So findest du Kunst im Internet

Philip Hehn

Das zerknitterte Pulp-Fiction-Poster hat ausgedient: Kunst für jedermann und jeden Geldbeutel gibt es jetzt im Internet. Und jedermann kann dort auch seine eigenen Werke einstellen. Wir haben uns die Möglichkeiten mal angesehen.



So heterogen wie die Gruppe der Kunstschaffenden und -interessierten  ist, so unterschiedlich sind auch die Lösungen für den Kunstkauf und -verkauf im Internet.


Ebay

Für viele Einkäufer im Internet ist die erste Anlaufstelle das Internetauktionshaus Ebay. Lässt man Antiquarisches beiseite, sind die Kategorien „Zeitgenössische Malerei“ und „Direkt vom Künstler“ erwähnenswert. Problematisch ist allerdings die Unübersichtlichkeit – die Angebote werden grob in Kategorien wie „Personen und Porträts“, „Stillleben“ und „Abstrakt“ eingeteilt.

Zudem schwankt die Qualität der Angebote stark, da hier wirklich jeder seine Werke einstellen kann. Das mag für viele Verkäufer ein Vorteil sein, macht es aber für echte Kunstfreunde schwer. Tatsächlich auf Kunst spezialisierte Plattformen lösen diese Probleme meist mit befriedigenderen Ergebnissen als das unübersichtliche und inzwischen angejahrt wirkende Ebay. Es lohnt sich also auch für Interessierte, die sich nicht als versierte Kenner einschätzen, den Sprung zu den Profis zu wagen.

Kunst-Suchmaschinen

Eine Google-Suche nach „Gemälde Künstler Kaufen“ ergibt Hunderttausende Ergebnisse. Neben Tausenden Internetpräsenzen von einzelnen Galerien und Künstlern gibt es auch Internetanbieter, die diese Angebote bündeln und teilweise auch sichten. Ein Beispiel hierfür sind die Plattformen Libalina, Lumas und Kunstmarkt.

Sie fassen Angebote zusammen und erschließen sie mit einer Suchfunktion. Von diesen drei Seiten hat Kunstmarkt das deutlich größte Angebot, aber leider auch die sperrigste Suchfunktion. Libalina bietet eine Menge praktischer Suchoptionen. Man kann beispielsweise nach Preis, Stil, Technik und dominierenden Farben suchen – und es bleibt in jeder Kategorie ein beträchtliches Angebot. 



Zum Herumstöbern sind Lumas und Kunstmarkt wirklich ein Erlebnis. Sie veröffentlichen auch redaktionelle Beiträge. Das in der Presse hoch gelobte Lumas bietet vor allem Fotokunst und Archivbilder in unterschiedlich hohen Auflagen – eine individuellere Alternative zum Kunstdruck. Libalina konzentriert sich auf Gemälde. Die Seite Kunstmarkt bietet beides, allerdings eher in den höheren Preisklassen.

Formatbilder


Einen etwas anderen Ansatz wählt 20x200, das von ausgewählten Fotos und Gemälden Drucke in drei verschiedenen Formaten anbietet. Die kleinsten Formate von etwa 20 mal 30 Zentimeter sind schon für 20 Dollar zu haben. Die mittleren Drucke, 40 mal 50 Zentimeter, erscheinen in einer Auflage von 20 Stück für je 200 Dollar. Sie geben dem Projekt seinen Namen. Auch noch größere Ausgaben und die Originale sind erhältlich, aber natürlich entsprechend teurer. Ein kleiner Haken an der Sache ist, dass die Bezahlung nur über Kreditkarte möglich ist. Dafür ist das Angebot angenehm überschaubar und auch Biografien der Künstler sind verfügbar.

Weisse Wand


Seine eigenen Werke auf den bisher genannten Seiten unterzubekommen ist kein leichtes Unterfangen. Offener ist da schon Whitewall. Die Seite bietet nicht nur als Onlinefotolabor die Herstellung von Abzügen und Drucken in Galeriequalität an, sondern versteht sich auch als Plattform für Künstler und Galeristen. Die Werke können von den Künstlern gratis eingestellt werden und werden der Jury, die aus erfolgreichen Künstlern rekrutiert wird, zur Bewertung vorgeschlagen.

Bei Überschreiten einer Mindestbewertung wird das Werk nicht nur über die Seite des Künstlers zum Verkauf freigegeben, sondern ist auch im allgemeinen Angebot zu finden. Bei Whitewall wird also gefiltert – und das sieht man. Die Werke werden über das Whitewall-Fotolabor in der gewünschten Ausführung produziert und verschickt. Limitierte Auflagen können teuer werden, unlimitierte sind schon zu einem erschwinglichen Preis zu haben.

Für Individualisten

Falls es nicht unbedingt etwas für an die Wand sein muss, ist die Seite Dawanda eine gute Anlaufstelle. Dawanda, deutsches Copycat von Etsy, sieht sich als Onlinemarktplatz für Kunst und Kunsthandwerk und glänzt vor allem, wenn man kurzfristig ein individuelles Geschenk sucht. Vom Ohrring über das Plüschtier bis zum Fressnapfständer ist alles zu haben. Und viele Angebote können auf verschiedene Weise personalisiert werden.

Das Angebot ist sehr gut erschlossen: In vielen Kategorien kann nach Farbe, Stil oder Material gesucht werden. Wobei ein Großteil der angebotenen Stücke eher hell, bunt und freundlich ist. Für Künstler bietet die Seite, die nur eine kleine Angebotsgebühr und bei Verkäufen eine Provision kassiert, die Möglichkeit, das Angebot über kostenpflichtige Werbung zu professionalisieren. Blog- und Kommentarfunktionen sowie die Profile der Mitglieder sorgen für das Communitygefühl.

Für Netzwerkler


Einen noch sehr viel stärker partizipativen Ansatz verfolgen Portale wie das in der Testversion befindliche Cultureload oder die schon ausgefeiltere Talentarena. Cultureload versteht sich als ein Portal „für Künstler und Fans“, und auch Talentarena ließe sich so beschreiben. Acryl- und Ölbilder sind im Angebot, und auch Fotos, Texte, Musik und sogar Videos sind zu haben – und das teilweise gratis. Die Angebote auf Cultureload sind aber nur zum Download. Vom Ölbild erhält man also nur ein Foto – und das auch nur gegen die Kunstwährung Culturecoins.

Eine Möglichkeit, über die Seite Originale zu bestellen gibt es nicht. Aber natürlich hält nichts den Interessierten davon ab, den Künstler direkt zu kontaktieren. Talentarena bietet mit Fan- und Talent-Nutzerkonten ebenfalls den Communityaspekt. Will man seine Kreationen allerdings für harte Euro anbieten, braucht man den Premium Talent-Account, der immerhin fünf Euro im Monat kostet. Talentarena übernimmt auch Dienstleistungen wie Herstellung und Versand der Produkte, kassiert dafür aber einen zusätzlichen Anteil. Für Community-Aktivitäten, die Teilnahme an internen Wettbewerben oder gute Bewertungen kassiert der Talentarena-Nutzer Punkte, die gegen Prämien eingetauscht werden können.

Inzwischen gilt wohl: Egal wofür man sich interessiert, im Internet wird man nützliche Werk- und Spielzeuge finden. Da macht die Kunst keine Ausnahme. Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Es besteht also wirklich keine Notwendigkeit mehr, ausgebleichte und zerknitterte Pulp-Fiction-Poster im WG-Zimmer hängen zu lassen oder fantasielose Verlegenheitsgeschenke zu machen. Auch die eigenen Werke müssen nicht mehr länger in der Abstellkammer ihr trauriges Dasein fristen, sondern können vielleicht sogar Geld bringen.

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