Silent Disco: Diesseits der Stille

Gina Kutkat

"Hey Mr. DJ, put a record on! I wanna dance with my headphones!" Wie veranstaltet man eine Party, die zwar ohne Boxen, dafür aber unter freiem Himmel stattfindet? Man setzt den Leuten Kopfhörer auf. So geschehen am Samstag bei der Silent Disco Party auf dem Freiburger Kanonenplatz. War es wirklich so leise?



"Silber oder rot?". Wie bitte? "Hip Hop oder House?" House bitte.

Die Kopfhörer-Verteilerin setzt mir auf Wunsch einen roten Kopfhörer auf, mit dem ich mich unter die tanzenden Leute mische. Die Tanzfläche ist ein abgeschirmter Bereich, streng bewacht von Sicherheitsmännern. Hinweisschilder machen auf den hohen Wert eines Kopfhörers, 100 Euro, mehrfach aufmerksam.


Die Musik aus meinen roten Headphones kommt vom DJ Pult, hinter dem DJ OD aus Holland steht.

Mit dem House/Electro Diskjockey konkurriert der Freiburger DJ Supar auf der gegenüberliegenden Seite. Der Sound ist okay, geht aber irgendwie nicht in die Beine. Etwas fehlt. Die lauten Bässe? Ich bewege mich ein bisschen auf der Tanzfläche hin und her, was sich jedoch als Fehler herausstellt - ich verliere meine Frequenz. Die Kopfhörer sind funkbetrieben, funktionieren also nicht einwandfrei. Die Musik setzt aus, ich suche mir zuerst einen neuen Kopfhörer und dann einen neuen Platz zum Tanzen.

Auf der Suche nach dem richtigen Sound beobachte ich die Leute. Sie tanzen in Gruppen und tragen meistens einheitlich entweder Silber oder Rot. Trotzdem tanzt jeder wie in seiner eigenen Welt. Zwar gehen einige in der Welt der Kopfhörer regelrecht auf, aber mir kommen die Bewegungen zurückhaltender vor als in einer herkömmlichen Disco.



Einzelne Tänzer oder Leute, die augenscheinlich alleine dort sind, haben es schwer. Neue Kontakte zu knüpfen ist schier unmöglich. Tanzmuffel fallen nicht so auf, sie stehen am Rand und bewegen sich, kaum sichtbar, zur Musik.

Ein großer Nachteil der Silent Disco Party wird mir deutlich, als ich meiner Begleitung etwas sagen will. Sie hört mich nicht. Ich klopfe ihr auf den Arm und komme mir vor wie eine Kandidatin von RuckZuck. Natürlich sind Konversationen auch in einer Großraumdisco eine zwicklige Angelegenheit, aber die Kopfhörer ebben die mündliche Kommunikation, jedenfalls im Tanzbereich, völlig ein.

Beim Verlassen des stillen Dancefloors wird den Leuten der Kopfhörer abgenommen. Egal, welche Entschuldigung man vorbringt. "Ich muss nur schnell aufs Klo." "Nur eben schnell etwas Trinken." "Ich komme gleich wieder." Keine Chance, der Kopfhörer wird eingesammelt und man muss sich erneut in der Schlange, die auf die Kopfhörer wartet, anstellen.



Im Außenbereich herrscht Lounge-Atmosphäre. "Silent" ist es hier nicht. Chill-Out Musik tönt aus den Lautsprechern, so dass die tanzenden Leute von weitem nicht ganz so eigenartig aussehen.

Fazit: eine schöne Erfahrung und eine interessante neue Partyform mit einer geradezu perfekten Location mit traumhaftem Blick über die Stadt. Die Freiburger haben die Kopfhörer - Party angenommen und würden eine Fortsetzung vermutlich besuchen.

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