Selbstversuch: Stand Up Paddling auf dem Windgfällweiher

Christina Fortwängler

Lässig auf dem Surfbrett stehen, den Wind in den Haaren spüren und Sonne tanken – dafür muss man nicht ans Meer fahren. Stand Up Paddling heißt die Trendsportart, und die kann man schon eine Stunde von Freiburg entfernt ausprobieren. fudder-Autorin Christina Fortwängler hat das Aloha Center am Windgfällweiher besucht und ist aufs Board gestiegen:



Ich muss an schwedische Seenlandschaften denken, als der Windgfällweiher in seiner ganzen Pracht vor mir liegt. Das Wasser ist tiefblau und die Morgensonne spiegelt sich glitzernd in den kleinen Wellen. Drumherum sind nur Tannenwälder zu sehen und der strahlend blaue Himmel. Ganz schön malerisch ist es hier – die ideale Kulisse für meinen heutigen Selbstversuch im Stand Up Paddling, kurz SUP.

Trainer Florian 'Flo' Jähne gibt mir und den fünf anderen Kursteilnehmern ein paar kurze Einweisungen, dann dürfen wir uns ein Brett aussuchen. Boards aus Holz und luftgefüllte aus Kunststoff liegen vor dem Aloha Center bereit, wo Flo zusammen mit Benjamin Heer eine SUP-Schule betreiben, und ihre Bretter an Badegäste vermieten. Ich entscheide mich für ein größeres himmelblaues Exemplar, und es kann los gehen. Wie beim Wellenreiten liegen wir auf dem Bauch und paddeln mit den Armen bis zur Mitte des Sees. Dann wird es spannend: „Und jetzt mal aufstehen“, ruft Flo. Ein bisschen wacklig ist es anfangs schon, aber dann klappen die ersten Ruderschläge im Stehen erstaunlich gut.



Manch einer kennt Stand Up Paddling (SUP) vielleicht aus Australien oder aus den USA, auch am Bodensee und in Norddeutschland kann man das bereits machen. Im Raum Freiburg ist das Aloha Center am Windgfällweiher - zwischen dem Schluchsee und Titisee gelegen - aber der einzige SUP-Anbieter. „Wir haben nach etwas gesucht, wo man nicht unbedingt ans Meer muss“, sagt Flo. Die staatlich geprüften Schneesportlehrer bieten hier bis in den Herbst hinein 90-minütige Schnupperkurse im SUP oder auf Nachfrage auch größere Touren auf der Alten Elz an.

Noch sind alle Kursteilnehmer trocken, als wir uns für weitere Instruktionen sammeln. Wir lernen verschiedene Rudertechniken. Flo führt vor, wie man das Paddel mit einer Bewegung aus dem Handgelenk gerade heraus gleiten lassen kann, um nicht in eine Richtung abzudriften. Dann geht es ums Kurven fahren. Der Rundumschlag ermöglicht eine sanfte Kurve, das Paddel rückwärts hineinhalten eine Drehung um 90 Grad. Schnell abbremsen funktioniert in etwa gleich – wer schon mal in einem Kanu gesessen hat, der benutzt diese Techniken schon intuitiv. Zwischen den Übungen kann jeder ein bisschen auf eigene Faust den See befahren.

„Wow, diese Landschaft“, denke ich, als ich mich nach links drehe, um mich genauer umzusehen. Keine gute Idee...ich taumle...und finde ich mich im Wasser wieder. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, denn bei 38 Grad freue ich mich über jede Abkühlung. Weiter geht es in der Vertikalen über den See: Umgebung bestaunen, Tiere beobachten und anderen Paddle-Boardern zuwinken.

 

Dann ist Brettertausch angesagt. Dazu müssen wir die Boards parallel nebeneinander ausrichten, um im Idealfall koordiniert und gleichzeitig mit dem Tauschpartner das andere Brett einzunehmen. Ich stehe jetzt auf einem kleinen Holzboard und muss mich erst mal zurechtfinden. Je kleiner das Brett, desto schwieriger ist es nämlich, das Gleichgewicht zu halten. Jede Bewegung macht einen Unterschied, und ich muss mich ganz schön konzentrieren, um nicht im Wasser zu landen.

Hat man sich erst umgewöhnt, fährt es sich mit dem kleinen Brett sogar viel besser als mit dem „Schiff“, wie die größere Variante von der Gruppe liebevoll genannt wird. Die Wellenreitbretter aus Holz stellen Benjamin Heer und Florian Jähne in ihrer Freiburger Werkstatt „Yellowfoot“ selbst her, die größeren Bretter sind gekauft. Für die nächste Saison sollen aber alle Boards aus Eigenproduktion sein.

Was für ein Spaß, so über das Wasser zu schippern! Die Sonne steht mittlerweile hoch am Himmel und ruckzuck bin ich wieder trocken. Ab und zu springe ich auch freiwillig ins Wasser, die anderen halten es da genauso. Es ist richtig entspannend, fernab des immer voller werdenden Strandbads den See und das Wetter zu genießen. Zum Abschluss führt Flo die Königsdisziplin vor: Durch schnelle Paddelschläge das Board in Geschwindigkeit bringen, dann nach hinten springen, um eine schnelle Kurve zu fahren. Hilfe! Das bekomme ich nur in Ansätzen hin, springen traue ich mich nicht so richtig. Auch die anderen haben ihre Probleme mit dieser Übung – den ein oder anderen kostet es das Gleichgewicht. Ehrgeizig probiere ich weiter herum - und ein klein bisschen klappt es dann tatsächlich.

SUP fördert vor allem Koordination und Gleichgewicht und kann für viele Sportarten ein unterstützendes Training sein. Trotzdem muss man nicht unbedingt besonders sportlich sein, um Stand Up Paddling zu lernen: „Die einzige Voraussetzung ist, dass man schwimmen kann“, sagt Florian Jähne. Auf dem Brett steht man schnell relativ sicher – und dann ist SUP eine fast meditative Sportart, die gerade an heißen Tagen ohne große Anstrengung Spaß macht. Man kann die Geschwindigkeit selbst wählen, sich treiben lassen oder verschiedene Rudertechniken ausprobieren. Ansonsten: Einfach die Landschaft genießen und dahin gleiten. Ich werde es auf jeden Fall bald wieder einmal machen, vielleicht wage ich sogar eine Tour bei Flussströmung auf der Alten Elz.

Mehr dazu:


Kontakt

Aloha Center Freiburg 0151.26112690 
sup@alohacenter.de    

Kosten

Ein 90-minütiger Schnupperkurs kostet 39 Euro; im Preis miteinbegriffen sind SUP Board, Paddel und Schwimmweste

 

Foto-Galerie

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