So können sich MP3-Sauger versichern

Christoph Müller-Stoffels

Wer beim File-Sharing erwischt wird, muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Trotzdem sehen viele darin ein Kavaliersdelikt, bei dem man sich allenfalls an der "geldgierigen" Musikindustrie vergeht. Der Schwede Magnus Brath unterstützt nun diese Ansicht mit einer Versicherung gegen die Geldstrafen.



Auf der Homepage tankafritt.nu kann man für 15 Euro eine Versicherung abschließen, die einen davor bewahrt, die nicht unerheblichen Bußgelder zu bezahlen, die für das Tauschen von Musikdateien im Internet fällig werden. In Schweden sind das derzeit etwa 1740 Euro. Die 15 Euro können also durchaus gut angelegt sein. Brath geht es aber nicht in erster Linie darum, viel Geld zu verdienen. Er möchte vielmehr eine Diskussion zu den Urheberrechten anregen. "CDs sind teuer und wer eine kauft, erwirbt nur das Recht, die Musik zu nutzen, nicht aber mehr", sagt er gegenüber der Netzeitung.


Brath ist nicht der Ansicht, irgendjemanden zu einer Straftat zu ermuntern. "Alle machen es bereits, niemand muss ermuntert werden." Er leiste nur einen Beitrag zu einer Debatte, die in der Gesellschaft geführt würde. Vor einigen Wochen wurde in Schweden ein Gesetz erlassen, dass File-Sharing illegalisiert. "Weil es in der Bevölkerung keine Unterstützung für das Gesetz gab", so Brath gegenüber der Financial Times Deutschland, "musste jemand reagieren."

Helfen musste er bislang noch niemandem. Allerdings deckt er auch den Mantel des Schweigens über die Zahl der abgeschlossenen Versicherungen. "Wir arbeiten erst seit ein paar Wochen. Selbst wenn eines unserer Mitglieder angezeigt wir, dauert es eine Weile bis das Urteil und die Strafe feststeht." Wenn sich seine Klienten allerdings auch so absurden Schadensersatzforderungen gegenüber sehen, wie die deutsche eDonkey-Nutzer im Mai, wird Brath gehörig in Schwierigkeiten kommen. Unglaubliche 40 Millionen Euro forderte die Musikindustrie. Aber bislang bietet er seinen Service nur in Schweden an.

"Tankafritt"bedeutet übersetzt frei tanken und frei denken. Um die Freiheit geht es Brath in aller erster Linie. Er möchte nicht akzeptieren, dass die Politik sich von der mächtigen Musiklobby wie eine Marionette missbrauchen lässt. Gegenüber Freenet sagte er: "Ich hoffe, dass die Musik- und Film-Industrie irgendwann die Möglichkeiten des Internets auf vernünftige Weise nutzen werden, dann wäre mein Angebot überflüssig und ich könnte mich wieder meinem Studium zuwenden." Der 29-jährige "Versicherungsvertreter" studiert Architektur.