Sieger beim Beteiligungshaushalt: Freiburger stimmen für Pumptrack und Freibad West

Julia Dreier

Einen Pumptrack für Fahrräder und das Freibad West: Das wünschen sich die Freiburger laut Beteiligungshaushalt. Doch einer der Sieger zweifelt, dass die Bürgerbeteiligung ernst genommen wird.

Die Freiburger haben entschieden: Sie wollen einen Fahrrad-Pumptrack und das Freibad West wieder auf Vordermann bringen. Bei der Abstimmung zum Beteiligungshaushalt der Stadt Freiburg gibt es zwei Sieger: Beide Projekte haben 403 Stimmen erhalten. Die Vorschläge werden nun an den Gemeinderat weitergeleitet und dort in den Haushaltsberatungen vom 27. bis zum 29. März behandelt. Dann wird entschieden, welche Vorschläge in den Doppelhaushalt eingebracht werden.


Auf Platz 3 der Abstimmung folgt mit 378 Stimmen eine Fahrradverbindung zwischen Vauban und der Innenstadt. Auf Platz 4 liegt mit 341 Stimmen eine Sanierung der Sportanlagen am Berthold-Gymnasium.

Sieger Nr. 1: Ein Pumptrack für Freiburg

Der Verein Mountainbike Freiburg hat einen der zwei Siegervorschläge eingebracht: einen Pumptrack. Was das ist, erklärt Hannah Röther, die im Verein für das Projekt zuständig ist, so: "Das ist ein Spielplatz für Räder. Man fährt über eine asphaltierte Bahn mit Wellen und Steilkurven und wird durch Pumpen schneller." Doch auch Tretroller, Skateboards oder Inliner können hier fahren – eigentlich alles was, Räder hat. Der Parcours soll frei zugänglich sein. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, aber auch Sportler, die an ihrer Technik feilen wollen. "Man kann auch Sprünge machen, aber es ist, im Gegensatz zum Dirtpark im Dietenbachpark nicht besonders akrobatisch", erklärt Hannah Röther.

Einen passenden Ort hat der Verein auch schon ausgemacht: das kleine, brachliegende Grundstück unterhalb der Wiwili-Brücke am Stühlinger Park. "Der Bürgerverein Stühlinger findet die Idee super", sagt Röther. Wahrscheinlich erhoffe sich der Verein einen Effekt auf die schwierige Situation am Stühlinger Kirchplatz, wenn auch solche dunklen Ecken mit Familien und Kindern belebt werden, meint die Projektleiterin. Auch Grundstücksbesitzer Peter Unmüßig unterstütze das Projekt. "Er wollte darüber mit der Stadt sprechen." Der Aufwand sei baulich und finanziell gering, wirbt der Mountainbike Verein.

Ein Beispiel aus Grenchen in der Schweiz:



Der Sieg bei der Abstimmung sei toll, sagt Röther, vor allem, weil das Projekt so Aufmerksamkeit bekommen hat. Denn konkrete Baupläne gibt es bisher nicht. "Wir haben schon mal beim Baudezernat angefragt, da hieß es, der Pumptrack sei nicht mit dem Bebauungsplan vereinbar." So etwas ließe sich ja ändern. Umso toller sei es, freut sich Hannah Röther, dass durch den Erfolg bei der Abstimmung nun die Unabhängige Liste mit dem Verein Kontakt aufgenommen habe und das Projekt politisch unterstützen will.

Sieger Nr. 2: Das Freibad West wiederbeleben

Auch der Vorschlag, das Freibad West als Naturbad wiederzubeleben, hat 403 Stimmen bekommen und liegt damit ganz vorne. Das Freibad wurde 2003 als Sanierungsfall geschlossen. Seit 14 Jahren vergammelt das Freibecken, schreibt der Freundeskreis Freibad West, der den Vorschlag eingereicht hat. Das soll sich ändern.

Der Vorsitzende, Nicolai Bischler, freut sich über den ersten Platz bei der Abstimmung: "Es ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern, dass sich so viele Bürger dafür einsetzen." Doch die Feierlaune beim Freundeskreis ist gedämpft. "Wir hoffen, dass wir die Sektflaschen nicht wieder in den Kühlschrank stellen, und dafür die Taschentücher rausholen müssen. Denn ich bin mir nicht sicher, ob das Ganze nicht nur eine Alibi-Veranstaltung ist", sagt Bischler. Seine Befürchtung: Es passiert eh nichts.

"Was bringt es, wenn die Fraktionen die Wünsche nicht ernst nehmen?" Nicolai Bischler
Was ist der Grund für Bischlers Gefühl, dass die Abstimmung kaum einen im Stadtrat interessiert? "Es ist ja toll, wenn die Bürger gefragt werden", sagt er, "aber was bringt es, wenn die Fraktionen die Wünsche nicht ernst nehmen? In den Entwürfen der Grünen und der CDU taucht das Freibad nicht auf." Freiburg Lebenswert, die Unabhängigen Listen, die Freien Wähler, die SPD und "hoffentlich die JPG auch" – diese Fraktionen sieht Bischler auf Seiten des Freundeskreises. "Wir wollen ja nicht, dass sofort die Bagger anrücken. Aber wenigstens in die Planungsraten soll das Projekt mit rein. Doch bei den Grünen sehen Sie da nichts!"

Der Westen ist gewachsen – und wünscht sich Infrastruktur

Der Freundeskreis ist der Meinung, das Freibad sei wichtig, um den Freiburger Westen zu stärken. "In den Statistischen Jahrbüchern von 2004 bis 2015 kann man sehen, dass Mooswald und Betzenhausen um rund 3100 Menschen gewachsen sind", sagt Bischler. Das sei so groß wie der Freiburger Ortsteil Tiengen. Hinzugekommen seien aber "nur Menschen und Beton". Auch die Infrastruktur müsse wachsen, so Bischler. Das Freibad wieder herzurichten, sei ein wichtiger Schritt.

Beim letzten Beteiligungshaushalt schafften es zwölf Vorschläge von Bürgern in den Haushaltsplan. Zusammengerechnet kamen diese Vorschläge auf ein Volumen von 540.600 Euro.
Was: Bei den CFT Freizeitmessen können Radfahrer einen Pumptrack testen. Den mobilen Track baut der Mountainbike Verein aus Holzelementen.

Wann: Wochenenden 10. bis 12. März und 17. bis 19. März

Wo: Messe Freiburg

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