Skatefotograf Joe Beckert über die Szene in Freiburg – und seine Ausstellung "Out of Freiburg"

Jovana Milosavljevic

Er ist gebürtiger Freiburger, leidenschaftlicher Skateboarder und international bekannter Skateboardfotograf: Joe Beckert (37) zeigt seine Fotos im Boardshop Freiburg und beantwortet fudder fünf Fragen.

Wieso findet Deine Ausstellung in Freiburg statt?

Vor zehn Jahren zog ich aus Freiburg nach Berlin, um meinen Horizont und Erfahrungsschatz zu erweitern. Ich habe schon so viele Ausstellungen in Berlin gegeben. Da sich diesen Sommer für mich die Gelegenheit bietet, mal wieder für ein paar Tage nach Freiburg zu kommen, war mein Motto: "Back to the roots".

Ich wollte einen Zehn-Jahres-Rückblick von 2007 bis 2017 machen und das bietet sich passenderweise in der Heimat gut an. Außerdem habe ich im Boardshop Freiburg damals eine Ausbildung gemacht und nach wie vor gute Kontakte zum Team und einigen Freiburger Skateboardern.

Was genau kann man auf Deinen Bildern sehen und ist es auch für Nicht-Skateboarder interessant?

Ich denke, es kann für jeden interessant sein, da die Locations alle sehr unterschiedlich sind. Manches findet in Skateparks statt, aber auch unterschiedliche urbane Landschaften sind zu sehen. Ich bin die letzten Jahre viel gereist, somit sind die Bilder nun ein Querschnitt der Sammlung.

Vieles entstand in den USA, aber auch in Deutschland und anderen europäischen Städten. Ich habe auch Portraits von unterschiedlichsten Skateboardern gemacht und ein Mix aus analogen und digitalen Bildern ist dabei rausgekommen. Ich versuche, in jedem Bild die Leidenschaft der Skateboarder visuell erfahrbar zu machen.

Wie hat Deine Leidenschaft zum Skateboarden und Fotografieren begonnen?

Das Fotografieren habe ich von meinem Opa geerbt. Die Leidenschaft sowie das Equipment. Hat er sich etwas Neues zugelegt, habe ich etwas Altes bekommen und so fing ich an zu fotografieren. Mit neun Jahren fing ich dann an zu skaten. Als die ersten Rampen in Waldkirch gebaut wurden, habe ich angefangen, den anderen Skateboardern zuzuschauen und der Schritt vom Zuschauen zum Selberfahren war nur noch ein kleiner.

"Man spielt Tennis, aber man ist Skateboardfahrer." ist ein sehr treffender Satz. Skateboarden ist eine Haltung, eine Lebenseinstellung und solange der Körper mitspielt, werde ich das immer aktiv tun. Auch heute versuche ich, mindestens einmal die Woche auf dem Brett zu stehen. Das Verletzungsrisiko ist zwar nicht zu unterschätzen, aber dafür ist es eine kreative Verbindung zwischen Bewegung und Kunst. Das Freiheitsgefühl dabei ist enorm.

Wie hat sich Freiburgs Skateboardszene über die Jahre verändert?

Es ist eine stetige Wellenbewegung, parallel zur restlichen Skateboardwelt. Ein Boom in den frühen 90ern, als ich anfing zu skaten mit der Szene um "Braun’s Skateshop", bis es dann wieder abflachte und Mitte/Ende der 90er wieder populärerer wurde. Anfang der 2000er wurde dann der Skatshop Titus Freiburg eröffnet, welcher sich später zu Bordshop Freiburg wandelte und die Popularität stieg immer wieder. Skateshops sind ein wichtiger Bezugspunkt für die lokalen Skateboarder.

Der Beginn des Baus eines Skateparks auf dem Dietenbachgelände war ein großer Meilenstein für die Skateboardszene in Freiburg. Es ist wichtig für die Freiburger, dass bald der bereits geplante Rest des Skateparks gebaut wird. Die Stadt muss den Prozess, in engem Austausch mit dem Skateboarder vor Ort, vorantreiben und vernünftig zum Abschluss bringen. Man baut ja auch keinen halben Fussballplatz… Skateboarden wird schon lange nicht mehr als Trend wahrgenommen, sondern ist längst in unsere Gesellschaft und den Städten und Gemeinden etabliert - sowohl als moderne, jetzt auch olympische Sportart, sowie auch als Freizeitbeschäftigung für Menschen jeden Alters.

Es gibt mittlerweile eine enorm große Menge Leute jenseits der 35, die regelmäßig auf dem Skateboard stehen. Sie haben teilweise Familie, feste Jobs und bringen ihre Kids mit zum skaten. Die Politik hat erkannt, dass diese Gruppe stetig wächst und eine wichtige Zielgruppe für sie darstellt. Wer Wahlen gewinnen will weiß, dass man es sich nicht mehr leisten kann, diese aktiven Menschen zu ignorieren. Es sind viele und sie werden mehr.




Wie unterscheidet sich die Freiburgs Skateboardszene von der Berliner Skaterszene?

Beide Städte sind vom Wechsel und Wandel der zahlreichen Studenten getragen, in Berlin ist das Publikum jedoch noch internationaler. Man hört auf den Straßen viele unterschiedliche Sprachen. Die Stadt ist für junge Menschen enorm attraktiv und bietet ständig die Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen, mit denen man sich über Reisen und Skaten austauschen kann.

Zudem entstehen hier regelmäßig neue Parks und Spots, die Skateboarder organisieren sich. Die verstaubte Vereinsmeierei aus verrauchten Hinterzimmern ist längst einer frischen und dynamischen Szene gewichen, die professionell und gewandt mit den Institutionen und Sponsoren kommuniziert und fokussiert Projekte realisiert. Skateboarden wird immer etwas Wildes, Rebellisches und Radikales haben, aber wer etwas erreichen will, muss seine Kräfte bündeln.

  • Was: "Out of Freiburg" Ausstellung
  • Wann: Freitag 14. Juli, 18 bis 21 Uhr
  • Wo: Boardshop Freiburg, Nußmannstraße 5