So mach ich's mit dem Geld: Fünf Studierende und ihre Finanzen

Savera Kang

Wie finanzieren Studierende in Freiburg ihr Studium? Kommt ihr Geld von Mama und Papa oder vom Staat? Haben sie Nebenjobs oder können sie sich auf die Uni konzentrieren? Und wofür geben sie ihr Geld aus? Fünf Studierende – deren Namen wir geändert haben – legen für fudder ihre Budgets offen – und die fallen sehr unterschiedlich aus.

   

Die Ersti-Studentin

Laura Bärle ist 19 Jahre alt und studiert eine Geisteswissenschaft im ersten Semester. Ihre Eltern haben keinen akademischen Hintergrund.

Einnahmen:
Eltern: 500 Euro
Gesamt: 500 Euro

Ausgaben:
Miete im Wohnheim: 285 Euro
Essen: 215 Euro
Gesamt: 500 Euro

Übrig bleibt:
0 Euro

Wie kommst du damit klar?
„Ich habe zwar erst vor wenigen Wochen mit dem Studium angefangen, aber ich merke schon, dass mir das Geld, das mir meine Eltern geben, nicht reichen wird. Meine Schwester bekommt auch 500 Euro und ihr reicht es, aber in Freiburg sind die Mieten teurer. Darum habe ich mir schon einen Job gesucht und werde demnächst voraussichtlich einmal pro Woche arbeiten, dann verdiene ich zirka 320 Euro. Bis dahin kaufe ich mir keine Klamotten, Weggehen ist auch nicht wirklich drin. Im Moment kann ich nur meine Miete und das Essen von dem Geld bezahlen. Ich würde aber auch gerne ab und zu auswärts essen gehen. Meine Eltern finanzieren mir das Semesterticket. Im nächsten Semester würde ich gerne in eine WG ziehen, das wird vermutlich etwas teurer. Das Studentenwohnheim ist nicht schlecht, aber ich würde lieber mit Freunden zusammenwohnen. Wenn ich dann noch Geld übrig habe, möchte ich es sparen.“

Der Bildungskreditler

Jonas Flint ist 23 Jahre alt und studiert eine Naturwissenschaft im Bachelor. Seine Eltern haben keinen akademischen Hintergrund.

Einnahmen:
Nebenjob:368 Euro
Bildungskredit: 300 Euro
Gesamt: 668 Euro

Ausgaben:
Miete in der WG: 300 Euro
Rundfunkbeitrag: 7 Euro
Internet: 12 Euro
Handy: 17 Euro
Essen:  was übrig bleibt
Einmalige Ausgaben: was übrig bleibt
Gesamt: 668 Euro

Übrig bleibt: 0 Euro

Wie kommst du damit klar?
„Ich habe vier Semester lang Bafög bekommen, aber da ich arbeiten musste und mich auch politisch engagiert habe, konnte ich die geforderten Leistungsnachweise nicht in der vorgeschriebenen Zeit erbringen. Darum bekomme ich nun kein Bafög mehr. Jetzt habe ich einen Hiwi-Job und musste einen Bildungskredit aufnehmen. Der Höchstsatz sind dreihundert Euro pro Monat, soviel bekomme ich. Meine Eltern können mich finanziell leider nicht regelmäßig unterstützen. Im Notfall ist man natürlich füreinander da. Ich versuche, Buch zu führen über meine Ausgaben, manchmal lasse ich es aber schleifen. Zum Glück ist meine Miete relativ niedrig. Was übrig bleibt, gebe ich für Essen aus. Ich koche gerne selbst – Anfang des Monats gibt’s dann frische Sachen, zum Ende hin gehe ich häufiger in die Mensa und esse was Günstiges. Nudeln und andere haltbare Lebensmittel kaufe ich, wenn möglich, im Sonderangebot. Urlaub habe ich seit Jahren nicht mehr gemacht. Wenn einmalige Ausgaben, zum Beispiel für Klamotten oder das Semesterticket anfallen, spare ich das Geld beim Essen wieder ein. Am Ende des Monats komme ich bei null raus. Ich kenne es nicht anders.“

Die Bafög-Empfängerin

Karla Müller ist 26 Jahre alt und studiert eine Naturwissenschaft im Master. Ihre Eltern haben keinen akademischen Hintergrund.

Einnahmen:
Bafög: 500 Euro
Nebenjob: 450 Euro
Eltern: 70 Euro
Gesamt: 1020 Euro

Ausgaben:
Miete in der WG: 370 Euro
Handy: 15 Euro
Krankenversicherung:70 Euro
Essen: 270 Euro
Klamotten & Kosmetik: 70 Euro
Weggehen: 60 Euro
Reisen: 100 Euro
Fahrtkosten: 65 Euro
Gesamt: 1020 Euro

Übrig bleibt: 0 Euro

Wie kommst du damit klar?
„Ich bekomme Bafög und habe einen Nebenjob, meine Eltern bezahlen mir die Krankenversicherung. Ich erlaube es mir, für Essen etwas mehr auszugeben: Ich gehe gern auswärts essen und kaufe häufig Bio-Lebensmittel. Außerdem gebe ich relativ viel Geld für Fahrtkosten aus, weil ich Freunde besuche, die weiter weg wohnen und zu meinen Eltern fahre. Auf Partys gehe ich kaum noch, dazu ist im Masterstudium auch wenig Zeit. Aber ich gehe gerne mit meinen Freunden etwas trinken, da komme ich dann an einem Abend vielleicht auf 20 Euro. Eine Zeit lang habe ich auch ein Stipendium erhalten, es waren 300 Euro monatlich, das ging aber nur ein Jahr lang. Es bleibt jeden Monat etwas Geld übrig, das ich für Reisen zurücklege. Wenn ich es übers Jahr rechne, sind es im Schnitt wohl um die 100 Euro pro Monat. Ich bin total zufrieden, ich komme mit dem Geld gut hin.“

Die Stipendiatin

Susanne Rofomian ist 23 Jahre alt und studiert eine Geisteswissenschaft im Master. Ihre Eltern sind beide Akademiker.

Einnahmen:
Eltern:600 Euro
Nebenjob:400 Euro
Stipendium:300 Euro
Gesamt:1300 Euro

Ausgaben:
Miete in der WG:375 Euro
Essen:200 Euro
Weggehen:45 Euro
Klamotten & Kosmetik:50 Euro
Uni-Material & Bücher:100 Euro
Reisen: 100 Euro
Gesamt: 870 Euro

Übrig bleibt: 430 Euro

Wie kommst du damit klar?
„Ich bin mit meiner finanziellen Situation sehr zufrieden, es kommt ja mehr rein als rausgeht. Meine Eltern geben mir monatlich 600 Euro, das entspricht dem Bafög-Höchstsatz. Da sie zu viel verdienen, bekomme ich ja kein Bafög. Ich führe ein Haushaltsbuch, das ist sehr hilfreich – man verliert sonst den Überblick. Einmal im Jahr unternehme ich eine größere Reise, ab und zu eine Kleinere. Über das Jahr verteilt gebe ich so rund 1000 bis 1500 Euro fürs Reisen aus. Für Bücher gebe ich überdurchschnittlich viel Geld aus, weil ich durch mein Stipendium jeden Monat 300 Euro Büchergeld bekomme. Es ist zwar nicht zweckgebunden, aber ich kaufe dann schon mal ein Standardlehrwerk und habe meine eigene kleine Bibliothek. Ich bin aber nicht der Meinung, dass man mehr Geld ausgeben muss, nur weil man mehr hat. Für Klamotten gebe ich zum Beispiel nicht so viel Geld aus, das ist mir nicht so wichtig. Mir bleibt jeden Monat etwas übrig und das Geld spare ich.“

Der Langzeit-Student

Markus Beinle ist 28 Jahre alt und studiert Geisteswissenschaften im Bachelor. Ein Elternteil ist Akademiker, einer nicht.

Einnahmen:
Nebenjob: 600 Euro
Eltern: 200 Euro
Gelegenheitsjobs: 150 Euro
Gesamt: 950 Euro

Ausgaben:
Miete: 350 Euro
Essen: was übrig bleibt
Krankenversicherung: 80 Euro
Telefon, Internet & Handy: 60 Euro
Größere Anschaffungen: schwankt
Gesamt: 950 Euro

Übrig bleibt: 0 Euro

Wie kommst du damit klar?
Meine Situation ist nicht so schön, aber ich habe sie selbst verschuldet. Ich habe lange studiert und bekam anfangs Bafög. Jetzt habe ich die Regelstudienzeit schon lange überschritten und bekomme keins mehr. Dafür habe ich Bafög-Schulden. Zuvor habe ich eine Weile von Ersparnissen aus verschiedenen Jobs leben können, jetzt schwankt mein Einkommen sehr stark, ab und zu habe ich Gelegenheitsjobs. Wenn ich einen neuen Laptop brauche oder eine andere größere Anschaffung aussteht, spare ich beim Essen. Ich kaufe gern bei Alnatura ein, aber wenn es knapp wird, gehe ich eben in den Aldi. Um in den Urlaub fahren zu können, verkaufe ich auch mal etwas, was ich gerade entbehren kann. Das kann ein altes Handy sein oder mein Fahrrad. Zufrieden bin ich mit der Situation nicht, aber ich habe sie mir selbst eingebrockt.

Was tun, wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist?

Ute Krystof vom Studierendenwerk Freiburg (SWFR) hat für Studierende folgende Ratschläge:

Wie komme ich mit wenig aus?
Plane, was im aktuellen Monat alles anfällt, so gibt es zum Ende hin keine bösen Überraschungen. Ein Haushaltsbuch hilft zudem dabei, die Übersicht zu bewahren.

Wo kann ich sparen?
Essen in der Mensa, Einkaufen bei der Freiburger Tafel und in Second-Hand-Läden schonen das Budget.  Der  Kleiderladen der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit gibt Klamotten kostenlos ab. Auf Flohmärkten, in Tauschbörsen und auf der Online-Pinnwand des SWFR findet man ebenfalls Gebrauchtes zu fairen Preisen.  Vorsicht vor Dispozinsen: auf keinen Fall dein Konto überziehen!

Wo finde ich einen Job?
Eine große Jobbörse gibt es im Serviceportal des Studierendenwerks. Außerdem bietet das SWFR regelmäßig Jobkurse zur Qualifizierung in verschiedenen Berufsfeldern an. Zum Beispiel: Kellnern, Babysitting, Schülerbetreuung oder Seniorenhilfe.

Was, wenn es trotzdem nicht reicht?
Bafög, Studienkredite, Darlehen, Zuschüsse, Stipendien und Härtefonds:  Es gibt einige Möglichkeiten, die Studierende ausschöpfen können, wenn es trotz sparsamer Lebensweise und Nebenjob finanziell nicht reicht. Der  ASTA (verfasste Studierendenschaft) und das Studierendenwerk helfen dir dabei, einen Überblick zu gewinnen und bieten qualifizierte Beratung in Sachen Finanzen an.

Institutionen & Stiftungen, die Stipendien für Studierende anbieten:

   

Mehr dazu:

 
[Illustration: Nils Oettlin]