Sex und der Adel: Schlagen und geschlagen werden

Lorenz Bockisch

Die praktische Liebe wurde, gemäß Vorurteil, von den Franzosen miterfunden. Besonders auf dem Gebiet der eher gewaltvollen Sexualität wurde ein französischer Adliger berühmt, der viele pornografische Schriften verfasste und nach dem der Sadismus benannt wurde: Donatien Alphonse François, Marquis de Sade. Doch der Namensgeber des Gegenstücks dazu, des Masochismus, ist deutlich weniger bekannt – denn er war Österreicher.

De Sade war im 18. Jahrhundert ein Erfolgsautor, der sein angeheiratetes Vermögen zu großen Teilen für käufliche Damen ausgab, an denen er seine Lust am Schmerzzufügen ausleben konnte. Dafür wurde er auch mehrfach verhaftet, in ein Irrenhaus eingewiesen und sogar zu Tode verurteilt, was aber in den revolutionären Zeiten nicht vollstreckt wurde.


Sein Gegenpart, der Österreicher Leopold Ritter von Sacher-Masoch, lebte im 19. Jahrhundert und war ebenfalls ein erfolgreicher Autor. Eigentlich schrieb er eher romantische Romane und Novellen, die sogar den Bayrischen Märchenkönig Ludwig II. zu einem seiner Verehrer machten. Sein sexlastiges Werk war eher kleiner im Umfang, wurde aber deutlich angeregter rezipiert. Besonders solche Werke wie „Venus im Pelz“ oder „Grausame Frauen“ veranlassten einen zeitgenössischen Psychiater dazu, eine sexuelle Störung nach Sacher-Masoch zu benennen.

In dem Standardwerk zur Sexualwissenschaft über Jahrzehnte, der Psychopathia sexualis, nannte der Arzt Richard von Krafft-Ebing die „Störung“, durch das Zugefügtbekommen von Schmerzen Lust zu empfinden, Masochismus. Sacher-Masoch wehrte sich zwar bald nach Erscheinen des Buches im Jahr 1886 gegen diese Bezeichnung, doch er hatte keine Chance gegen die Einbürgerung dieses Begriffes.

Berühmt wurde er deswegen aber nicht annähernd so sehr wie sein französischer Kollege; wahrscheinlich muss man Franzose sein und im Gefängnis gesessen haben, damit man als Erfinder einer Sexualpraktik viele Romane und Filme bekommt.