So könnte die neue SC-Arena aussehen: Architekt aus Lahr entwirft Stadion als Masterarbeit

Martin Herceg

Die Standortsuche für ein neues SC-Stadion scheint ein Ende gefunden zu haben. Doch wie könnte ein neues Stadion am Wolfswinkel aussehen? Einen interessanten Entwurf dazu hat der Lahrer Architekt Daniel Löprich bereits 2011 geliefert. Damals plante er im Rahmen seiner Masterarbeit eine neue SC-Spielstätte am Flugplatz - nur wenige Meter vom jetzt aktuellen Standort entfernt. Was sein Modell auszeichnet? "Die Multifunktionalität", sagt Daniel:




 

Wie kamst du auf die Idee, dein Studium mit einem neuen Stadion für den Sportclub zu beenden?


Daniel Löprich
: Ich bin natürlich ein großer Fußballfan - und mein Herz schlägt für den SC. Da das Thema Stadion in Freiburg vor zwei Jahren - als meine Masterarbeit anstand - auch schon ganz heiß diskutiert wurde, lag es für mich auf der Hand, einfach mal selbst einen Standort zu finden und dort ganz konkret ein Stadion zu konzipieren.

Nachdem ich das Okay von der Uni hatte, bin ich nach Freiburg gefahren und hab mir die möglichen Standorte angeschaut. Am Ende bin ich am Flughafen hängen geblieben, also nur ein paar Meter vom jetzigen Standort entfernt.  

Dein Stadionmodel wirkt auf den ersten Blick ja ziemlich bombastisch. 42.000 Sitzplätze: Ist das für den SC nicht eine Nummer zu groß?

Natürlich ist mein Entwurf vielleicht ein bisschen zu aufwendig, aber mir ging es vor allem darum, eine gewisse Ästhetik zu schaffen, die sich dem Umfeld anpasst. Daher habe ich auch eine dynamische Form gewählt, die an einen fliegenden Fußball erinnert, aber auch die Form des SC-Wappens aufnimmt.

Im Mittelpunkt steht jedoch die Multifunktionalität. Es ist ein Mix aus reinem Fußballstadion, Konzertstätte, Hotel und Bürokomplex. Außerdem könnte das Stadion durch sein Photovoltaikdach ein vielfaches seines eigenen Stromverbrauchs erzeugen.

Ganz wichtig dafür sind die auseinandergehenden Flügel, die sowohl in Richtung des Schwarzwalds zeigen als auch auf die Innenstadt. Bei der Zuschauerzahl, den Logenplätzen, den Ausmaßen des Spielfelds und den Parkplätze habe ich mich voll und ganz an die sehr umfangreichen UEFA-Richtlinien gehalten, daher würde das Stadion sogar die Kriterien für internationale Endspiele erfüllen - Europa könnte also kommen für den Sportclub!

Was würde es kosten, dein Stadion auf den Wolfswinkel zu setzen? Oder ginge das gar nicht?

Gehen würde das mit Sicherheit. Allerdings ist es ganz schwer zu sagen, wie viel das Ganze dann kosten könnte. Da kommt es auf die Materialien an, die man nimmt. Wenn man das wirklich so nachhaltig bauen würde, wie von mir geplant, also mit 70 Meter hohen Holzstützen und einem Dach, das vollkommen mit Photovoltaikzellen bestückt ist - dann wird’s nicht billig.

Preislich würde es sich schon in Richtung Allianz-Arena orientieren (340 Millionen, Anmerkung der Redaktion). Für ein reines Fußballstadion also viel zu teuer - für eine nachhaltige energieerzeugende Multifunktionsarena mit Hotel und Bürokomplex auf lange Sicht jedoch durchaus rentabel.



An welchen Arenen hast du dich bei der Konzeption orientiert? Hast du ein Lieblingsstadion?

Ich hab mir im Vorfeld ganz stark die deutschen Stadien während und nach der WM 2006 angeschaut. Vom Tribünenaufbau habe ich mich vor allem am Sinsheimer Stadion orientiert, da man dort eine Topp-Sicht von den Rängen hat und trotzdem Kesselwirkung erzeugt wird. Von der Sichtqualität hängt am Ende eigentlich beim Zuschauen alles ab.

Besonders gut gefällt mir das Vogelnest in Peking von Herzog & de Meuron. Der Entwurf ist bombastisch, und das Stadion hat eine unglaubliche Ästhetik. In Deutschland ist mein Favorit ganz klar die Allianz-Arena, da sie ein wirkliches Fußballstadion ist mit besten Sichtbedingungen. Erstaunt und stolz zugleich war ich, als ich letztens die Stadienentwürfe für die Fußball-WM 2022 in Katar entdeckt habe und festgestellt habe, dass sie meinem Entwurf stark ähneln.  

Du hast monatelang Tag und Nacht an deinem Stadion gearbeitet. Da musst du doch bestimmt schon einmal davon geträumt haben, wie es wäre, im neuen Stadion zu stehen?

Ganz klar. Ich hab mir schon oft vorgestellt, wie es wäre, mal auf dem Rasen im Stadion zu stehen, einen Elfer zu schießen und den Ball ins Tor zu hauen. Ab und zu hab' ich auch davon geträumt, wie ich von der neuen Messe aus darauf zulaufe. Durch die transparente Hülle, die ich geplant habe, hätte ich dann von außen auf die Ränge sehen können.  

Ab 2016 soll laut SC-Präsident Fritz Keller mit dem Bau begonnen werden. Da wärst du doch bestimmt gerne mit am Start? Oder gibt es vielleicht schon Kontakt mit dem Sportclub?

Ich habe bisher noch mit keinem SC-Verantwortlichen Kontakt aufgenommen. Der Sportclub weiß also wahrscheinlich gar nicht, dass es dieses Stadion gibt. Im Vorfeld bin ich lediglich zum Stadtplanungsamt und zum Katasteramt und habe denen von meiner Idee erzählt. Dort wurden mir dann auch Daten zur Verfügung gestellt, die ich nutzen konnte.

Bei der Planung des neuen Stadions würde ich natürlich super gerne mitmachen. Aber jetzt muss man erst einmal schauen, was für ein Auswahl- beziehungsweise Bewerbungsverfahren abläuft. Ich selbst könnte mich mit meinem Modell gar nicht bewerben, sondern bräuchte ein Büro mit guten Referenzen dazu. Aber wenn sich irgendwie die Möglichkeit böte, wäre ich sofort am Start!

Zur Person


Daniel Löprich
ist 31 Jahre alt und kommt aus Lahr. Seine Liebe zur Architektur entdeckte er im Leistungskurs Kunst bei einer Exkursion zum Straßburger Münster. Nach einem kurzen VWL-Intermezzo studierte er zunächst in Karlsruhe, später in Leipzig Architektur und entschloss sich 2011 als Masterarbeit ein neues Stadion für den Sportclub am Reißbrett zu planen. Dafür gab's die Note 1,0 und viel Lob. Heute ist er wieder zurück in Südbaden und arbeitet bei Hotz + Architekten in Freiburg.

Mehr dazu:

 

Fotogalerie: Benedikt Nabben

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