So kannst Du eine FoodCoop gründen

Ines Tondar

FoodCoops sind Lebensmittel-Kooperativen, die gemeinsam direkt beim Erzeuger bestellen. Sie stehen für ökologische, regionale und faire Ware. Sunamit Schmidt-Riese ist Teil der Kornkammer e.V. in Freiburg und erklärt, was eine FoodCoop genau macht und wie Du selbst eine FoodCoop gründen kannst.

Was können eure Mitglieder in der FoodCoop KornKammer e.V. kaufen?
Sunamit Schmidt-Riese: Bei uns gibt es nur Lebensmittel, die länger gelagert werden können. Zum Beispiel Getreide, Bohnen, Linsen, Sojamilch, Tomatenpassata, Nudeln oder Waschmittel. Eigentlich alles, außer Obst und Gemüse.


Wo lagert ihr die Lebensmittel?
In einem Keller in Zähringen. Dort haben wir Behälter aus Holz gebaut, die ein Abfüllsystem haben. So kann jeder mit einem mitgebrachten Behältnis seine Portion abfüllen und dabei Verpackungen einsparen. Der Raum ist leider sehr klein und eng, aber durch die platzsparenden Behälter und Regale haben wir uns gut organisiert.

Warum sollte man eine FoodCoop gründen?

Zum Einen, um Verpackungen einzusparen. Und zum Anderen ist es billiger, in großen Mengen beim Großhändler zu bestellen. Und weil man direkten Kontakt zu den regionalen Erzeugern hat. Zum Beispiel beziehen wir das Getreide vom Luzernenhof, die Sojamilch vom Bodensee und den Honig aus Freiburg.

Wie bist du auf die FoodCoops gestoßen?
Die Susi FoodCoop hat ein Treffen für Interessierte veranstaltet, die auch eine FoodCoop gründen möchten. Es kamen unglaublich viele Menschen und daraus hat sich dann unsere Gruppe gebildet. Solche Veranstaltungen gibt es leider nicht regelmäßig.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, keine verderblichen Lebensmittel zu beziehen?
Es wäre viel mehr Aufwand. Man muss immer schauen, dass alles weg kommt und nichts kaputt geht. Bei uns kann es sein, dass die Produkte drei Monate im Keller liegen.

"Wenn ich einkaufen gehe, stelle ich die Ware auf die Waage und wähle sie in der App aus. Die Bezahlung läuft dann auch über die App." Sunamit Schmidt- Riese
Wie sucht ihr eure Erzeuger aus?
Wir sind sehr froh, wenn wir jemanden finden, der Lust hat, uns zu beliefern. Wir haben einen Hof in Bayern, der Biohof Lex. Das wichtigste Kriterium für uns ist, dass die Lebensmittel biozertifiziert sind. Es ist schwierig regionale Bauern zu finden, die uns beliefern und überhaupt Lebensmittel anbieten außer Obst und Gemüse.

Welche Leute machen bei euch mit?
Da wir alles ehrenamtlich in unserer Freizeit machen, sind es vor allem Studierende. Das ist sehr schade, es wäre schön, wenn sich das etwas ausweiten könnte. In Kollnau, in der Nähe von Freiburg, gibt es auch eine FoodCoop, die vor allem von Müttern organisiert wird.

Wie kommuniziert ihr? Trefft ihr euch einmal die Woche?
Wir haben festgestellt, dass es nicht funktioniert, wenn sich alle einmal die Woche treffen und über alles reden. Jetzt haben wir die Mitglieder in verschiedene Kleingruppen eingeteilt. Eine Gruppe kümmert sich um die Buchhaltung, eine um die Bestellungen, eine um die EDV, usw. Die Gruppen treffen sich in ihrem eigenen Rhythmus und organisieren sich selbständig. Außerdem sind wir gerade dabei einen Newsletter ins Rollen zu bringen.

Zahlt jedes Mitglied einen Monatsbeitrag?
Ja, wir zahlen drei Euro pro Mensch pro Monat. Eine Mitgliedschaft können aber auch mehrere Menschen sein. Zum Beispiel eine WG mit vier Leuten zahlt zwölf Euro im Monat. Davon wird beispielweise die Miete für den Raum bezahlt.

Wie kann ein Laie eine FoodCoop gründen?
Wir haben zuerst einen Verein gegründet, dafür muss man eine Satzung schreiben. Dafür gibt es aber Beispiele im Internet. Dann muss man sich auf die Suche nach einem geeigneten Raum begeben, in dem man die Lebensmittel lagern kann. Danach sollte man sich überlegen, wie man die Aufbewahrung organisiert und Kommunikationsstrukturen innerhalb des Vereins schaffen. Es ist wichtig die Mitglieder einzubinden, dass sie sich alle eingeladen fühlen, mit zumachen.

Wie sieht ein Einkauf in der Kornkammer aus?
Um uns die Buchhaltung zu erleichtern, hat ein Freund für uns eine FoodCoop-App entwickelt, die wir auf einem Tablet im Lagerraum benutzen. Die App ist mit einer Waage verknüpft. Wenn ich einkaufen gehe, stelle ich die Ware auf die Waage und wähle sie in der App aus. Die Bezahlung läuft dann auch über die App. Dadurch erspart man sich sehr viel Buchhaltungsärger. Ich bin überrascht, wie gut das klappt. Bis jetzt benutzen zwar nur wir diese App, aber es wäre schön, wenn auch andere FoodCoops sie verwenden würden.

"Die Lebensmittel sind oft nicht viel günstiger als im Supermarkt, aber die Qualität ist besser." Sunamit Schmidt- Riese
Wie funktioniert eure Vereinsarbeit? Arbeiten alle mit?
Wir hatten eine Phase, in der es sehr schwierig war. Wir waren zu fünft und haben alles gemacht. Inzwischen helfen durch die Gruppen mehr Mitglieder mit. Von 50 Mitgliedschaften (150 Leute) sind bestimmt 20 bis 30 Menschen aktiv mit.

Wie hoch sind die Preise für eure Produkte?
Das ist sehr unterschiedlich. Gewürze beispielsweise kosten fast ein Zehntel von den Preisen im Supermarkt. Das Getreide von Luzernenhof ist nicht viel billiger, aber dafür regional. Die Lebensmittel sind oft nicht viel günstiger als im Supermarkt, aber die Qualität ist besser.

Denkst du, dass die Nachfrage für mehr FoodCoops in Freiburg vorhanden ist?
Auf jeden Fall. Wir haben eine Warteliste, auf der viele Leute stehen und der Andrang bei Info-Veranstaltungen war immer sehr groß.
Sunamit Schmidt- Riese studiert Deutsch und Französisch. Sie ist bei der Food Coop KornKammer e.V. und der der Garten Coop aktiv.