Snake Rides: Single-Speed-Räder aus der Regio

David Seitz

Sie haben weder Bremsen noch Gangschaltung und werden im Fachjargon Fixies genannt – diese Single-Speed-Räder sind Teil einer Subkultur, die langsam in Richtung Mainstream drängt. Drei Fahrradliebhaber aus dem Raum Freiburg haben das erkannt: Sie fertigen Fixies nach den Wünschen ihrer Kunden. Die jungen Geschäftsmänner aus Endingen, Ettenheim und Freiburg beobachten genau, wie sich der Markt entwickelt.



Patrick Schindler, Jan Rembold und Dieter Beck haben sich bewusst gegen Rennräder, Mountain- und Citybikes entschieden: „Da ist die Konkurrenz im Internet einfach zu groß.“ Deshalb peilen sie die Nische an – Single-Speed-Räder mit starrem Antrieb. Die Konstellation könnte kaum besser sein: Rembold und Schindler sind Webdesigner, Beck hat einen Fahrradladen in Herbolzheim. Im Mai gingen sie mit „Snake Rides“ online. Der Kunde kann sein Wunschrad im Online-Konfigurator zusammenstellen: Rahmen, Lenkung, Antrieb und Sitz können ausgewählt werden, dazu Farbe und Beschichtung. Auch ein glitzerndes Bike ist kein Problem. Geschraubt und montiert wird in Herbolzheim bei Dieter Beck, nur die Rahmenproduktion ist ausgelagert.


Fixies wurden ursprünglich nur im Bahnradsport benutzt, doch in den 80er Jahren entwickelt sich in San Francisco, Los Angeles und in Kalifornien eine Fahrradkurierszene. Mit atemberaubender Geschwindigkeit schlängeln sich Kuriere durch dicht befahrene Straßen und enge Gassen, auf einer Strecke von bis zu 120 Kilometern am Tag.

Das Non-Plus-Ultra schon damals: Single-Speed-Räder mit fixem Gang, daher auch der Begriff Fixie. Die Vorteile eines Fixies erscheinen auf den ersten Blick wie Nachteile. Es fehlen Gangschaltung, Bremsen, Licht, Gepäckträger. „Das Fixie ist die Essenz des Fahrrads“, erklärt  Rembold. „Da sind überhaupt keine Kabel und Komponenten mehr dran, ein Fixie ist deshalb extrem schlicht und wartungsarm.“

Fixies sind im Straßenverkehr verboten

In den 90er Jahren schwappt die Fahrradkurierwelle dann auch nach Europa, die Szene breitet sich parallel zur Skateboardszene auch in Deutschland und der Schweiz aus. Während die Skater ihre Contests abseits der Straße in der Halfpipe austragen, behalten die Kuriere ihr ursprüngliches Terrain auch bei Wettkämpfen bei. Vor allem in den großen Schweizer Metropolen finden regelmäßig sogenannte „Alleycat Races“ statt – eine Art Schnitzeljagd für Fahrradkuriere. Mittlerweile werden sogar Weltmeisterschaften ausgetragen.

Die florierende Subkultur hat jedoch einen kleinen Haken: Offiziell ist es verboten, mit Fixies ohne Bremsen am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen. Aus nachvollziehbaren Gründen: Die Füße stecken in Metallschlaufen, der starre Antrieb lässt keine Möglichkeit, die Beine mal baumeln zu lassen. Will man seinen Muskeln eine kurze Entspannungspause gönnen, wird man über den Lenker geworfen – einen Leerlauf gibt es nicht. Der Fixie-Fahrer bremst, indem er sein Gewicht nach vorne verlagert und die Pedale – und somit auch die Hinterreifen – blockiert. Die Alternative: Mit Muskelkraft den Vorwärtstrieb der Pedale mindern. Doch das ist nur bei Geschwindigkeiten unter 20 Kilometer pro Stunde ratsam.

„Snake Rides“ verkaufen neben dem Fixie in seiner Ursprungsform auch solche in der entschärften Version –  mit Bremsen und Leerlauf. Rembold selber fährt  mittlerweile nur noch Fixie ohne Bremsen. Für ihn ist es ein Stück Lebensgefühl: „Wenn du ein mal angefixt bist willst du nichts anderes mehr.“

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