So könnten Crash und Drifter's noch gerettet werden

Adrian Hoffmann

Die Stadt hat den möglichen Verkauf der Grundstücke zwar erst mal von der Tagesordnung genommen, doch die Pläne bestehen fort. Nun haben Stadträte das Crash besucht und - sagen wir - ungewöhnliche Ideen entwickelt:



Die Betreiber der Szeneclubs Crash und Drifter’s zeigen sich erleichtert darüber, dass die Stadt den möglichen Verkauf der Grundstücke an die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein am Dienstagabend von der Tagesordnung hat absetzen lassen. IHK-Chef Andreas Kempff wollte sich Dienstag nicht weiter zur Thematik äußern.


Am Montag hatten sich Vertreter der Stadtratsfraktionen mit den Betreibern vor Ort in der Schnewlinstraße getroffen, um sich deren Sicht der Dinge anzuhören. Es habe zu viele widersprüchliche Aussagen gegeben, lautete die Argumentation für den ungewöhnlichen Rundgang. Mit diesem Eindruck gingen die meisten Stadträte später auch wieder: Holger Bührle und Mario Held machten deutlich, dass die Behauptung absurd sei, sie als Betreiber hätten den Wunsch geäußert, 2019 aufzuhören. "Wir würden nichts lieber machen, als für zehn Jahre zu verlängern", sagt Held.

Unmüssig wollte das Grundstück auch schon kaufen

Hoch im Kurs steht bei einigen Stadträten die Idee, bei einer Erweiterung der IHK die Szeneclubs zu integrieren. Ganz im Sinne eines Freiburger Selbstverständnisses. So ähnlich wie es vor langer Zeit einmal angedacht war, als die Baufirma Unmüssig das Grundstück kaufen wollte. Übrigens damals, im Jahr 2001, für 3,2 Millionen D-Mark – 1,63 Millionen Euro. Unmüssig machte später einen Rückzieher und ein deutlich niedrigeres Angebot: rund 850.000 Euro. Das wiederum war der Verwaltung zu wenig. An die IHK hätte die 1686 Quadratmeter große Fläche nun, fast 14 Jahre später, laut Vorlage für den Gemeinderat für 1,3 Millionen Euro verkauft werden sollen.

Beim Crash-Rundgang stand auch die Frage im Raum, inwiefern ein Ersatzstandort interessant sein könnte. "Wir wollen nicht in irgendein Industriegebiet", sagt Bührle. Und Mario Held berichtet von Erfahrungen in der Vergangenheit. Es sei alles andere als einfach, eine Alternative zu finden. Die Aussage, das Crash habe heute keine jugend- und sozialpolitische Bedeutung mehr, missfällt Bührle: "Die Leute haben keine Ahnung, was hier gemacht wird."

Das Crash sei nach wie vor eine Institution, sagt Michael Moos, Fraktionschef der Unabhängigen Liste. "Deshalb bin ich total verschrocken, als ich das in der Sitzungsvorlage gelesen habe." Es sei ja nicht so, dass es in der Ecke zu wenig Büroraum gebe. Das Crash auf diese Weise dichtzumachen, sei "völlig ausgeschlossen", sagt auch Maria Viethen, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Julia Söhne, SPD, kritisiert die Informationspolitik der Verwaltung. "Ich weiß nicht, was da passiert ist." Es sei wichtig, nachzudenken und eine Lösung zu finden, "die für alle passt", so Carolin Jenkner, CDU.

Drifter’s-Chef Markus Kreidel kann sich eines nicht verkneifen: "Wir sind überrascht, dass die Stadt überrascht ist, dass wir überrascht sein sollen."

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[Foto: Ingo Schneider]