Sit down and Sing in der Kaserne: Hach!

Carolin Buchheim

"You have no idea, how much I love the fact that you're so quiet!" freute sich Maria Taylor am Sonntag Abend im gut gefüllten und bestuhlten Rossstall der Kaserne in Basel über das mucksmäuschenstille Publikum des Tapete-Abends 'Sit down and Sing'. Hach!



'Sit down and Sing' in der Kaserne war ein Abend zum stillsitzen, zuhören und ab und zu versonnen seufzen; Ein Konzertabend, an dem mal wieder bewiesen wurde, dass es nicht viel braucht für gute Musik: Weder viele Leute, noch viele Instrumente; Keine große Bühne mit aufwendigen Licht-Hampeleien und auch kein gröhlendes Publikum.


Wenn man sein Handwerk versteht, dann reicht eine Stimme, begleitet von einer Gitarre oder einem Klavier, und genau das zeigten Wolke, Kristofer Åström und Maria Taylor am Sonntag Abend vor einem andächtigen Publikum.



Den Abend eröffneten Wolke. Benedikt Filleböck begleitet Oliver Mincks Gesang und dessen Xylophon-Geklimper am Piano, und die niedlichen kleinen Pop-Songs der Band aus Köln, die sich bei Gelegenheit auch schon mal gern der Künstlichkeit hingibt, glänzten in dieser reduzierten Instrumentierung.

Schade nur, dass die Band nicht auf ihr Queen-Cover 'Ich will mich befreien' verzichteten. Eingedeutschte Cover-Versionen erinnern mich immer unangenehm an Radio-Comedy-Sendungen, in denen sowas dauerhaft praktiziert wird. Wenn man doch eigentlich auch selbst ganz nette Songs schreiben kann, hat man solche Klamauk-Einlagen doch gar nicht nötig.



Als nächstes betrat Kristofer Åström die Bühne. Mich überraschte er schon, bevor er den ersten Ton gesungen hatte, denn Herr Åström ist klein. Und jung. So richtig jung. Zumindest sieht er richtig jung aus; hungrig, in schmuddeligen Jeans und mit zottelig ins Gesicht hängenden Haaren. Allein mit seiner Gitarre stand dieser kleine, dünne, jung und verloren wirkende Kerl auf der Bühne und sang sich sein scheinbar nie enden wollendes Herzeleid von der Seele und erzählte Geschichten von unglücklichen Beziehungen, Einsamkeit, noch unglücklicheren Beziehungen, noch mehr Einsamkeit, Alkohol und noch viel unglücklicheren Beziehungen.
Im Gegensatz zu Wolke gelang ihm eine wunderschöne Cover-Version: zusammen mit Maria Taylor und Oliver Minck sagn er als letzten Track eine zarte, zerbrechliche Version von Elvis Presleys You were always on my mind. Insgesamt ein schöner Auftritt, wirklich nett und richtig gut gemacht und melodisch und schön, aber irgendwie schien der junge Herr Åström dann doch ein klein wenig zu glücklich mit seinem Unglücklichsein.
Was ist so schlimm am Glücklichsein?



Als letztes kam Maria Taylor auf die Bühne im Rossstall.
Eigentlich sind Fräulein Taylors Songs, sowohl die aus Azure Ray-Zeiten, als auch von ihrem Solo-Debüt '11:11' ohnehin schon wunderbar, aber was sie am Sonntag, begleitet von ihrem Bruder Macey am Bass und Dan McCarthy von der Band McCarthy Trenching an der Gitarre aus ihnen machte, das war viel mehr als nur wunderbar.

Fräulein Taylor reduzierte ihre Songs auf das Nötigste, verlangsamte sie auf die minimal mögliche Geschwindigkeit, so dass jeder Ton, jedes Wort, jeder Satz wichtig wurden. Dabei sang sie so, dass einem das Herz weich wurde und warm und überhaupt sang sie richtig; Kein verhaltenen zaghaftes Hauchen, wie auf den Azure Ray-Platten, sondern klarer, ausdrucksstarker Gesang, und bei aller Emotionalität war da kein Anflug von Weinerlichkeit.

Auch sie holte ihre 'Sit down and Sing'-Kollegen für einen gemeinsamen Song auf die Bühne, und bei Song beneath the song, dem letzten Song ihresregulären Sets und dem 'Hit' von '11:11' sangen sowohl Kristofer Åström als auch die Herren von Wolke mit - und auch aus dem Publikum hörte man Stimmen die glücklich-gerührt "It's not a love, it's not a love, it's not a love song" sangen. Hach! Es war ein musikalisch hervorragender Abend, nach dem einem die Superlative ausgehen. Zu schade, dass die 'Sit down and Sing'-Tour nicht auch in Freiburg halt gemacht hat. Sie hätte hier ganz sicher ein aufmerksames Publikum gefunden.

Mehr dazu:

Wolke: Website& MySpace&
 
(legal)
Kristofer Åström: Website& MySpace
Maria Taylor:
MySpace& Mp3(legal)