Berufsfeuerwehrtag

Selbstversuch: Wie man sich als Opfer für eine Brandübung fühlt

Carla Bihl

Rauch, Feuer und die Jugendfeuerwehr: Jedes Jahr bietet die Feuerwehr Freiburg einen Berufsfeuerwehrtag an – dieses Jahr mit einer Schauübung an der Hexentalschule in Merzhausen. fudder war als Opfer dabei.

Es ist Samstag, 16 Uhr und die Sonne brutzelt auf den Asphalt vor der Hexentalschule Merzhausen. Schaulustige haben sich versammelt, um dem Spektakel der Jugendfeuerwehr zuzusehen, die im Anschluss an den diesjährigen Berufsfeuerwehrtag eine simulierte Übung vorbereitet hat.


Mittendrin bin ich – mit weißem T-Shirt und Sonnenbrille, nicht wissend, was auf mich zukommen wird. Was ich weiß: Ich bin heute das Opfer.

Brennende Tonnen sind die Ausgangslage

Keiner ist gerne Opfer, aber heute will ich mich bewusst in diese Lage bringen. Ich werde in eines der Klassenzimmer im Erdgeschoss der Grundschule geführt. Um mich herum liegen Sachbücher und Bastelkram. Die Ausgangslage wird mir wie folgt erklärt: Vor der Schule wurden zwei Tonnen entzündet, drei Menschen müssen gerettet werden, einer mit der Drehleiter im oberen Teil des Gebäudes.

Nebel im Zimmer, Rauch vor dem Fenster

Da bin ich nun, man hat eine Nebelmaschine neben mich gestellt, die mit meinem Knopfdruck Nebel ausbläst und das Klassenzimmer verraucht aussehen lässt. Auch wenn ich weiß, dass es sich heute nicht um einen echten Einsatz handelt, fühle ich doch, wie es sein muss, sich in so einer exponierten Rolle zu befinden – denn erst mal sehe ich nur den Rauch vor dem Fenster und den Nebel im Zimmer. Und so hypothetisch ist die Lage auch nicht, denn draußen brennen tatsächlich runde Behältern.

Ich kann riechen, wie sich der Nebel um mich legt. Ich kann die Stille hören und das Knistern des Feuers sehen. Und was mir auffällt – zu warten, wenn man nicht warten will, ist nicht nur etwas zutiefst Unbefriedigendes, sondern wenn es um das Existenziellste von allem geht – das Leben – muss es auch noch ziemlich beängstigend sein.

Das Feuer wird gelöscht

In der Ferne höre ich die Alarmgeräusche der Einsatzwagen. Dann rückt die Jugendfeuerwehr in orange-blauer Montur und mit entsprechenden Schutzhelmen an. Ich beobachte von innen, wie zu zweit der Schlauch gehalten wird und dieser sich langsam mit Druck belädt. Dann endlich kommt das Wasser und das Feuer draußen wird gelöscht. Einer der Jugendfeuerwehrleute hält mich im Blick.

Mit Spezialknoten die Leiter runter

Als das Feuer gelöscht ist, deutet mir einer von ihnen an, das Fenster zu öffnen. Eine kleine Leiter lehnt an das Sims während zwei von ihnen hinaufsteigen. Um meinen Körper sehe ich ein Seil mit Spezialknoten gebunden, dann darf ich die Leiter hinabsteigen – dabei wird mir immer erklärt was gerade passiert und noch passieren wird. Ich werde zu den Sanitätern gelotst, wo ich meinen Finger in eine Art Hülse stecken muss. Ein Gerät zeigt an, wie viel Rauch ich eingeatmet habe – ein bisschen fühle ich mich wie ein Kind, das gerade Arzt spielt.

Arbeiten bei 30 Grad in Schutzkleidung

Ich bin gerettet – und kann jetzt zusehen, wie die Brandwache bei fast 30 Grad in voller Ausrüstung das Dach absuchen muss. Die Feuerwehr hat den Euphemismus für ihre Berufsbezeichnung gepachtet. Denn mit nur Feuer abwehren ist es nicht getan. – die freiwilligen Helfer opfern ihre Freizeit und bringen sich selbst in Gefahr um anderen zu helfen. Manche Arbeit ist eben von Menschen für Menschen und kann weder von Robotern, noch von Maschinen ersetzt werden.