So machst du dein Fahrrad winterfest

Julia Littmann

583 Unfälle mit Fahrradbeteiligung gab es 2013 in Freiburg. Die Straße ist gefährlich, im Winter erst Recht. Worauf es ankommt, verrät der Fahrrad-Experte und ADFC-Vorsitzende Johannes Bruns:



583 Unfälle mit Fahrradbeteiligung gab's 2013 in Freiburg. In den dunklen Tagen müsste radelnden Verkehrsteilnehmern nun ein Licht aufgehen: Denn häufige Unfallursache ist das Nichtgesehenwerden, etwa an Kreuzungen. Dabei sind seit einem Jahr auch etliche nichtverkabelte Lichtanlagen fürs Fahrrad zugelassen.


Hauptsache Licht!

"Die gute Nachricht: Jeder kann jederzeit mit Licht fahren! Auch bei Schnee und Regen läuft der Nabendynamo. Falls man den nachrüsten muss, kostet der um die 100 Euro. Sonst gäb's den zugelassenen Akku-Scheinwerfer – der ist definitiv besser als der anfällige Seitenläuferdynamo, der je nach Wetter auch mal aussetzt.

Vorderlicht und Rücklicht sind beide wichtig. Der Irrtum hält sich, das Vorderlicht sei entbehrlicher als das Rücklicht. Dabei ist das Wichtigste, dass man in kritischen Situationen gesehen wird. Und das sind Kreuzungen, auf die man zufährt – unbedingt mit hellem Vorderlicht! Wenn das mit einer Plastik- oder Blechhalterung befestigt ist, lohnt es sich, die mit einer stabilen Halterung aus Edelstahl zu ersetzen. Die zugelassenen Stecklampen haben übrigens alle eine Prüfnummer, die mit K beginnt, die billigsten kosten 25 Euro – das geht rauf bis 200 Euro. Das Rücklicht bekommt man günstiger. Wer verkabelt leuchtet, muss die Anschlüsse schützen und das Kabel sicher befestigt, etwa im Schutzblech, mitlaufen lassen.

Wichtig ist, dass Lampen mehrere LEDs haben, nicht nur eine. Ohne Licht? Geht gar nicht! Aber Stecklichter mit Knopfzelle ist auch ein No Go. Das sind zum einen Funzeln – zum anderen sind sie eine Umweltsünde. Was auch nicht geht, sind Helm- und Stirnlampen im Straßenverkehr in der Stadt. Zugelassen sind sie eh nicht, und sie blenden die anderen Radfahrer auf Augenhöhe."

Dauerbaustelle Kettenschaltung

"Um den Antrieb muss man sich auf den Winter hin und den ganzen Winter über mehr kümmern. Es sei denn, man hat eine Nabenschaltung und einen Kettenkasten, da reicht's, wenn man sich die jedes halbe Jahr vornimmt.

Aber die Kettenschaltung leidet unter Regen und Salzwasser: Das spült das Kettenöl raus und alles rostet. Deshalb braucht sie alle zwei Tage Pflege. Und die beweglichen Teile müssen mit Kriechöl versorgt werden."

"Wenn der Antrieb gut funktioniert, muss auch das Bremsen klappen! Ich tausche die Bremszüge alle zwei Jahre aus – das sind Verschleißteile, die längen sich im Gebrauch, und sie korrodieren. Ihr Fett kriegen meine Züge – auch für die Schaltung – im übrigen mit Vaseline weg: Die verharzt nicht bei Kälte, funktioniert aber leider nur an den Zügen. Gut und winterfest sind Hydraulikbremsen, die frieren nicht ein. Und natürlich müssen die Bremsbeläge immer gecheckt werden."

"Reifen sind ein bisschen Erfahrungssache. Ich rate immer zu einem gescheiten Allrounder – denn ein schmaler knallharter Rennreifen ist bei Schnee und Matsch Mist, aber ein dicker lommeliger Reifen schwimmt auf einer nassen, matschigen Straße.

Spikereifen sind super bei Schnee und Eis, nutzen sich aber vergleichsweise schnell ab. Wer sich an einen konstanten Reifendruck gewöhnt hat, kommt mit wechselnden Straßenverhältnissen in der Regel besser zurecht, als wenn er versucht, den Reifendruck anzupassen. Und apropos Reifen: Ohne richtig lange festsitzende Schutzbleche geht im Winter gar nichts."

Mehr dazu:

[Foto: dpa]