Smarthistory: Eine Website als Kunstgeschichtsbuch-Ersatz

Alexander Ochs

SmartHistory.org will zeitgemäß und kostenlos Grundwissen für Kunsthistoriker vermitteln. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man an die teuren und verstaubten Nachschlagewerke für angehende Kunsthistoriker denkt.


„We are dissatisfied with the large expensive art history textbook. We find that they are difficult for many students, contain too many images, and just are not particularly engaging.” Bums. Das sitzt. Die hinlänglich bekannten Einführungen und Übersichten für Kunstgeschichtler betrachten sie als ungenügend, altbacken, überfrachtet und zu kompliziert.


Sie – das sind Dr. Beth Harris und Dr. Steven Zucker, zwei Kunsthistoriker, die das Ganze 2005 mit einem Blog begonnen haben. Statt nur trocken zu unterrichten, unterhalten sich die Beiden und nehmen ihre Zwiegespräche über Kunstwerke auf.

Heraus kamen unzählige Podcasts und auch ein paar Screencasts. Gedacht waren sie für Besucher des MoMA und des Met. Kunstfans oder New-York-Reisende wissen, dass sich hinter diesen Kürzeln die weltberühmten Häuser des Museum of Modern Art und des Metropolitan Museum of Art verbergen.



Der Betrachter sieht dabei nur das Kunstwerk (oft in der immergleichen Einstellung), lauscht aber dem, so sagen sie, spontanen Gespräch der Experten. Das Kunst-Kino muss sich also im Kopf abspielen. Das Ganze dauert ein paar Minuten, manchmal auch eine knappe Viertelstunde. Zu manchen Kunstwerken können User auch ihren Beitrag einstellen – sei es getippt, sei es gefilmt.

Und die Bandbreite der Kunstwerke reicht vom Alten Ägypten bis ins 20. Jahrhundert, vom Pantheon in Rom über Botticellis Venus und über van Eycks geniales Porträt der Arnolfinis bis hin zu den Ikonen der Moderne (wie van Gogh oder Cézanne) und der Nachkriegszeit wie Warhol, Lichtenstein oder Oldenburg. Letzterem haben wir übrigens den übergroßen roten Wasserhahn im Eschholzpark zu verdanken haben.



Auf der Website kann man sich mehr oder weniger systematisch anhand von Epochen, Stilen oder Künstlernamen umschauen oder einfach nach Lust und Laune auf die Bilder klicken. Den Player starten, und schon startet die kleine online lecture. 243 Kunstwerke haben die smarten Kunsthysteriker mittlerweile schon besprochen und knapp 200 Filmchen eingestellt. Einziger Wermutstropfen für Fremdsprachenallergiker: Alles ist auf Englisch.

Gesponsert wird das Projekt – quasi Kunstgeschichte 2.0 – von der Kress Foundation, einer Stiftung, die vom deutsch-irischstämmigen Kunstsammler und Mäzen Samuel H. Kress gegründet wird. Kurioserweise im Jahr 1929, in der Tiefe der Great Depression, der Weltwirtschaftskrise. Womit wir beim Heute angelangt wären...