Selbstversuch: Trampolin-Turnen

Jana Mack

Trampolinturnen liegt im Trend. Der Fitness-Allrounder soll unzählige Kalorien verbrennen helfen – und das angeblich fast ohne Anstrengung, aber mit jeder Menge Spaß. Unsere Autorin Jana Mack hat es getestet.

Mit voller Wucht knalle ich mit dem Rücken auf die harten Federn des Trampolins. Nur wenige Sekunden davor habe ich mich noch leicht, frei und schwerelos gefühlt. Mit geschlossenen Augen bin ich über dem Trampolin geschwebt, die Stimme der Trainerin neben mir in meinem Ohr "Körperspannung!!! Du darfst auf keinen Fall die Körperspannung verlieren ..."


Einfach ein bisschen Rumhüpfen?

Dabei fing alles so harmlos an. Ein bisschen Rumhüpfen am Abend, das klingt doch eigentlich ganz nett. Kurzentschlossen vereinbarte ich einen Termin bei Maren Steffens, Cheftrainerin des Trampolinvereins der Freiburger Turnerschaft von 1844. Aber ein Satz genügte, um meine Illusionen zu zerstören: "Sie müssen aber wissen, dass das ein richtig harter Sport ist und nicht einfach nur so ein bisschen hoch und runter hüpfen ..."

Ein Allrounder in Sachen Fitness soll es sein, dieses Trampolinturnen. Es fördert Koordination, Balance und stärkt die Rumpfmuskulatur, während gleichzeitig Beine, Po und Bindegewebe gestrafft werden. Ganz zu schweigen von den 750 Kilokalorien, die man sich in einer Stunde mühelos von den Rippen hüpfen kann. Wir werden sehen.

In der Halle

Fröhliches Kinderlachen umgibt mich, als ich die Halle betrete. Am linken Rand sind L-förmig drei Riesentrampoline aufgebaut. Zwischen den einzelnen Trampolinen sind große blaue Matratzen angebracht, die zu hohe Sprünge abfedern und schwere Stürze verhindern sollen. Ich genieße die letzten harmonischen Minuten, beobachte Kinder, die auf den Trampolinen herum hopsen und laut lachen, wenn sie hinfallen oder sich in ihren kleinen Beinchen verfangen. Wie schön.

Es geht los

Während ich noch in Kindheitserinnerungen schwelge, betritt Maren Steffens die Halle. Sie ist klein und macht einen sympathischen Eindruck. Fünf Jugendliche kommen nach und nach in die Halle. Vier Jungen und ein Mädchen. Den Jüngsten schätze ich auf 12 Jahre, die Älteste ist vielleicht 17 Jahre alt. Zu beginn sollen wir uns erstmal warm machen, ein bisschen hin und her joggen und uns dehnen. Das sei wichtig, damit wir uns später nicht ernsthaft verletzen.

Ich bin dran

"Es ist wichtig, dass du weißt, in welche Richtung du dich bei den Sprüngen drehen musst. Jeder Mensch hat eine bestimmte, ’natürliche’ Richtung, in die er sich dreht. Falls du dich auf einmal in die andere Richtung drehst, kann es sein, dass dein Gehirn nicht mitspielt und du stürzt. Das ist im Anfangsstadium noch nicht so wichtig, kann aber richtig gefährlich werden, wenn es um Übungen wie den Salto geht", erklärt die Trainerin mir, während wir einer Teilnehmerin dabei zusehen, wie sie sich gekonnt auf das Trampolin schwingt und langsam anfängt, sich darauf zu bewegen.

Sie scheint ihre "natürliche Drehrichtung" schon herausgefunden zu haben. Inzwischen springt sie schwungvoll in das Trampolin, setzt zu einem Rückwärtssalto an, federt den Sprung im Stehen und mit perfekt gestreckten Armen ab und schließt die Übung elegant mit einer halben Schraube. Mit Leichtigkeit reiht sie so zehn Sprünge aneinander – wie unter Wettkampfbedingungen. Ihr Körper steht dabei durchgehend unter Spannung, von den Finger- bis in die Zehenspitzen. Das fasziniert mich.

Jetzt bin ich an der Reihe. Ich brauche drei Versuche, um auf das Trampolin zu kommen. Ganz schön hoch. Wenig elegant und ziemlich verloren sitze ich in der Mitte dieses riesigen Monsters. Unbeholfen mache ich meine ersten Sprünge. Das fühlt sich alles sehr wackelig an hier oben. Die Trainerin gibt mir vom Rand aus Anweisungen. Zu Beginn eine leichte Sprung-Sitz-Sprung-Dreh-Folge.



Doch selbst diese leichte Kombination bereitet mir schon große Schwierigkeiten. Ich versuche, meine Arme, Beine und weitere Körperteile zu koordinieren und dabei auch noch gut auszusehen. Weitere Übungen folgen, das Springen gelingt mir immer besser, ich fühle mich wohl. Bis ich bei einem Sprung dann eben doch die Orientierung verliere, das tut weh. Ich darf runter. Jetzt ist wieder einer von den Jungs dran.

Ich stelle mich neben Maren Steffens. Sie steht am Rand des Trampolins, die Arme leicht ausgebreitet, jederzeit dazu bereit, ihre Schützlinge aufzufangen. Ich zweifle allerdings stark daran, dass sie dazu wirklich in der Lage ist. Immer ein Auge auf das Trampolin gerichtet erzählt sie mir, dass sie eigentlich schon längst damit aufhören wollte, Cheftrainerin zu sein.

Sie macht den Job nun schon seit 45 Jahren und irgendwie kommt sie doch nicht so ganz davon los. Früher habe sie selbst auch oft an Wettkämpfen teilgenommen, heute ist sie nur noch als Zuschauerin unterwegs. Sie kennt sich aus in der Turnerszene. "Es ist schade, dass das Trampolinturnen heute nur noch so wenig Beachtung findet. Natürlich gibt es viele Kinder, die die Kurse besuchen. Bei den Jugendlichen werden es allerdings schon weniger – Erwachsene kommen äußerst selten".

Die letzte Übung: Der Maikäfer

Die letzte Übung lässt mich dann auch erahnen, warum das so ist: Der Maikäfer. Ich liege auf dem Rücken, meine Beine sind angewinkelt, leicht vom Körper weg gestreckt. Mit beiden Händen umklammere ich krampfhaft meine Knie – und fühle mich unwohl.

"So, und jetzt drücken sie sich mit ihrer ganzen Kraft vom Trampolin ab", lautet die Anweisung von der Seite. Ich versuche es, aber es will mir beim besten Willen nicht gelingen, mich vom Trampolinboden zu lösen. Ich fühle mich wie angeklebt.

Irgendwie habe ich mir das alles ein bisschen anders vorgestellt, eleganter, graziöser. Die Bilder in meinem Kopf, wie ich anmutig in schwarzen Leggins über dem Trampolin schwebe, die Beine zum Spagat weit ausgestreckt, verblassen immer mehr. Stattdessen beende ich meine Trampolinkarriere als ein Käfer, hilflos auf dem Rücken liegend, die Beine von sich gestreckt, während große Wesen um mich herum mich gespannt anstarren. Egal, Spaß gemacht hat es trotzdem. Irgendwie.
Weitere Informationen zu Trainingszeiten und dem Trainingsort gibt’s auf ft1844-freiburg.de. Ansprechpartnerin: Maren Steffens (Cheftrainerin), 0761/65016.