Silvester in Sydney

Lilian Kaliner

Am 24. Dezember erreichte die Freiburger Aussteigerin Lilian Sydney. Sie ist von der Stadt sehr begeistert und hat dort zum Jahreswechsel ein atemberaubendes Feuerwerk erlebt.



Sydney ist unglaublich. Unglaublich schön, beeindruckend, aufregend und unvergleichbar. Eine pulsierende Großstadt und dennoch total relaxt.


Wir erreichten die Stadt am 24. Dezember mittags, als wir über die Harbour Bridge und durch die Innenstadt fuhren. 

Unser Campingplatz lag an der Botany Bay. Von diesem Ort aus begann Australiens Besiedelung. An der Bucht im Süden der Stadt gingen einst die ersten Sträflinge aus England an Land und gründeten Sydney. Keine Geschichte, an die die Australier gern erinnert werden, dafür aber eine besondere. An die Sträflingskolonie von damals erinnert heute nichts mehr. Endlose Vororte mit kleinen Einfamilienhäusern umgeben den Stadtkern.

Am nächsten Tag vor dem Opernhaus zu stehen, das glänzende, geschwungene Dach und die Harbour Bridge im Hintergrund zu sehen, war unbeschreiblich. 

Oft genug hatten wir es ja im Fernsehen oder sonst wo gesehen, doch dass es wirklich so beeindruckend sein würde, hätten wir nicht gedacht. Man hat von dort aus auch die beste Aussicht auf die Skyline, die sich direkt dahinter erhebt und auf den dunkelgrünen Botanischen Garten mitten im Herzen der Stadt. Da stören auch die unzähligen Touristen nicht und es fällt einem kaum noch auf, dass in Sydney überall Deutsche sind.

Vom Opernhaus ist es nur ein Katzensprung zu den Rocks, dem ehemaligen Spelunkenviertel der Stadt. Seemänner haben sich hier früher in den Kneipen mit Prostituierten vergnügt, heute sind die alten Häuser restauriert und ziehen die Besucher an. Und immer wieder fällt der Blick auf das Opernhaus im Hintergrund.



Die Innenstadt von Sydney ist ein gelungener Mix aus alt und neu. Große protzige Sandsteinhäuser aus früheren Zeiten stehen zwischen den modernen, glasverspiegelten Hochhäusern. Dieser Mix macht das Stadtbild modern und trotzdem gemütlich. Der große Botanische Garten und der Hyde Park in der Mitte der Stadt sorgen für Entspannung in der Mittagspause. Die Leute, die hier leben, sind beneidenswert.

Bei einem Spaziergang auf einer Landzunge der Botany Bay entdeckten wir plötzlich eine kleine Insel, die uns bekannt vorkam. Wir haben ein wenig diskutiert und vergebens nach Hinweisschildern gesucht, doch waren wir uns gleich ziemlich sicher: auf dieser Insel wurde ein Teil von Mission Impossible 2 gedreht. Im Film kam die Insel zwar viel größer rüber, aber den Mauern und dem komischen Gebäude nach zu urteilen, muss sie es gewesen sein. Auch wenn Tom Cruise nicht wirklich mein Held ist, war es schon ganz witzig, über die Brücke zu laufen. Die Insel ist verschlossen, aber wir sind auf den Felsen und Klippen ein Stück herum geklettert. Vielleicht kann ja mal einer in den Film reinschauen und uns einen Kommentar schreiben ob wir recht haben. Danke.



Eine Woche haben wir es uns in Sydney gut gehen lassen und hatten am letzten Abend das vielleicht schönste Feuerwerk der Welt. Silvester in Sydney! Am Tag vorher haben wir die Vorbereitungen zum Spektakel im Botanischen Garten beobachtet. Unser Campingplatz wurde total überbelegt. Auf jedem freien Quadratmeter wurde noch ein Zelt aufgebaut und die Backpacker Vans standen sogar in den Vorgärten der Dauercamper. Ausnahmezustand.

Am Abend brummte die Innenstadt und währen ungefähr um neun Uhr das Familienfeuerwerk gezündet wurde, haben wir uns die Aufregung im Stadtzentrum angesehen. Pünktlich zum Jahreswechsel standen wir dann zusammen mit einigen hundert Leuten auf einem Hügel etwas außerhalb der Innenstadt und hatten den perfekten Blick auf die Skyline und das Feuerwerk. Es wurde an fünf Stellen gleichzeitig in der Bucht gezündet und war einfach atemberaubend. In diesem Jahr wurde die Harbour Bridge 75 Jahre alt, vielleicht war das Feuerwerk noch schöner als sonst.



Der nächste Morgen war unser letzter in Sydney. Kurz bevor wir die Stadt verließen, haben wir noch den Punkt besucht, an dem Kapitän Cook einst australischen Boden betrat, am 28. April 1770. Ziemlich versteckt, auf der letzten Landzunge der Botany Bay, haben wir sein gewaltiges Denkmal gefunden. In unseren Reiseführern stand der Weg dorthin nicht, vielleicht gab es auch deshalb keine Touristen dort. Achtzehn Jahre nach Cooks Ankunft verbannte England die ersten Sträflinge nach Australien. Auf einem Felsen steht noch immer der Stein, in dem Cook einen Tag nach seiner Landung die Daten einmeißeln ließ.