fudder-Interview

Sergio Schmidt von Junges Freiburg hat die Jugend Politik Tage in Berlin moderiert

Emma Tries

Freiburg in Berlin: Der junge Politiker Sergio Schmidt war vergangenes Wochenende als Moderator bei den Jugend Politik Tagen dabei. Wie es dazu kam und welche Erfahrungen er aus Berlin mitbringt, erzählt er im Interview.

Die Jugend Politik Tage sind vorbei. Welche Erfahrungen hast du mitgenommen und wie hast du die Veranstaltung erlebt?

Es war eine ziemlich erstaunliche Erfahrung. Ziemlich viele hohe Politiker waren da, wie zum Beispiel Jugendministerin Franziska Giffey. Was ich sehr gut fand, war, dass die 450 eingeladenen Jugendlichen, zwischen 16 und 27, komplett gemischt wurden. Vom Geschlecht, von der Herkunft, aus Nord- und Süddeutschland, und auch von der politischen Linie. Bei der Anmeldung haben sie Fragebögen bekommen, und von da hat man dann versucht, eine diverse Gruppe zusammenzustellen. Das fand ich sehr gut, da es eine der ersten politischen Veranstaltung ist, auf der ich war, bei der man nicht in so einer Blase ist.

Wie war die Interaktion mit dem Publikum?

Methodisch fand ich es sehr gut, weil es extrem interaktiv und demokratisch war. Es gab ein Programm, – Tweedback – damit kann man chatten und Liveabstimmungen machen. Wir hatten auch ein Wurfmikro, mit dem man das Publikum auch live fragen konnte. Zusätzlich hatten wir Fishbowl-Diskussionen, also wie eine Podiumsdiskussion, bei der ein Stuhl immer frei bleibt, sodass sich jemand aus dem Publikum beteiligen kann. Zusammen mit den Ja-Nein-Abstimmungskarten gab es vier Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Jugendlichen und den Politikern auf der Bühne, das fand ich sehr beachtlich.

Das Publikum war wahrscheinlich dementsprechend aktiv, oder?

Ja, total. Der Andrang aus dem Publikum war ziemlich groß. Es konnten leider nicht alle Leute drankommen oder Teil der Diskussion sein, weil es einfach ein sehr engagiertes Publikum war. Die Leute sind ja extra aus ganz Deutschland angereist um an der Veranstaltung teilzunehmen, es war also niemand da, der keinen Bock hatte.

Hast du ein Thema im Kopf, das sehr relevant war und am meisten diskutiert wurde?

Zum Teil waren die Themen durch die Veranstalter vorgegeben. Demokratie gestalten war ein großer Themenblock, außerdem Ökologie, Klimaschutz, Städte und Dörfer im Vergleich und der letzte war Arbeit und Bildung, da wurde hauptsächlich über Digitalisierung diskutiert. Digitalisierung war generell ein großes Thema, auch bei Städten und Dörfern, da der Breitbandausbau noch nicht vorangeschritten ist. Kulturleben war ein Thema, da es durch Restriktionen geschwächt wird, dadurch, dass Veranstaltern durch Auflagen immer mehr Steine in den Weg gelegt werden. Beim Thema Klima gab es Forderungen, dass Fliegen nicht so billig sein darf und, dass man eine Steuer auf Kerosin erheben soll.

Wie bist du zu dem Moderatorenjob gekommen?

Die Veranstalter haben ausgeschrieben, dass sie Moderatoren suchen und ich habe ganz normal eine Bewerbung geschrieben.

Wie hast du dich auf den Job vorbereitet, ganz viele Karteikarten geschrieben?

Grundsätzlich bin ich jemand, der mit Karteikarten nicht so gut arbeiten kann, die bringen mich immer eher durcheinander. Ich versuche eher alles direkt zu machen. Aber in diesem Fall war das nicht möglich. Ich habe mich vorbereitet, in dem ich die Personen und die aktuelle Lage in den Themenfeldern recherchiert habe. Vor Ort haben wir dann auch nochmal Moderationskarten geschrieben, was vor allem wichtig war, um die Namen und die Positionen der Leute korrekt zuzuordnen. Ich kann jetzt zum Beispiel sagen "Parlamentarische Staatssekretärin für die Bundesjugendministerin, Frau Caren Marks." So einen Titel, muss man erstmal auswendig lernen (lacht).

Warst du denn nervös?

Tatsächlich hatten wir extrem viel zu tun und sehr wenig Zeit, von daher blieb nicht wirklich Zeit für Nervosität. Es ging eigentlich nur darum, sich die ganzen Infos, die man dann vor Ort noch bekommt, zu merken. Wenn ich auf der Bühne bin, gibt’s für mich dann sowieso keine Nervosität mehr, dann gibt’s nur noch Bühnenfeeling.

Für wie wichtig empfindest du Veranstaltungen wie die Jugend Politik Tage und jugendliches politisches Engagement generell?

Ich denke, dass solche Veranstaltungen extrem dazu beitragen können, dass Jugendliche sich stärker vernetzen, dass sie eine Lobby aufbauen, die in der Politik Mitspracherecht bekommt. Es ist schön, wenn junge Menschen Empfehlungen aussprechen an die Ministerien, aber Empfehlungen sind halt Empfehlungen. Die Ministerien können sich die durchlesen, aber wie viel Interesse sie dann daran haben, diese tatsächlich umzusetzen, steht in den Sternen. Ich glaube, dass es wichtiger ist, zu versuchen junge Menschen in die Parlamente zu wählen, in denen sie mitentscheiden können, gleichwertig mit den anderen Politikern. Das ist die einzige Form, in der man direkten Einfluss auf die Politik hat, ohne Umwege.Ich glaube aber auch, dass Jugendpolitik viele Elemente hat und, dass Veranstaltungen wie die Jugend Politik Tage auch ein wichtiger Baustein sind.
Seit 2014 ist der 23-jährige Sergio Schmidt Teil der Fraktion JPG im Freiburger Gemeinderat. Dieses Jahr tritt er wieder an, als Spitzenkandidat für Junges Freiburg. Am Wochenende war er als Moderator bei den Jugend Politik Tagen in Berlin. Eine Veranstaltung, bei der Jugendliche aus ganz Deutschland an der Jugendstrategie der Bundesregierung teilhaben und sich mit formulierten Empfehlungen direkt an diese wenden konnten.

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