23 Jahre

Ska-Band No Authority im Interview: "Unsere Kinder lösen uns irgendwann ab"

Stefan Mertlik

Die Lahrer Ska-Punk-Band No Authority gründete sich 1996 – 23 Jahre später gibt es sie immer noch. Am Freitag tritt die Ska-Punk-Band im Artik auf. fudder hat mit der Band über ihre neue EP "This is your time" und ihr Durchhaltevermögen gesprochen.

Als ein paar Schulfreunde No Authority 1996 gründeten, zählte die Band zu den Pionieren des deutschen Ska-Punks. 23 Jahre später gibt es die Gruppe aus Lahr noch immer. Am 18. Oktober stellen No Authority ihre neue EP "This Is Your Time" im Artik Freiburg vor. fudder-Autor Stefan Mertlik hat sich mit Sänger Philip, Posaunist Nicolas und Gitarrist Mario über die Geschichte der Band unterhalten.


Ihr steht länger auf der Bühne, als eure Konzertbesucher teilweise alt sind. Was ist das Geheimnis für euer Durchhaltevermögen?

Nicolas: Es macht Spaß und ist ein Jungbrunnen. Es kickt nach so vielen Jahren immer noch, auf der Bühne zu stehen und eigene Songs zu spielen.
Philip: Im Endeffekt ist es wie eine lange Ehe, seit 23 Jahren mit den gleichen sieben Gesichtern auf der Bühne zu stehen. Das schweißt zusammen.

Glaubt ihr, mit einem anderen Musikstil hättet ihr nicht so lange durchgehalten?

Nicolas: Wir sieben kommen aus sehr unterschiedlichen Musikrichtungen. Der Stil, auf den wir uns alle einigen können, ist Ska. Wir verstehen uns in aller erster Linie als Live-Band und diese Musik ist prädestiniert für Konzerte.
Philip: Wir warten immer noch auf die nächste Ska-Welle, damit wir auch mal endlich groß rauskommen.



Ihr bezeichnet euch selbst als Mitbegründer des Skas in Deutschland. Wie hat sich das Genre eurer Meinung nach hierzulande entwickelt?

Philip: Vor etwa 15 Jahren haben wir noch jährlich etwa 20 Konzerte vor 400 bis 600 Leuten in der Schweiz gespielt. Zum Teil mit Bands aus Amerika, die hier auf Tour waren. In diesem Bereich ging viel mehr. Ich habe das Gefühl, dass auch die handgemachte Musik früher mehr wert war. Heutzutage steht ein DJ auf der Bühne und die Leute rennen ihm die Bude ein. Der Veranstalter hat dadurch keine riesigen Kosten für Bühne und Technik.
Nicolas: Anfangs war Ska noch etwas, das viele überhaupt nicht gekannt hatten. Wenn wir jetzt spielen, habe ich nicht mehr das Gefühl, dass irgendjemand verblüfft ist, was da auf der Bühne steht.

Ihr seid im Besitz der Domain skapunk.de. Wie oft kamen schon Leute auf euch zu und wollten euch die Domain abkaufen?

Philip: Noauthority.de besitzen wir ja auch. Da kamen früher einige Hass-Mails, weil es vor 20 Jahren eine Boyband gab, die No Authority hieß. Da haben uns junge Mädels aus Amerika geschrieben, dass es nur ein No Authority gibt und wir den Namen wechseln sollen. Jetzt verstehe ich auch, warum mir Google bei "ähnliche Künstler" Aaron Carter, Jessica Simpson und Michael Jackson vorgeschlagen hat.Unser Spotify-Account ist immer noch vermischt mit der Boyband No Authority.

Das kann sich auf eure Zahlen doch sehr positiv auswirken?

Philip: Ich glaube, die 3000 Hörer, die wir haben, sind nicht wegen uns da.



Wenn es 1996 in Deutschland noch keine Vorbilder gab, wie habt ihr als Band überhaupt zu Ska gefunden?

Philip: Die Band hat 1996 als Schülerband angefangen. Da waren wir noch eine reine Punkband mit klassischer Besetzung. Nach und nach kamen immer mehr Instrumente dazu. Erst das tiefe Baritonsaxofon, dann die Posaune, dann die Trompete und dann das Tenorsaxofon. Zwischendurch schloss ich mich noch mit der zweiten Gitarre und dem zweiten Gesang an. So entwickelte sich das immer mehr in Richtung Punkrock mit großen Ska-Einflüssen. Bis wir irgendwann die Pioniere im deutschen Ska-Punk waren.

Wart ihr in den Anfangstagen auch erfolgreich, weil ihr deutschlandweit genetzwerkt habt?

Mario: Hauptsächlich war dafür der Deal mit Leech Records in der Schweiz verantwortlich. So hatten wir die Möglichkeit, CDs herauszubringen und Konzerte zu spielen.
Philip: Witzigerweise kamen zwar deutschlandweite Anfragen, wir waren aber noch nie in Berlin oder Hamburg. Das haben wir noch nie hingekriegt, weil wir alle erwerbstätig sind und Familien haben. Auftritte hatten wir immer in der Schweiz, ein bisschen in Frankreich und in Süddeutschland.
Mario: Wir haben das auch alles an Wochenenden gemacht. 2003 war eines der stärksten Jahre, da haben wir über 30 Konzerte gespielt. Als wir Studenten waren, ging das noch. Wir hatten aber nicht die Möglichkeit, dass sich neun Leute eine komplette Woche freinehmen und dann touren können. Keiner war von dem Traum besessen, dass er damit irgendwann mal sein Leben bestreiten will. Das war immer ein intensives Hobby.
Philip: Ich glaube, dass das auch der Grund ist, weshalb es uns noch gibt. Wir haben keine Musikkarriere angestrebt und sind dann gescheitert. Wir machen das seit 23 Jahren. Fast alle haben schon Kinder, wieso sollten wir jetzt aufhören?
Mario: Die Kinder werden uns irgendwann ablösen.

Bei eurer Musik können die Leute nur abgehen. Gab es trotzdem Auftritte, bei denen das überhaupt nicht geklappt hat?

Philip: Mit ganz weitem Abstand in Müllheim. Wir hatten mit dem Veranstalter den Deal, dass wir uns mit der Vorband die Eintrittsgelder teilen. Am Ende waren vier zahlende Gäste da.
Nicolas: Ich erinnere mich an ein riesiges Bierzelt in Herbsthausen. Da saßen die Leute an ihren Biertischen und haben Bier getrunken. Wir konnte da rumhampeln, wie wir wollten, das hat überhaupt keinen gejuckt.

  • Was: No Authority
  • Wann: Freitag, 18. Oktober 2019, 20 Uhr
  • Wo: Artik Freiburg, Support: Sailorrats

EP: "This Is Your Time" erschien bei Flight13 Records auf CD und Vinyl, die Streaming-Plattformen folgen am 6. Dezember 2019