Leute und Listen

Sergio Schmidt von Junges Freiburg: "Der kommunale Ordnungsdienst ist albern"

Sina Schuler

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Sergio Schmidt, Spitzenkandidat der Liste Junges Freiburg.

BZ: Sie setzen sich als Stadtrat für die Belange junger Menschen ein. Finden Sie damit im Gremium Gehör?
Schmidt: Am Anfang hatte ich das Gefühl, nicht ganz ernst genommen zu werden, aber spätestens nach dem ersten Jahr änderte sich das. Ich denke, wir haben den Kolleginnen und Kollegen bewiesen, dass sie uns ernst nehmen müssen.

"Dass Freiburg größer wird, ist eine unvermeidbare Bewegung. Es macht mehr Sinn, dieses Wachstum zu gestalten, anstatt es zu blockieren."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Schmidt: Wir wollen die Interessen von jungen Menschen authentisch und direkt im Gemeinderat vertreten.

BZ: Was muss sich in Freiburg ändern?
Schmidt: Es ist essentiell, die Wohnungsfrage zu lösen, auch weil sie junge Menschen betrifft, die oftmals ein geringeres Einkommen haben. Für Studenten gibt es Wohnheime, für Azubis fehlen solche Angebote. Außerdem sollten junge Menschen ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend im Gremium vertreten sein. Das ist bisher nicht der Fall.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Schmidt: Dass Freiburg größer wird, ist eine unvermeidbare Bewegung. Es macht mehr Sinn, dieses Wachstum zu gestalten, anstatt es zu blockieren.
Zur Person

Sergio Schmidt (23) studiert Germanistik und Philosophie an der Uni Freiburg. Seit 2014 ist er Stadtrat.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Schmidt: Schulden sind erst mal nicht nachhaltig, Investitionen allerdings schon – wie zum Beispiel in die Sanierung von Schulen. Lieber nehmen wir jetzt Schulden auf, sanieren Schulen und sparen später.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Schmidt: Es wäre cool, wenn es wieder eine "Galanacht der Subkultur" gibt, bei der man mit einem Ticket in verschiedene Clubs gehen kann.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst …
Schmidt: … albern. Er kostet Geld und hat keinen Mehrwert für die Stadt.
"Der größte Flop ist definitiv, 100.000 Euro jedes Jahr für die Entfernung von Graffiti an privaten Hauswänden auszugeben."

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert oft am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Schmidt: Oft geht es da ja um Bauprojekte. Es ist wichtig, die Bürger früh zu informieren und einzubinden – und womöglich einen Kompromiss zu finden.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Schmidt: Mit Urbanes Freiburg und der Grünen Alternative Freiburg (GAF).

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Schmidt: Top war 50 Prozent geförderter Mietwohnungsbau … Bäm! Der größte Flop ist definitiv, 100.000 Euro jedes Jahr für die Entfernung von Graffiti an privaten Hauswänden auszugeben.

Sergio Schmidt, 23, arbeitet beim Artik e.V. und engagiert sich unter anderem im Schülerrat und Jugendbüro.

Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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