Snowkiten im Schwarzwald: Der Traum vom Fliegen

Maike Sommer

Sich mit einem Drachen bei winterlichen Temperaturen auf Skiern oder dem Snowboard durch den Schnee ziehen zu lassen: Das ist im Schwarzwald möglich. Wie das Snowkiten funktioniert und warum es nicht so gefährlich ist, wie es aussieht.

"Das Springen und die Geschwindigkeit machen den Reiz beim Kiten aus. Man kann schnell sein, ohne einen Motor zu nutzen. Allein die Windkraft ermöglicht es einem, schnell zu fahren und hoch zu springen, was ein großartiges Gefühl ist", beschreibt der Kitelehrer Justin Oldenbürger die Besonderheit an seinem Sport.


Die Voraussetzungen für einen Snowkitekurs in der Kiteschule Skywalker sind Kenntnisse im Ski- oder Snowboardfahren. Es gibt sowohl Ein- oder Zwei-Tageskurse für Kiteanfänger als auch einen "water 2 snow"-Kurs, bei dem geübte Kitesurfer einen schnellen Einstieg in den Wintersport erfahren können. Stationiert ist die Schule am Feldberg neben der Fundorena in Dr. Pilet Spur 11. Die Kurse finden je nach Wetterbedingungen entweder am Seebuck oder in Hofsgrund statt.

Video: So sieht es auf, wenn die Profis Snowkiten



Ohne die richtige Ausrüstung ist das Snowkiten nicht möglich. Neben Ski- oder Snowboardausrüstung und einem Helm benötigen die Kiter ein sogenanntes Trapez. Dies ist ein breiter Gurt, der um die Taille oder um die Hüfte geschnallt wird. Er unterstützt die Sportler beim halten des Drachen, da auch trainierte Menschen aufgrund der großen Zugkräfte den Kite nicht nur mit den Armen halten können. Dieses Trapez wird auch beim Kitesurfen genutzt.

Wählen können die Sportler zwischen einem Sitztrapez und einem Hüfttrapez. Ersteres besitzt Beingurte und ist dadurch für Anfänger besonders gut geeignet, da es nicht verrutscht. Das Hüfttrapez dagegen ermöglicht eine große Beweglichkeit für Manöver. Außerdem benötigen die Kiter natürlich Drachen und Leinen, die in ihrer Größe und Länge dem Fahrkönnen und den Windverhältnissen angepasst sind. Am besten geeignet sind Softkites, welche wie Gleitschirme aufgebaut sind.

Ein Snowkiter muss wissen in welche Richtung der Wind geht

Zu Beginn des Kurses werden grundlegende Regeln und Windkunde erklärt. "Luv ist da wo die Luft her komm. Nach Lee zieht die Luft hin", sagt Oldenbürger. "Um herauszufinden, aus welcher Richtung der Wind kommt, stellt man sich so hin, dass man den Wind auf beiden Ohren hört."

Zur Vorbereitung legt man den Kite längs zum Wind auf den Boden, klappt die Luvliegende Seite um und beschwert sie mit Schnee, damit er liegen bleibt. Anschließend kann man die Leine, die in der Regel zwischen 20 und 30 Meter lang ist, diagonal nach Luv abwickeln.

Ein Sicherheitssystem schützt vor Unfällen

"Mithilfe eines dreistufigen Sicherheitssystems kann man sich in Gefahrensituation von seinem Kite lösen" erläutert Oldenbürger. Jessica Goertz, Teilnehmerin des "water 2 snow"-Kurses. Sie erklärt: " Die erste Stufe ist das Loslassen der Kite Bar." Diese Lenkstange haben die Sportler zum steuern des Drachen in der Hand. An ihm sind die Steuerungs- und Sicherheitsleinen befestigt.

"Wenn der Drachen dann noch nicht sinkt kann man als nächstes das Quickrelease betätigen. Dann ist der Kite nur noch mit einer von drei Leinen verbunden und flugunfähig. Dann gibt es noch die Safety Leash, eine Sicherungsleine die mit dem Trapez verbunden ist. Ohne sie würde der Kite nach dem Betätigen der Quickreleases wegfliegen. Dann ist der Sportler komplett von seinem Material getrennt", erläutert Oldenbürger.

Zuerst wird ohne Board geübt

Nach den Sicherheitserläuterungen kann der Kite gestartet werden, nachdem man ihn ins Trapez eingehängt hat. Dabei hält man die Bar mit langgestreckten Armen vom Körper weg und läuft rückwärts. Bevor sich Kursteilnehmer die Skier oder das Board anschnallen, machen sie zunächst Übungen im Stehen. Starten kann man anders als beim Surfen im Stehen und Sitzen, beides wird trainiert. Steuern kann man den Kite, indem man die Bar rechts und links nach oben und unten bewegt. Der beste Kurs beim Snowkiten ist wie beim Surfen der Halbwindkurs. Dafür fliegt man den Kite rechts und links von sich in der Form einer Acht Richtung Boden und wieder Richtung Himmel. Klappt alles, können sich die Sportler die ersten Meter ziehen lassen. Geübte Kiter machen mit dem Drachen Manöver, Tricks und Sprünge mit mehreren Metern Höhe.

"Der Kite fliegt und zieht mit einem ähnlichen Prinzip wie ein Flugzeugflügel. Der Drachen ist oben sehr dick und gewölbt, unten ist er dagegen dünn. Dabei ist die Strömungslänge für den Wind an der oberen Seite länger als an der unteren. Durch den entstehenden Ober- und Unterdruck zieht der Kite" erläutert Oldenbürger, der seit drei Jahren hauptberuflich als Kitelehrer arbeitet. Im Sommer arbeitet der 20-jährige auf Borkum. Er kitet bereits seit seinem siebten Lebensjahr und war mit dem Kitebuggy deutscher Juniorenmeister.
Wo kann ich Snow-Kiten?

Neben der Kiteschule Skywalker gibt es noch die Kiteschule KITEwild mit Sitz in Freiburg und GlobalXTeam auf dem Feldberg. Bei der Kiteschule Skywalker kosten ein schnupperkurs 45 Euro und ein Tageskurs 119 Euro. Der "water 2 snow"-Kurs kostet 135 Euro. Zu beachten sind immer die Snow-Kiting-Regeln und die Naturschutzverordnung am Feldberg.