Mehr Sicherheit

So funktioniert das neue Freiburger Frauennachttaxi

Joachim Röderer

Das Freiburger Frauennachttaxi ist eine Reaktion auf den Mordfall Maria L. in Freiburg. Jetzt steht das Konzept, am 10. Dezember geht’s los. Wann greift der Service? Wie teuer ist eine Fahrt?

Das Frauennachttaxi ist Teil der Freiburger Anstrengungen für mehr Sicherheit – und eine Reaktion auf die Verunsicherung, die seit Spätjahr 2016 nach den Mordfällen an der Dreisam und in Endingen unter Frauen geherrscht hat und teils immer noch herrscht. Simone Thomas, die Frauenbeauftragte der Stadt, war maßgeblich daran beteiligt, dass das Frauennachttaxi in Freiburg wieder eingeführt wird. Für sie steht außer Frage, dass dieses Angebot notwendig ist: "Erst in den vergangenen Wochen hat es wieder drei Fälle gegeben, bei denen Frauen nachts auf dem Heimweg angegangen worden sind", sagt sie.


Eingeführt wird das Frauennachttaxi zum 10. Dezember, das ist der Tag des Fahrplanwechsels bei der Freiburger Verkehrs-AG. Das Taxi fährt in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie Samstag und Sonntag und in den Nächten vor Feiertagen. Das entspricht etwa 110 Nächten pro Jahr.

Wo liegt der Abfahrtspunkt?

Der Abfahrtspunkt liegt zunächst hinter dem Karstadt in der Straße Auf den Zinnen gegenüber dem Drogeriemarkt Müller. Das ist nur ein Provisorium. Wenn die neue Haltestelle Siegesdenkmal fertiggestellt sein wird, wird das Frauentaxi dort losfahren.

Vier Großraumtaxen mit je acht Sitzplätzen werden stündlich verkehren – in alle vier Himmelsrichtungen. Die genaue Fahrtstrecke wird anhand der Fahrziele der Frauen vom Fahrer festgelegt. Sollten die Plätze im Wagen nicht reichen oder ein Umlauf innerhalb einer Stunde nicht möglich sein, werden weitere Taxen geordert, heißt es. Zwei der vier eingesetzten Wagen können auch Rollstuhlfahrerinnen mitnehmen.

Der Eigenanteil der Frauen liegt bei 7 Euro. Die Tickets für das Frauennachttaxi können im Voraus bei den VAG-Verkaufsstellen im Pluspunkt an der Salzstraße oder in der Radstation am Hauptbahnhof erworben werden. Auch über das Smartphone kann der Fahrschein geladen werden. Später soll auch ein Automat am Abfahrtsort Siegesdenkmal die Tickets ausgeben.

Wie vom Gemeinderat vorab festgelegt, wird der jährliche Zuschuss aus der Stadtkasse bei 60.000 Euro liegen. Die Stadtverwaltung rechnet mit rund 8000 Nutzerinnen pro Jahr für das Angebot. Das Konzept sei so gestaltet, dass das Frauentaxi weder den VAG-Nachtverkehr noch den regulären Taxibetrieb kannibalisiere.

Lob und Tadel für das Konzept im Hauptausschuss

Im Hauptausschuss gab es Lob und Tadel für das Konzept. "Gut, dass es so schnell umgesetzt wird", meinte Nadyne Saint-Cast von den Grünen. Nach einem Jahr könne dann Bilanz gezogen werden und gegebenenfalls nachgebessert werden. Irene Vogel (Unabhängige Listen) dagegen hält das Konzept für "halblebig". Der Grund: Es sei nur ein Nachttaxi für Frauen, die von der Innenstadt aus nach Hause wollten – eine viel zu kleine Lösung, findet Vogel.

Julia Söhne (SPD) hält es für ein großes Manko, dass in den Taxen nicht bar gezahlt werden und sich die Mitfahrerinnen also immer schon vorher den Fahrschein besorgt haben müssen. Barzahlung sei abrechnungstechnisch nicht möglich, so VAG-Vorstand Stephan Bartosch. Aber es sei möglich, dass eine Mitfahrerin mehrere Tickets über ein Handy buchen könne. Gerlinde Schrempp (Freiburg Lebenswert) riet zu vorsichtigerer Formulierung, was den Service "bis zur Haustüre" anbelange. Es gebe alleine in Landwasser Hunderte von Wohnungen, deren Eingänge weg von der Straße lägen und nur über einen Fußweg erreichbar seien. Gleiches gelte für andere Stadtteile. Die Formulierung wird nun entsprechend angepasst.