Sex + Drugs + Rock'n'Roll + Synthesizer = Chikinki

Carolin Buchheim

Porn groove is the future? So be it! lautete die Überschrift des bisher einzigen Spex-Artikels über Chikinki, und tatsächlich handeln überdurchschnittlich viele Songs der 5 Jungs, die sich vor zehn Jahren an der Uni von Bristol kennen gelernt haben und eine der besten Live-Bands sind, die man regelmäßig in Deutschland zu Gesicht bekommt, von Sex, Drogen oder Sex auf Drogen. Heute Abend treten Chikinki im Drifters auf. Caro hat Ed East, dem Gitarristen von Chikinki, ein paar Fragen gestellt, und Ed hat geantwortet, und zwar auf Deutsch. Chikinki, meint Ed, ist ganz einfach: Sex, Drugs, Rock'n'Roll. Und Synthesizer!



Ed, wie würdest du einer tauben Person den Sound von Chikinki beschreiben?

(lacht) Mit einem Kugelschreiber und Papier! Ich würde schreiben: Chikinki ist eine Verschmelzung von Rock'n'Roll und Synthesizers. Wir machen Rock'n'Roll Music und wir sind eine Rock'n'Roll Band, obwohl wir keinen Bassisten haben. Wir haben nur einen Gitarristen, das bin ich, zwei Keyboarder, einen Schlagzeuger und einen Sänger. Viele Leute meinen, dass man mit so einem Line-Up keine richtige Rock'n'Roll Band sei, aber wir spielen unsere Lieder als wären wir eine traditionelle Rock'n'Roll Band. Alle Basslinien werden von den Keyboards gespielt, und deswegen sind unsere Sounds künstlicher als im Rock'n'Roll. Aber unsere Energie und unsere Attitude sind total Rock'n'Roll.

Habt ihr deswegen auch die ganzen Sex und Drogen Referenzen in euren Songs? Weil ihr eine Rock'n'Roll Band seid? Sex, Drugs & Rock'n'Roll?

Ja, wahrscheinlich. (lacht) Wir versuchen Lieder über unser alltägliches Leben zu schreiben, und wenn das mit Sex, Drogen und Rock'n'Roll zusammenhängt, dann schreiben wir über das. Aber wir schreiben Lieder auch über andere Sachen. Aber lieber über Sex. Sex ist ja wichtig und bedeutungsvoll.

Okay, Chikinki ist also Synthesizer Rock'nRoll. Mich interessiert: Wie ist denn Eure musikalische Sozialisation? Was sind Eure Einflüsse?

Wir sind schon seit 10 Jahren als Band zusammen, und zusammen hören wir andere Musik, als jeder für sich. Wir haben früher auch zusammen gewohnt und sind jetzt viel im Tourbus unterwegs, und hören viel Musik miteinander, gerade elektronische Musik. Früher war das noch mehr, wir haben ja mal in Bristol gewohnt, wo damals die elektronische Szene geboomt hat. Wir haben zusammen zum Beispiel Add N to (x) entdeckt, und Kraftwerk und ganz viele Krautrock Bands. Die Musik, die wir alleine hören, die ist ganz anders. Ich habe mit 8 Jahren angefangen, Musik zu hören, mit den Schallplatten von meinen Eltern, und ich liebte Elvis Presley und die ganzen Rock'nRoll Klassiker. Ich war Teenager in den 90er Jahren, Britpop und Indiemusik waren sehr wichtig für mich, und ganz besonders Nirvana; Wegen Nirvana hab ich angefangen, Gitarre zu spielen. Heutzutage höre ich sehr viel Jazz und Funk, Nick Drake, Folkmusik und so Singer/Songwriter-Kram. Trev mag gern Nina Simone und Miles Davis und Rupert liebt es, lauter obskure Bands zu finden. Das alles teilen wir miteinander, und deswegen hat Chikinki sehr viele verschiedene Einflüsse. Alles was man hört beeinflusst einen, auch wenn man es nicht mag, denn dann denkt man 'ich will nicht Musik wie diese machen', und das ist ein Einfluss. Wir versuchen nie zu kopieren, mit Chikinki. Wenn wir etwas machen und jemand sagt. 'Oh das klingt wie Nick Drake', dann werfen wir es aus dem Fenster. Wir sind beeinflusst von vielen, aber wir versuchen immer, etwas ganz Neues zu machen.

Du hast schon gesagt, dass ihr keinen Bassisten habt, sondern zwei Keyboarder. Woran liegt das? Konnte keiner von euch Bass spielen, oder wolltet ihr keinen Bassisten in der Band haben, weil was dran ist an dem Klischee, das alle Bassisten dumm sind?

(lacht) Na, Schlagzeuger sind auch dumm, und wir haben trotzdem einen.

Und dass, obwohl Schlagzeuger immer alle Mädchen kriegen!

Ja, stimmt. (lacht) Immerhin hoffen wir das für Steve! (lacht noch mehr) Na, wir hatten früher einmal einen Bassisten, aber damals spielten wir noch sehr andere Musik, und er ist irgendwann aus Bristol weggegangen, in die USA, um Bass zu studieren, und nie zurück gekommen. Keiner vom Rest, von uns fünf, konnte Bass spielen, und suchen wollten wir auch keinen. Manche Leute denken, dass man, wenn man Gitarre spielen kann, auch Bass spielen kann, aber das geht nicht, finde ich. Alle Leute können schlecht Bass spielen; gut Bass spielen können nur ganz wenige. Wir haben also einfach zu fünft weiter Musik gemacht, ohne Bassisten, und haben versucht, die Lieder einfach so zu spielen. Nach einer Weile haben wir festgestellt, dass das ganz einfach ist und super funktioniert und wir gar keinen Bassisten brauchen.



Wie habt ihr Euch damals kennen gelernt?

Wir waren alle Studenten an der Universität von Bristol. Ich traf Boris in der ersten Nacht des ersten Semesters. Wir waren beide Musiker und wollten beide eine Band haben. Rupert wohnte ein Stockwerk über uns, Steve im nächsten Gebäude und Trevor war in der gleichen Musik-Klasse wie Boris, sie studierten beide Musik. So haben wir uns getroffen, und haben versucht Musik zusammen zu machen. Der Rest ist Geschichte.

Du hast schon die Bristolszene erwähnt. Gibt es die heute noch?

Ja schon, aber ich kann die nicht mehr beurteilen, denn schließlich wohnen wir schon seit 3 Jahren nicht mehr in Bristol. Damals, es war kurz nach dem TripHop Drum'n'Bass Ding, da versuchten alle Bands irgendwas zu machen, nur nicht das TripHop Drum'n'Bass Ding, damit sie eine eigenen Identität hatten. Es gab viel Post-Rock und viel Electronica aber alle Bands waren sehr unterschiedlich. Jetzt gibt es dort sicher lauter Elektro-Pop-Punk und Post-Libertines und Post-Arctic Monkeys Bands. Wie überall in England.

Was würdest Du sagen, wo ist Chikinki heutzutage zu Hause? In London? Oder vielleicht eher in Deutschland, weil ihr hier so viel tourt? Seid ihr etwa eine Berlin-Band? Ihr seid schließlich dauernd hier!

Wir sind eine heimatlose Band. Wir sind auf Tour, die ganze Zeit, und am meisten touren wir in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Als wir in Bristol gelebt haben, waren wir von Bristol beeinflusst. Jetzt sind wir von den Bands beeinflusst, mit denen wir touren, wie Sister Love, The Robocop Kraus und anderen deutschen Bands.

Muss man bald erwarten, dass Euer Sänger Rupert am Ende eines Gigs Steve's Drums demontiert, so wie das Frontmann Thomas von den Robocop Kraus immer macht?

(lacht) Oh, ich hab' das gesehen bei den Robocop Kraus, das sieht sehr gut aus, das find ich toll. Bei uns macht Rupert ja schon meist irgendwelchen bescheuerten Kram, aber er hampelt halt meistens mit den Keyboards herum.

Stimmt. Wenn man Euch live sieht, dann sorgt man sich immer, dass die Synthesizer kaputt gehen, weil ihr mit ihnen rumwerft, und Rupert mit ihnen herumspielt. Wie oft passiert das?

Ach, die gehen dauernd kaputt, wenigstens einmal pro Auftritt! Normalerweise immer die von Boris, er benutzt diese ganz alten Keyboards aus den 80ern, und er ist ein bisschen clumsy und außerdem total passionate und wirft sein Keyboard immer auf den Boden und irgendetwas zerbricht. Aber das ist ein Teil des Spaß, und außerdem sind deswegen alle Auftritte ein bisschen anders. Something different goes wrong every night. Es wird nie langweilig für uns und mit uns.

Euer fantastisches Album 'Lick your ticket' ist schon drei Jahre alt. Ihr habt jetzt eine neue Single rausgebracht, als Limited Edition auf Vinyl. Wann gibt es endlich eine neues Album?

Hoffentlich sehr bald. Wir haben das neue Album aufgenommen, alles ist fertig, und jetzt warten wir auf alle anderen Sachen, die gemacht werden müssen; die Verträge und so. Wenn es dieses Jahr nicht mehr passieren sollet, dann hoffentlich Anfang nächsten Jahres. Wir sind sehr stolz auf das neue Album, die neuen Lieder sind wirklich gut, und wir spielen sie auch schon dauernd live.

Beschreib mal für alle, die Euch im Dezember schon im Drifters gesehen haben: Wie seid ihr im Moment live, was macht ihr heute anders als letztes Jahr?

Wir haben natürlich viele tolle neue Lieder dabei! Außerdem finde ich, dass wir die ganze Zeit immer besser werden, live, weil wir so viel auf Tour sind. Und weil die neuen Lieder für uns auch noch neu sind, ist jeder Abend gerade sehr spannend für uns. Wir haben sehr viel Energie auf der Bühne, weil wir nicht jeden Abend die gleichen Lieder spielen müssen.

Und noch als letzte Frage: auf der Bühne wirkt ihr ganz schön cocky, aber off-stage seid ihr na, beinahe schüchtern. Bei Rupert ist das besonders extrem, finde ich. Hat man als Bandmitglied für die Bühne eine Extra-Persönlichkeit?

Wir spielen unsere Konzerte immer nach einigen Vodkas, das hilft. (lacht) Aber Du hast recht, wir sind ganz schüchterne Leute, außer wenn wir auf der Bühne sind. Man muss auf der Bühne etwas machen um sich aufzuputschen und dazustellen, damit man Energie in die Leute werfen kann. Auf der Bühne sein ist ein bisschen wie Schauspieler sein, man braucht Attitude, denn es geht ja auch darum, eine Show zu machen, für die Leute. Es kann sehr langweilig sein, eine Band zu sehen, die ihre Lieder so spielt, wie sie sie auf CD eingespielt haben, deswegen machen wir genau das auch nicht. Ich finde es besser eine Show zu machen, bei der es etwas zu sehen gibt, denn wenn es nichts auf der Bühne zu sehen gibt, dann hätten die Leute auch zu Hause die CD hören können.

Mehr dazu:

  • Die Photos von Ed hat Thomas Mellenthin bei einem Auftritt von Chikinki in Potsdam gemacht.
Was: Chikinki
Wann:
Sonntag, 10.09.2006, 21 Uhr
Wo:
Drifters, Freiburg