Singen für den Teamgeist: In der Mensabar werden am Freitag Firmenhymnen satirisch auseinandergenommen

Jana Luck

Firmenhymnen sollen Mitarbeiter an den Betrieb binden, sie motivieren und ihre Leistung erhöhen. Meistens klingen sie ziemlich plump. In der Mensa Bar werden die Hymnen am Freitag, 28. April, neu interpretiert und satirisch analysiert.

"Wir von VW, wir von VW, sind echt ok, sind echt ok. Ein echtes Super-Team, das fest zusammenhält." Das ist der Refrain der Firmenhymne von Volkswagen. Wirklich. Firmenhymnen sind im Unterschied zu Firmensongs für interne Zwecke gedacht statt für Werbespots. Gespielt werden sie auf Jubiläumsfeiern und Weihnachtsparties, Mitsingen erwünscht.


Die Hymnen sollen die Motivation erhöhen, das Teambuilding unterstützen und die Innovationskraft fördern. Viele Unternehmen finden die Idee gut, in den letzten zehn Jahren haben sich immer mehr Firmen so eine Hymne zugelegt. Nicht ganz so spitze findet Thomas Ebermann die Lieder: "Das ist die markanteste Idiotie, die man sich nur denken kann."

"Ich freu mich so auf Montag"

Ebermann, der Mitbegründer der Grünen ist und als Politiker in der Hamburgischen Bürgerschaft und im Bundestag saß, ist heute Künstler, Satiriker und Publizist. Er hat zu dem Phänomen ein Theaterstück geschrieben, das "Der Firmenhymnenhandel" heißt. Es geht um die Juniorchefin eines mittelständische Unternehmens (gespielt von Pheline Roggen, bekannt aus Filmen wie "Soul Kitchen"), das sie modernisieren will.

Eine Firmenhymne muss her. Zu der Inszenierung gehören eingespielte Hymnen, die von Musikern neu interpretiert oder umgedacht werden. Ebermann will jetzt das Material aus der Inszenierung weiternutzen. Deshalb tourt er mit Kristof Schreuf durch Deutschland. Ebermann spricht sarkastisch-analytisch zum Thema, Schreuf unterbricht ihn musikalisch mit den Hymnen. Zum Beispiel mit Texten wie "ich freu mich so auf Montag" aus der Hymne eines Kugellager-Produzenten.

Kunst nicht nur als Darstellung des Absurden

"Ich habe das Stück und die jetzt folgende Veranstaltung nicht nur gemacht, weil wir die Hymnen leicht karikieren können und das zum Lachen ist", sagt Ebermann. "Die Unternehmen erhoffen sich von den Hymnen, dass die Bindung an die Betrieb erhöht wird, der Krankenstand sinkt und der Arbeitseifer beflügelt wird - alles Dinge, die den Profit erhöhen. Ich finde es ist eine grauenhafte Vorstellung, wenn dieses Konzept aufgeht." Kunst ist für ihn nicht nur die Darstellung einer Absurdität. Ebermann will die Mechanismen dahinter aufzeigen.

Selbstoptimierung und das "unternehmerische Ich"

Thomas Eberman sieht in den Firmenhymnen einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel: hin zum sogenannten "unternehmerischen Ich", zu "Self-Empowerment" und der Verwandlung von aufgelegten Zwängen zu Selbstzwängen. "Früher war klar: Arbeit, das ist Plackerei, und die Selbstverwirklichung passiert in der Freizeit."

Wie die Kritische Schule in den Siebziger Jahren postulierte, stimmt das aber schon nicht mehr ganz: Auch die Freizeit wird von der Arbeit bestimmt und nach ihr ausgerichtet. "Und heute soll die Arbeit der Mittelpunkt des Lebensglücks sein", sagt Ebermann. "Sogar die Partnerwahl wird auf die Bedürfnisse des Jobs abgestimmt. Furchtbar."

Die Hymnen sind laut Ebermann ein kleiner Mosaikstein dieser Entwicklung. Deshalb will er darauf aufmerksam machen, auch nach dem Theaterstück noch. Zu seinem reflektierenden Vortrag gibt es Firmenhymnen auf der Leinwand, die teils wortgetreu wiedergegeben sind, teils mit anderer Musik unterlegt wurden oder sogar ganz neu gedacht, interpretiert von Musikern wie Bernadette La Hengst, Lisa Politt, Thomas Pigor, Dirk von Lowtzow von Tocotronic, Schorsch Kamerun von Den Goldenen Zitronen, Rocko Schamoni, Harry Rowohlt oder Andreas Spechtl von Ja Panik.
Was: Theaterstück "Der Firmenhymnenhandel" (mit Afterparty)

Wann: 28. April 2017, 20.30 Uhr

Wo: Mensa Bar, Rempartstraße 18, 79098 Freiburg

Kosten: Eintritt auf Spendenbasis (kein Vorverkauf)