architekt Wolfgang Frey auf dem Areal des Alten Güterbahnhofs gebaut wird. Dieser wird auch sogleich zitiert: "Einzigartig in der Welt", so Frey über den 48-Meter-hohen Turm.
3. Ganze Stadtteile sind nachhaltig!

Klar: Bei einem Blick von außen darf natürlich ein Stadtteil nicht fehlen. Der Autor fuhr mit der Straßenbahn in das "Vorzeigeviertel" Vauban, um die bekannten Fakten und Klischees herunterzubeten. Er erklärt seinen Leserinnen und Lesern, dass der Stadtteil aus einem französischen Militärstützpunkt erbaut wurde, der nach dem zweiten Weltkrieg verlassen worden war.

Studierende und Hausbesetzer wollten daraufhin ein Viertel schaffen, das umweltbewusst und familienfreundlich ist. Und voilà, fertig war die Vauban. Wir lernen, woher die Bewohner ihr heißes Wasser beziehen (Erdwärme) und dass die organischen Abfälle zu einer Anlage geleitet werden, die Biogas produziert.

"Die wenigen Autos der Bewohner sind nirgends zu sehen, weil sie in den vier Parkhäusern stehen."

4. Auch der soziale Wohnungsbau ist Grün!

Max Seitz steigt wieder in die Straßenbahn, dieses Mal fährt sie ihn, ganz touristenuntypisch, in das "barrio" Weingarten-West. "Hier leben viele benachteiligte Familien, Immigranten und Geflüchtete." Seitz besichtigt die Bugginger Straße 50, Deutschlands erstes Hochhaus in Passivbauweise. Er spricht mit einer Bewohnerin und wird in ihr Heim eingeladen.

"Ich wusste überhaupt nicht, was ein Passivhaus ist, aber während der Renovierungsarbeiten waren ein paar Leute hier, die es uns erklärt haben", sagt Konstanze Trandin. Und Sozialarbeiterin Kristel Werb erklärt BBC World, dass Trandins Erfahrung zeigt, "wie wichtig es ist, diejenigen zu informieren, die in den grünen Gebäuden leben, bevor sie sie beziehen."

5. Nachhaltigkeit ist rentabel!

Im letzten Themenkomplex geht es um "Friburgo" als grünen Wirtschaftsstandort. Bernd Dallmann von der FWTM wird zitiert, und es fallen ein paar Zahlen: Im grünen Wirtschaftssektor gibt es 2000 Firmen und 12.000 Angestellte in der Stadt – eine Quelle wird nicht genannt. Lob für das Fraunhofer Institut und Pfizer, dann ein Besuch im grünen Industriepark in Freiburg. Seitz’ Fazit: Freiburg ist ein Magnet für Professionelle aus ganz Deutschland und der Welt geworden. Das führt ihn zu dem Freiburger Thema schlechthin: Der Wohnungsnot. Dieter Salomon, "el alcalde de Friburgo", gibt zu, dass die hohen Mieten einer der größten Herausforderungen sind.

Die Frage, die der Autor am Anfang seines Text stellt ("Und kann dieses einzigartige Modell von anderen Städten adaptiert werden, zum Beispiel in Lateinamerika?") kann Salomon nur halb beantworten: Es sei schwierig, so ein Modell für eine lateinamerikanische Großstadt wie Mexico City zu etablieren. Mehr zum Thema: