So funktioniert die Feuerwehr in Freiburg

Andreas Palzer, Michael Ruf & Felix Klingel

Wenn es in Freiburg brennt oder ein Unfall passiert, kommt die Feuerwehr – wie selbstverständlich. Hinter der schnellen Hilfe steckt ein ausgeklügeltes System mit Berufsfeuerwehrkräften und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten.

Wer in Freiburg den europaweiten Notruf 112 wählt, bekommt innerhalb weniger Minuten Hilfe von der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst. Die schnelle Hilfe der Feuerwehr wird durch ein engmaschiges Helfernetz sichergestellt. In vielen anderen Ländern gibt es lange nicht so viele Feuerwehrmänner und -frauen wie in Deutschland.


Der Grund sind die vielen Freiwilligen Feuerwehren, die in Deutschland 95 Prozent der mehr als eine Millionen Feuerwehrleute ausmachen. Die restlichen 5 Prozent stellen die Berufs- und Werkfeuerwehren.
fudder hat dieses Jahr die Freiwillige Feuerwehr als Partner. Wir wollen Organisationen aus Freiburg, die Menschen helfen, eine Plattform bieten. Im Zuge dieser Kooperation entstand dieser Artikel.

In Freiburg arbeiten 132 Einsatzbeamte bei der Berufsfeuerwehr. Für sie ist die Feuerwehr der normale Job. Bei der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten dagegen 502 Menschen, sie engagieren sich neben ihrem Job noch freiwillig – dafür bekommen sie kein Geld. Für den Bürger ist nicht ersichtlich, ob jemand beruflich oder ehrenamtlich bei der Feuerwehr tätig ist. Einsatzorte und Fahrzeuge sowie die Kleidung unterscheiden sich nicht.

Die Feuerwehr kommt nicht nur, wenn es brennt

Wenn in Freiburg der Notruf gewählt wird, landet der Anruf in der Integrierten Leitstelle (ILS) in der Eschholzstraße. In der Integrierten Leitstelle (ILS) laufen alle Notrufe an die Feuerwehr und den Rettungsdienst auf. Von dort werden zum Beispiel Brandeinsätze geplant und die Feuerwehrleute informiert. Die Feuerwehr kommt allerdings nicht nur wenn es brennt: In der öffentlichen Wahrnehmung löscht die Feuerwehr zwar hauptsächlich Brände – in der Realität dominieren aber die sogenannten technischen Hilfsleistungen. Verkehrsunfälle, Sturmschäden oder Menschen und Tiere in Notlagen.

Ob bei einem Notruf zusätzlich zur Berufsfeuerwehr dann auch noch die Freiwillige Feuerwehr ausrückt, hängt von vielen Faktoren ab. Die Leitstelle unterteilt jeden Einsatz in sogenannte Gefahrenabwehrstufen (GAS). Ein brennender Mülleimer fällt in die Gefahrenabwehrstufe 1 (Brand 1) während ein brennendes Haus als "Brand 3" mit dem Zusatz "Gebäudebrand" eingestuft wird. Je nach Aufwand- und Gefahrenlage wird so der Einsatz geplant und die nötigen Kräfte alarmiert.

Im inneren Stadtgebiet von Freiburg werden die Freiwilligen Feuerwehren der Abteilungen 01-09 alarmiert, sobald ein Einsatz die Gefahrenstufe "GAS 3 plus Zusatz" hat. Welche Freiwillige Feuerwehr ausrückt, wird anhand der Einsatzadresse entschieden. In den Randgebieten von Freiburg alarmiert die Leitstelle die Freiwilligen Feuerwehren der Abteilungen 10-16 bereits ab GAS 1. Hinzu kommen viele Sonderfälle, etwa wenn die Berufsfeuerwehr bereits bei einem anderen Einsatz ist.

Karte:Die Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in Freiburg



Ist die Feuerwehr dann alarmiert, muss es schnell gehen. Die Berufsfeuerwehrleute sind 24 Stunden einsatzbereit auf der Wache. Doch wie erfahren die Freiwilligen Feuerwehrleute von einem Einsatz? Früher wurden die Kameraden der Feuerwehr über Sirenen im Ort alarmiert. In Freiburg kann diese Art von Alarmierung sogar noch aktiviert werden. Hören kann man die Sirenen zweimal im Jahr beim regelmäßigen Test Ende März und Ende Oktober.

Alarm über digitale Funkmeldeempfänger

Doch in der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg findet mittlerweile der "Stille"-Alarm über digitale Funkmeldeempfänger statt. Die Leitstelle kann im Fall eines Einsatzes die Feuerwehrleute auf dem Funkmeldeempfänger erreichen – mit einem lauten Piepen und Vibrieren. Alle Freiwilligen Feuerwehrleute tragen diesen "Melder" am Gürtel. Auf dem Display können sie das Einsatzstichwort sowie erste Informationen zum Einsatzort und eventuell zusätzliche Informationen ablesen.

Binnen Sekunden lassen die Feuerwehrleute ihre Arbeit liegen, verlassen die Vorlesung, springen von der Couch auf, machen den Grill oder Herd aus, lassen ihre Freunde und Familien bei Abendbrot oder Familienfeier sitzen und eilen zum Feuerwehrhaus. Wenige Minuten nach dem Alarm verlässt das erste Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr die Wache.
Engagieren bei der Freiwilligen Feuerwehr

Bei der Freiwilligen Feuerwehr kann prinzipiell jeder mitmachen. Es gibt nur eine körperliche Voraussetzung – die Atemschutztauglichkeit beziehungsweise die Feuerwehrtauglichkeit. Bei einer ärztlichen Untersuchung wird dabei geklärt, ob der oder die Interessierte ein Atemschutzgerät tragen kann und ob er körperlich für die Arbeit bei der Feuerwehr geeignet ist.

Die anschließende Ausbildung zum Feuerwehrmann oder zur Feuerwehrfrau beginnt mit einem Grundlehrgang, der sechs Wochen dauert mit etwa 70 Ausbildungsstunden à 45 Minuten. Danach geht es in die regelmäßigen Übungen der Feuerwehr und auf Einsätze. Außerdem kommen noch weitere Lehrgänge hinzu, zum Beispiel für Sprechfunk oder für Atemschutzgeräte.

Wer Interesse hat, sich zu engagieren, kann sich unter dieser Adresse melden: Feuerwehr Freiburg

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