Selbstversuch vom unaufgeweckten Kerlchen

Alexander Ochs

Ist das dunkel morgens! Wer kriecht da noch freiwillig vor 9 Uhr aus dem Bett? Wie kommt man da nur raus? Auf der Suche nach Abhilfe hat Alex den Schlafphasenwecker getestet. Ein Testbericht zwischen Vogelgezwitscher, Chillout-Hightech und trottligen Frühanrufern.



Winterschlaf

Herbst. Winter. Diese grauenhaften Tage, gemeißelt in Grau, Anthrazit und Schwarz, die fast eher Nächten ähneln. Genau die richtige Zeit, um sich eine hübsche Winterdepression einzufangen, Winterschlaf zu halten oder erst spätmorgens um 13 Uhr aufzustehen.

Dennoch: Ums Aufstehen in der Grauzone komme ich, wie fast jeder, nicht herum. Also mal was Neues ausprobieren. Irgendwo habe ich von einem schicken Wecker gehört, der einen sanft und smooth in den Tag gleiten lassen soll.

Ich lasse mir den „aXbo“-Schlafphasenwecker zuschicken. Wow! Was für ein Design. Sehr stylish kommt das Ding daher: glänzendes Weiß, abgerundete Ecken, alles auf Quadrat-Format getrimmt – der iPod unter den Weckern. Ein typischer Warenfetisch.



Die Technik

Soweit die Hülle. Innen drin steckt ausgeklügelte, patentierte Technologie. Anhand der Körperbewegungen erkennt das Gerät die Schlafphasen. Ein Algorithmus bestimmt den optimalen Weckzeitpunkt. Abends streife ich mir ein flauschiges Frottee-Armband über mein linkes Handgelenk, das erinnert an die Schweißbänder aus den Achtzigern. In dem Armband versteckt sich ein kleiner Sensor, der meine nächtlichen Bewegungen registriert und an den Wecker funkt. „Funksignale? Kann man denn da überhaupt noch ruhig schlafen?“, höre ich schon die ersten Kritiker fragen.

Der aXbo, sagt der Hersteller, „überträgt die Daten ausschließlich während der seltenen Bewegungen. Bei durchschnittlich 300 Bewegungen pro Nacht ergibt das eine gesamte Sendedauer pro Nacht von nur 3 Sekunden (0,01 Sekunden Sendedauer pro Bewegung). aXbo sendet mit einer äußerst geringen Leistung von 0,0001 Watt (Vergleichswert Handy-Sendeleistung: durchschnittlich 1 Watt).“



Der Selbstversuch

Die Sendung kann beginnen. Zuerst stelle ich die gewünschte Weckzeit ein: 7.00 Uhr, zeigt das Display in tiefem Blau an. Maximal 30 Minuten vorher kann der Schlafphasenwecker mich aus den Federn holen. Das entscheidet der Wecker im Wechselspiel von Schlafrhythmus und Algorithmus.

Nun suche ich mir einen Weckton aus. Was für coole Geräusche! Ich entscheide mich für die Konserve der natürlichen Variante: Aufwachen mit Vogelgezwitscher. Aber vorher kann ich mich noch mit Chillout-Klängen in den Schlaf wiegen lassen. Grillenzirpen in einer heißen Sommernacht? Nee, ich wähle Meeresrauschen: Das hat was von Urlaub.

Die ersten zwei Nächte werde ich „konventionell“ geweckt, das heißt exakt zur eingestellten Uhrzeit. Und nicht im vorgesehenen Halbstunden-Zeitfenster, welches mein Wechsel von Leicht- und Tiefschlafphase vorgeben soll.

In der dritten Versuchsnacht komme ich dem Wecker zuvor. Obwohl ich erst um eins in die Falle gekrochen bin, war ich innerlich wohl schon früher auf Aufstehen eingestellt, ganz ohne Wecker.

Vierte Nacht: Auf 7 Uhr gestellt, weckt mich der Hightecker (Kompositum aus Hightech & Wecker) kurz vor der eingestellten Uhrzeit. Es klappt!

Die Woche darauf kommt kein, sagen wir mal, „sinnvolles Testergebnis“ zustande. Warum? Weil ich jedes Mal wieder zu früh aufwache. Ich bin offensichtlich meiner Weckzeit voraus. In der Regel merkt der Hightech-Wecker, dass ich wach bin – an der Bewegung. Dann schlägt er unerbittlich ab der ersten möglichen Minute zu, das heißt exakt 30 Minuten vor der eingestellten Weckzeit.

Mal ist die Kleine wach, mal haben mich Geräusche geweckt, allen voran das Telefon. Welcher volltrunkene Vollidiot im Vollbesitz seiner Vollmeise ruft mich um 6 Uhr 40 am Montagmorgen an? (Ein Kollege meiner Süßen. Volltrottel.) Kerl, du untergräbst meinen Test!

Meine Süße hat ihr schickes Schweißband, das dem Sensor Unterschlupf bietet, gar nicht erst angezogen. Sie sagt: Tolles Produkt! Sie liebt die Chillout-Sounds zum Einschlafen und das Vogelgezwitscher zum Aufwachen. Nur das Aufstehen liebt sie nicht; naja, sie muss ja auch um 5.30 Uhr raus aus der Kiste.

Nachdem ich meine Weckzeit einfach etwas vorverlegt habe, hat es ein paar Mal gut geklappt mit dem Wecken. Aber fitter war ich auch nicht, sondern richtig herbstmüde.



Das Ergebnis

Der aXbo kann zwei Personen zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Weckmelodien wecken. Man kann sich die aufgezeichneten Schlafkurven auch via USB auf den PC übertragen. Aber so richtig überzeugt bin ich nicht von dem aXbo-Schlafphasenwecker. Meine innere Uhr scheint sich nicht so leicht mit dem trendigen Zeit-Genossen synchronisieren zu lassen.

Optisch und haptisch top (tatsächlich intuitiv zu bedienen), ist das Ergebnis – nach wie vor morgens müde aus der Wäsche zu schauen – einfach zu mager. Zumal der aXbo auch preislich zu den iPods oder Ferraris zählt: Für 200 Euro komme ich nicht auf meine Kosten.