Semesterticket: Kontrolleure gehen schärfer gegen Studierende vor

Simone Höhl

Weil sich die Betrugsfälle häufen, hat der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) eine härtere Gangart gegen Studierende angekündigt. Es geht um unleserliche Aufdrucke auf den Studentenausweisen.



Die Kontrolleure in Bahnen und Bussen machen bei Studierenden jetzt Dienst streng nach Vorschrift. Auslöser für den Kurswechsel war, dass die Verkehrs-AG zum Semesterstart mehrere mit falschen Bescheinigungen erwischt hat. Doch das härtere Vorgehen trifft auch andere Studierende. Denn auf älteren Uni-Cards, den Studentenausweisen der Universität, nutzt sich der gültige Semesteraufdruck schnell ab, sagen Studierende, Studierendenwerk und Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF). Wenn er unlesbar war, wurde das früher locker gehandhabt, doch damit ist Schluss, sagte am Freitag der RVF.


Unleserlicher Aufdruck

Wer an einer Freiburger Hochschulen studiert, kann für vergleichsweise schmale 89 Euro ein Semesterticket kaufen, das aber nur mit dem Studierendenausweis gilt. Der Ausweis allein erlaubt, ab 19.30 Uhr umsonst im RVF-Netz zu fahren. Laut VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt wurden 2013 bis November 38 260 Semestertickets verkauft. Mitte Dezember gab es Beschwerden: Studierende mit unleserlichem Card-Aufdruck konnten dem Kontrolleur nicht mehr ihre Immatrikulationsbescheinigung als Ersatz vorzeigen, sondern erhielten ein Schwarzfahrticket über 40 Euro. Zeigten sie später eine lesbare Uni-Card vor, zahlten sie stattdessen 7 Euro. "Das ist eine Stunde arbeiten im Nebenjob", meinte ein Betroffener sauer.

Im Thermoverfahren überdruckt

"Das mit der Bescheinigung hat zehn Jahre lang funktioniert", sagte Clemens Metz. Er ist Geschäftsführer des Studierendenwerks, das drei Beschwerden erhielt. Es ersetzte den Dreien die 7 Euro, wandte sich an den RVF, um eine Lösung zu finden, und auch an die Uni. Denn das Grundproblem, sagt Metz, ist der Aufdruck auf der Uni-Card. Jedes Semester wird dieselbe Stelle der Plastikkarte im Thermoverfahren überdruckt. "Und je älter die Karte, um so schneller rubbelt sich das ab."

Ist der Druck nicht in Ordnung, kann sie zum Uni-Card-Team gebracht werden. Das tauscht die Karte nach einem Jahr auch kostenlos aus, erklärte die Uni-Pressestelle. Wie viele Beschwerden direkt eingingen, konnte sie nicht sagen.

Den Aufdruck gibt’s an Automaten der Uni. Die sieben Drucker sind alle auf neuem Stand, so Uni-Sprecher Nicolas Scherger: Sie würden regelmäßig gewartet, die ältesten seien anderthalb Jahre alt. Das Verfahren müsste beliebig oft funktionieren, sofern die Karte nicht abgenutzt sei.

Scherger räumte ein, dass sie ständig beansprucht wird, weil sie auch als UB-Ausweis und zum Zahlen in der Mensa dient. "Man kann nur empfehlen, sorgsam mit der Karte umzugehen."

Rückgang schlechter Aufdrucke

Doch auch beim RVF sieht man im Aufdruck ein Problem und rät den Studierenden, ältere Karten vor dem Bedrucken mit Alkohol abzureiben, damit es besser hält. Früher war die Prüfpraxis lockerer, bestätigte Martin Runkel von der Abteilung Tarif. Jetzt lassen Kontrolleure nur noch bei Erstsemestern Immatrikulationsbescheinigungen als Ersatz gelten, ältere Semester brauchen die Uni-Card.

"Die Bestimmung war schon immer so", sagt Runkel, sie werde nur auch konsequent angewandt, seit es mehr Betrugsfälle gab. Zum Beispiel mit Bescheinigungen von Leuten, die längst nicht mehr studieren. "Studienbescheinigungen kann man auch kopieren." Das Semesterticket kostet pro Monat 15 Euro, die Regiokarte 52,50 Euro. "Bei so einem Angebot müssen wir ein nicht-fälschbares Dokument fordern, und das werden die Verkehrsunternehmen weiter tun." Seit dem Kurswechsel kommen den VAG-Kontrolleuren spürbar weniger schlechte Aufdrucke unter, sagte Andreas Hildebrandt.

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[Foto: Ingo Schneider]