Sexy, süß und stark mit Cosplay

Sara Feickert & Manuel Lorenz

Menschen verkleiden sich aufwändig als Inori, Kanu Unchou und Kuroneko – ihre Lieblingsfiguren aus japanischen Zeichentrickfilmen, Comics und Videospielen – und präsentieren sich im Internet oder auf Veranstaltungen. Was soll das? Fragen und Antworten zur Subkultur Cosplay.



Was bedeutet der Begriff Cosplay?

Cosplay ist ein Kofferwort aus den englischen Begriffen „costume“ (Kostüm) und „play“ (Spiel). Der japanische Anime-Produzent Nobuyuki Takahashi hat die Bezeichnung zum ersten Mal 1983 verwendet, um jene damals aufkommende Fanpraxis zu beschreiben.

Und was genau ist das nun?

Cosplay bezeichnet das Verkleiden und Posieren als fiktive Figuren aus Mangas, Animes oder Videospielen. „Innerhalb der deutschen Manga- und Animeszene stellt Cosplay eine eigene Subszene dar“, sagt Karen Heinrich, die 2013 an der Uni Hildesheim eine Doktorarbeit  über „Fan Costuming und Cosplay“ geschrieben hat. Sie schätzt die deutsche Szene auf wenige tausend aktive Cosplayer. Im Internetforum des deutschen Anime- und Mangavereins Animexx sind  derzeit über 17.000 Cosplayer angemeldet.

Warum macht man so was?

„Am meisten gefällt mir daran, die Kostüme herzustellen“, sagt die 19-jährige Theologiestudentin und Cosplayerin Miriam Lederle aus Bad Krozingen. Sie ist seit vier Jahren in der Szene unterwegs und schneidert alle ihre Verkleidungen selbst. Die 19-jährige Anne-Cathrin Sachs aus Freiburg (auf dem Foto oben als Pichu aus aus Pokémon) hat gerade ihr Abitur gemacht und plant, Game-Design zu studieren. Sie ist über ihre Begeisterung für Mangas, die sie auch selbst zeichnet, zum Cosplay gekommen. „Ich finde es toll, auf Conventions so viele Menschen mit gleichen Interessen kennenzulernen“, sagt sie. Laut Expertin Karen Heinrich könnten die fiktiven Figuren gerade Jugendlichen als Rollenbilder dienen: „Man kann sich selbst spielerisch als sexy, süß oder stark darstellen und die eigene Wirkung testen.“ Das könne das Selbstwertgefühl bestätigen und Kraft für den Alltag geben.

Machen das nur Mädels?

„Der Frauenanteil ist schon sehr hoch, aber es werden auch immer mehr Männer“, sagt Stefanie Bösche, die am Wochenende die deutsche Cosplaymeisterschaft auf der Frankfurter Buchmesse mitorganisiert hat. Sie selbst ist schon zwölf Jahre lang Teil der Szene, im richtigen Leben arbeitet die 34-jährige Solingerin als Bürokauffrau. Altersmäßig geht’s laut ihr bei etwa 15 Jahren  los; den durchschnittlichen Cosplayer schätzt sie auf Mitte 20, der älteste, den sie kennt,  ist Mitte 50. „Die meisten sind durch Mangas und Animes  dazu gekommen. Viele auch über Videospiele.“

Welche Internetseiten sollte man sich ansehen?

Am wichtigsten ist Animexx.de, das Internetportal des gleichnamigen deutschen Anime- und Mangavereins. Seit zwei Jahren gibt es die Plattform Cosbase.de (über 1500 User). „Dort dürfen auch Fotos hochgeladen werden, die nicht so harmlos sind“, sagt Stefanie Bösche. Zum Beispiel von Shootings mit Kunstblut. Mittlerweile tauscht sich die Szene natürlich auch auf Facebook aus. Dort gruppieren sich zum Beispiel die Charaktere einzelner Mangas oder Animeserien.

Wo gibt’s die Kostüme?

Die Kostüme schneidert man sich entweder selbst oder man bestellt sie im Internet – wobei letzteres eher verpönt ist. Cosplayerin Miriam hat sich das Schneidern mittels von Tutorials im Internet selbst beigebracht. Stefanie Bösche, die sich selbst mittlerweile 50 Kostüme angefertigt hat, sagt: „Das Kostümemachen ist beim Cosplay sehr wichtig.“ Auch, weil man dadurch in Kontakt zu anderen gelangt.

Und wo zeigt man die her?

Auf Conventions und im Internet. Die meisten Cosplayer treffen sich in Deutschland auf der Manga- und Anime-Convention Connichi in Kassel, zu der diesen September 24.000 Besucher kamen. Auf solchen Veranstaltungen performt man seinen Charakter entweder im Rahmen eines Wettbewerbs auf der Bühne oder man zieht einfach sein Kostüm an, trifft sich mit Freunden, tauscht sich aus und schießt Fotos. Aber auch das Internet ist wichtig – „weil man Leute mit diesem Hobby nicht unbedingt in seiner unmittelbaren Umgebung findet“, sagt Stefanie Bösche. Im Internet knüpft man Kontakte, pflegt Freundschaften, tauscht Fotos aus und gibt sich gegenseitig Tipps. 

Gibt’s das auch in Südbaden?

Die Freiburger Szene sei nicht groß, sagt Cosplayerin Anne-Cathrin. Die Facebook-Gruppe „Cosplay Freiburg“hat zum Beispiel nur 22 Mitglieder. Zum kleinen Freiburger Visual-Kei-Treffen ToN kommen jeden Monat immerhin ein bis zwei Dutzend  Fans japanischer Subkulturen – darunter auch Cosplayer. In Offenburg gibt es ein ähnliches Treffen namens OnNi für Manga- und Animefans.

Und wie kann ich jetzt mitmachen?

Stefanie Bösche empfiehlt: sich auf Animexx.de ein Profil anlegen, sich die Kostüme anschauen, eine Serie oder ein Videospiel finden, das man mag, und einen Charakter, den man darstellen möchte. Und: eine Convention besuchen. „Der Rest“, so Bösche, „ergibt sich von allein.“

Kleines Cosplay-Glossar

Anime: ein japanischer Zeichentrickfilm
Animexx: deutscher Anime- und Mangaverein mit dem wichtigsten Internetforum für deutschsprachige Cosplayer
Convention/Con: Veranstaltung, bei der Cosplayer Kostümwettbewerbe austragen und ihre Kostüme vorzeigen
Con Hons: Poesiealbenähnliche Bücher, die man zu Cons mitnimmt und dann herumreicht, damit die Cosplayer sich gegenseitig eintragen oder etwas malen
Crossplayer: Frauen, die sich als Männer verkleiden oder Männer, die sich als Frauen verkleiden
Kamerakozo: Fotografen, die ausschließlich Cosplayer fotografieren
Manga: ein japanisches Comic manu    

Mehr dazu:

 

Fotogalerie: Deutsche Cosplaymeisterschaft 2013 auf der Frankfurter Buchmesse (Fotograf: Arne Beilschmidt)

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.